veröffentlicht am 23. Juli 2013 in Tagesklinik-meine ersten zwanzig Tage von

Der heutige Tag war sehr interessant. Nach dem Frühstück hatten wir Kunsttherapie. Ich muss ehrlich eingestehen, dass ich anfangs an dieser Art von Therapieform nicht wirklich interessiert war und auf meinen Vorurteilen beharrte. Ich dachte mir, wie soll jemand aus meinen Bildern etwas erkennen, ich kann doch genau steuern, dass ich nur mit hellen und freundlichen Farben male. Doch es kam alles anders.

Gleich zu Anfang hatte ich ein kurzes Gespräch mit der Kunsttherapeutin. In dem Gespräch fragte sie mich ob ich mir vorstellen könnte, was es mit der Kunsttherapie auf sich hat. Zusätzlich erzählte sie mir, mit welchen Materialien hier gearbeitet wird. Nach der Einführung ging es los. Meine erste Aufgabe war es, einen Kreis der auf ein weißes Blatt Papier gezeichnet wurde – wir nannten es mein Inneres – mit Farbe zu füllen. Danach sollte ich auch den Rest des Blattes mit Farbe füllen, dies war mein Äußeres. Ich dachte mir, OK das ist keine große Sache. Ich wusste schon welche Farben ich verwende und stellte mir alles wirklich einfach vor. Doch so war es nicht.

Als ich mit der Arbeit begann, musste ich feststellen, dass es nicht so einfach ist, das was mich im Innern beschäftigt wie zum Beispiel meine Gefühle, Gedanken oder Erfahrungen in Farbe darzustellen und auch noch abzugrenzen. Genau das Gleiche gilt für die Darstellung meines Äußeren. Nach etwa einer Stunde sagte ich der Therapeutin, dass mein Bild fertig sei. Es ging zur Besprechung, hier zeigten sich einige interessante Verhaltensmuster von mir wieder, die ich zwar kannte, aber nicht wahr haben wollte. Also ging es an das Nacharbeiten.
Es hört sich vielleicht komisch an, doch diese Übung hat in mir viel aufgewirbelt, indem mir, wie bereits erwähnt, einige Dinge, die ich vorher nie wahrhaben wollte, erbarmungslos aufgezeigt wurden. Es war teilweise auch ein unangenehmes Gefühl, denn wer sieht schon gerne eigene Defizite oder Schwächen. Trotzdem war ich froh darüber diese Aufgabe bekommen zu haben, auch wenn ich die Wirkung so nicht erwartet habe.

Ihr wollt sicherlich wissen, was mir dort aufgezeigt wurde. Na gut, weil ihr es seid. Ich musste feststellen, dass ich im Innern ziemlich durcheinander bin und es bei mir oft nur schwarz oder weiß gibt. Dazwischen kenne ich nicht wirklich etwas. Anders beschrieben, es scheint für mich nur 0 oder 100 zugeben. Zusätzlich stellte ich mit dieser Aufgabe fest, dass es mir unwahrscheinlich schwer fiel, mein Inneres zu beschreiben und wahrzunehmen. Irgendetwas in mir sträubte sich dagegen.

Dies sind wichtige Erkenntnisse für mich, an denen ich arbeiten muss. Zudem ist mir bewusst geworden, dass ich Grenzen habe, die ich nicht aufgeben möchte oder kann. Die ich auf keinen Fall überschreiten oder verletzen möchte. Ob dies jetzt eher gut oder schlecht ist muss ich für mich noch überdenken. Fakt ist, dass zu viele und starke Grenzen oder vielleicht auch Richtlinien, mein Leben und die damit verbundene Lebensqualität einschränken können. So etwas kann auch belastend auf meinen Körper wirken. Diese Gedanken sollten mich noch den ganzen Tag beschäftigen.

Nach der Kunsttherapie hatte ich ein Gespräch mit der Bewegungstherapeutin. Hier wurde abgecheckt ob ich körperliche Einschränkungen habe, auf die bei der Bewegungstherapie oder Schwimmtherapie geachtet werden muss. Nach dem Gespräch war ich noch eine halbe Stunde im Ruheraum und habe versucht die Eindrücke der Kunsttherapie zu ordnen.

Um 12 Uhr gab es wie jeden Tag Mittagessen, danach hatten wir die Stabi- und Info-Gruppe. Diese Gruppe haben alle zusammen. In dieser Gruppe wird über unsere Krankheiten informiert, über Ernährung gesprochen, allgemeine Themen wie beispielsweise Kommunikation mit anderen Menschen besprochen und es werden Stabilisierungsmaßnahmen für den Ernstfall erklärt.

Was versteht man unter Stabilisierungsmaßnahmen? Dies sind Maßnahmen, die beispielsweise vor oder bei einer Panikattacke angewendet werden können, um die Panikattacke abzuwehren oder eine Minderung der Symptome zu erreichen. Wir hatten uns heute mit dem Thema Kommunikation untereinander befasst. Es ging darum wie wir uns ausdrücken und wie dies auf andere Menschen wirken kann. Es wurde auch darüber gesprochen, wie Missverständnisse in der Kommunikation mit anderen Menschen entstehen können und wie wir möglichen Missverständnissen vorbeugen können. Ich finde es auch hier wichtig zu erwähnen, dass innerhalb der Gruppe eine angenehme Atmosphäre geherrscht hat. Nach der Stabi- und Info-Gruppe konnte jeder für sich den Tag ausklingen lassen.


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