veröffentlicht am 13. Februar 2020 in Aktuelles/Neues, Alltägliches, Depression und Angststörung, Depressive Gedanken und Gefühle, Infos für Angehörige von

Sexualstörungen bei der Einnahme von Antidepressiva

Viele Betroffene einer Depression berichten von Sexualstörungen im Zusammenhang mit der Einnahme von Antidepressiva. Die Medikamente können die Sexualität dabei sowohl auf körperlicher als auch psychischer Ebene negativ beeinflussen. Doch wie genau kommt es eigentlich zu den Symptomen, wodurch zeichnen diese sich aus und was können betroffene Männer und Frauen dagegen tun?

 

 

Depression und Antidepressiva beeinflussen die Sexualität

Die Kombination aus einer vorliegenden Depression und der Einnahme von Antidepressiva, ist für die Sexualität der Betroffenen leider eine ungünstige Kombination. Eine unbehandelte Depression allein kann schon zum Verlust des Sexualtriebes führen. Patienten klagen in diesem Fall zunehmend über Lustlosigkeit und Müdigkeit, die der Libido im Weg stehen. Die Symptome sind zu diesem Zeitpunkt meist psychischer Natur. Mit der Medikamententherapie gesellen sich häufig körperliche Einschränkungen dazu. So leiden Männer durch die Einnahme von Antidepressiva unter Potenzstörungen oder einem verminderten Spermavolumen. Bei Frauen kann es zu Scheidentrockenheit kommen. Beide Geschlechter berichten außerdem von der Unfähigkeit Orgasmen zu empfinden oder von einem Gefühlsverlust der erogenen Zonen.

Die Ursache der Sexualstörungen, bedingt durch Antidepressiva, liegt im Gehirn. Die Medikamente greifen in den Hirnstoffwechsel ein und beeinflussen dort die Ausschüttung der Hormone Serotonin und Dopamin. Diese spielen jedoch auch bei der Entstehung und dem Erhalt eines gesunden Sexualtriebes eine wichtige Rolle. Die Veränderung ihrer Ausschüttung wirkt sich bei vielen Patienten mit Depression ungünstig aus und verursacht Sexualprobleme. Eine Abgrenzung der Medikamentenwirkung ist mitunter schwierig, da nicht völlig klar ist, welche der Symptome ausschließlich durch die Depression und welche von den Antidepressiva hervorgerufen wurden.

 

Art der Antidepressiva entscheidend

Wie stark die Sexualität von der Medikamententherapie einer Depression beeinflusst wird, hängt davon ab, welches Antidepressivum zum Einsatz kommt. Die schlechte Nachricht: Beinah alle der gängigen und meist verschriebenen Antidepressiva, können Sexualprobleme verursachen. Das beispielsweise in Deutschland häufig verordnete Medikament Citalopram ruft, ähnlich wie andere selektive Serotonin- Wiederaufnehmer (SSRI), Nebenwirkungen wie Potenzschwierigkeiten und Ejakulationsprobleme hervor. Darüber hinaus erschwert es den Patienten, Orgasmen zu erfahren.

Es gibt einige Antidepressiva, die immerhin nicht für das Verursachen von Sexualproblemen bekannt sind. Allerdings zeichnen sich diese häufig durch eine Vielzahl anderer Nebenwirkungen aus, weshalb sie mitunter seltener zum Einsatz kommen. Dazu zählen unter anderem die Präparate Mirtazapin, Agomelatin und Moclobemid. Ein negativer Einfluss auf den Sexualtrieb kann auch bei diesen Medikamenten nicht völlig ausgeschlossen werden. Zwar sind sie bislang in dieser Beziehung weniger auffällig, dieser Umstand könnte jedoch auch mit einem Mangel an zuverlässigen Daten begründet werden.

 

Anhaltende Symptome und deren Therapie

In den meisten Fällen verschwinden die Probleme wieder mit dem Absetzen der Antidepressiva. Es gibt jedoch Ausnahmefälle, bei denen der Leidensweg der Betroffenen darüber hinaus anhält. Bei einer PSSD (Post SSRI Sexual Dysfunction) bleiben die Sexualstörungen noch Monate oder Jahre nach Absetzen der verantwortlichen Antidepressiva bestehen. Lange Zeit war die Existenz von PSSD selbst unter Medizinern nicht bekannt. Andauernde Sexualprobleme dem Ende der Therapie mit Medikamente wurden den depressiven Störungen zugeordnet. Erst in den letzten Jahren ist die Medizinforschung den Antidepressiva als Verursacher der PSSD auf die Schliche gekommen. Dennoch mangelt es bislang an zuverlässigen Studienergebnissen, die eine genauere Untersuchung der Zusammenhänge zulassen. Machtlos sind Betroffene den Symptomen jedoch nicht ausgesetzt. Für die Therapie der Sexualstörungen kommen sowohl kurz, als auch langfristige Behandlungsmaßnahmen in Frage.

Um die Sexualprobleme im Zusammenhang mit einer Depression zu behandeln, sollte auf eine Medikamententherapie in Kombination mit regelmäßiger Psychotherapie gebaut werden. Im Rahmen der Gesprächstherapie, kann den psychologischen Ursachen der Probleme wie z.B. Versagensängste, Reizbarkeit und Mutlosigkeit entgegen gewirkt werden. Eine solche Gesprächstherapie kann als Einzelbehandlung oder auch Gruppensitzung in einer Selbsthilfegruppe stattfinden, bei der Betroffene sich austauschen und informieren können. Zusätzlich kann die Einnahme des gängigen Potenzmittels Viagra Abhilfe schaffen. Das Medikament muss von einem Arzt, unter Absprache des Zusammenhangs der Probleme mit der Depression, verschrieben werden. Für betroffene Frauen gestaltet sich die Behandlung schwieriger. Studien bei denen die weiblichen Teilnehmer Viagra zur Besserung der Symptome einnahmen, kamen zu uneindeutigen Ergebnissen. Die Einnahme verschiedener pflanzlicher Präparate zur Luststeigerung ist zwar weitgehend unbedenklich, jedoch nicht zureichend erforscht. Auch hier sollte der behandelnde Arzt bei gleichzeitiger Einnahme von Antidepressiva vor Einnahme der Präparate befragt und informiert werden.

Fazit: Zwischen einer Depression und dem Auftreten von Sexualproblemen bestehen eine ganze Reihe von Zusammenhängen. Es ist nach wie vor schwierig, die auftretenden Symptome eindeutig den eingenommenen Antidepressiva zuzuordnen. Die Grenze zu jenen Beschwerden, die auch bei einer Depression ohne Medikamentenbehandlung auftreten würden, zu ziehen, ist für behandelnde Ärzte nicht immer möglich. Hinzu kommt der akute Forschungsbedarf, besonders auf dem Gebiet der Spätfolgen. Die PSSD ist noch nicht lange bekannt und bei ihrer Behandlung gibt es großen Nachholbedarf. Bemerken Patienten Sexualstörungen im Zusammenhang mit der Einnahme von Antidepressiva, sollten sie zunächst den Arzt darüber informieren. Dieser kann je nach Stand aktueller Studien Maßnahmen empfehlen und einleiten.

 


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