veröffentlicht am 20. Februar 2016 in Depressive Gedanken und Gefühle von

Selbstzweifel unsichtbar aber mächtig

Selbstzweifel eine weitere dunkle Macht in mir – Immer wieder bekomme ich zu hören, dass ich sehr selbstbewusst wirke. Ja, ab und an höre ich sogar, dass mich einige für mein Selbstbewusstsein beneiden. Dabei weiß fast niemand, wie dunkel es hinter der weißen Fassade aussieht. Nach Außen wirke ich vielleicht wie ein ganz normaler Mensch, vom Erscheinungsbild her bin ich dies ja auch. Doch nicht von meinen Gefühlen und Gedanken. Denn es ist ständig etwas in mir, was alle Entscheidungen, Komplimente, jede eigene Aussage aber auch die Aussagen der anderen und jeden noch so kleinen Gedankengang hinterfragt und letztendlich in ein negatives Licht stellt.

 

Selbstzweifel werden zu großen Hürden im Alltag

Treffe ich eine Entscheidung, lasse ich mich umgehend verunsichern ob diese wirklich so schlau war. Häufig rede ich mir ein, dass ich an etwas nicht gedacht habe und diese Entscheidung falsch war oder sogar irgendwelche schlimmen Konsequenzen mit sich bringen könnte. In diesen Situationen bin ich dann hin und her gerissen da ich es nicht wirklich schaffe mir zu vertrauen. In diesen Augenblicken beginnen meine Selbstzweifel mir sofort über den Kopf zu wachsen. Auch wenn es mir äußerlich niemand anmerkt, im Innern bin ich zutiefst verunsichert. Ich Ringe mit mir selbst, mit meinem dunklen Ich, ob die getroffene Entscheidung wirklich richtig war und mit welchen Folgen ich zu rechnen habe. So kann eine normale Entscheidung zu einer Tages- oder Wochenaufgabe werden. Gerade im Berufsleben, wo man funktionieren muss, stellt mich das oft vor eine große Herausforderung. Immer im Hinterkopf, dass es niemand merken darf, da Menschen die unter Depressionen leiden, leider oftmals immer noch als Spinner dargestellt werden.
Aber nicht nur Entscheidungen treffen ist für mich und andere depressive Menschen eine schwierige Angelegenheit. Denn auch sonst versucht mein dunkler Teil mich ständig in die Enge zu treiben und niederzumachen. Immer wieder löchert mich dieser Teil mit Fragen und Aussagen wie, hast du wirklich nichts vergessen… bist du dir sicher… du kannst es nicht… du wirst es nicht schaffen… du machst es falsch… was passiert wenn es falsch war… dich mag eh niemand… Du wirst es nicht verstehen… Alle anderen sind besser… Versager… Oft ist das was sich in mir abspielt sehr entmutigend. Es tut weh und kostet jede Menge Kraft, immer wieder gegen diese Aussagen vorzugehen. Auch hier stellt das Berufsleben eine besondere Herausforderung dar. Gerade in einem neuen Job, in dem man die Abläufe und Tätigkeiten erst erlernen muss, ist es eine große Herausforderung, den Arbeitsalltag zu bewältigen. Denn kleinste Fehler oder Unachtsamkeiten werden sofort zur Selbstkritik genutzt. Kommen dann noch Sprüche von solchen Kollegen hinzu, die ein fast fehlerfreies arbeiten vom ersten Tag an fordern (soll es ja geben), kann dies leicht eine negative Gefühlslawine auslösen.

 

Umgang mit Komplimenten

Bekomme ich ein Kompliment, zum Beispiel das ich gute Arbeit mache, tut mir das für einen kurzen Moment gut. Jedoch setzen nach wenigen Minuten meine Selbstzweifel wieder ein. Ich frage mich, war das wirklich so gemeint… er kann nicht dich gemeint haben, so gute Arbeit machst du schließlich nicht… beim nächsten Mal versagst du… Danach verstricken sich meine Gedanken in immer wieder neue Widersprüche. Über hunderte von Gedankengängen und den damit immer stärker werdenden Selbstzweifeln komme ich letztendlich zu dem Entschluss, dass dieses Kompliment sicherlich nicht so gemeint war. Es sind Situationen in denen die Gefühle Achterbahn fahren.
Genau dasselbe passiert mit Komplimenten von meiner Frau. Egal ob sie sagt; Schatz du siehst heute aber gut aus oder du hast einen wirklich schönen Körper, ich höre es, bedanke mich und noch bevor ich es wirklich genießen oder annehmen kann, rede ich mich selbst klein. Meine Gedanken beginnen sofort das Positive Gefühl in mir anzugehen und das Kompliment zu hinterfragen und mir das Gegenteil zu beweisen. Häufig bekomme ich innerhalb von Sekunden das erste negative Feedback aus meinem Inneren. Das sagt sie nur so… Schau dich an, du bist hässlich… Dein Körper hat so viele Problemzonen… Du bist nicht gut gebaut… usw. Ich könnte die Aufzählungen meines sofortigen negativen Feedbacks noch unendlich weiter führen. Es ist wirklich Wahnsinn, was sich in meinem Kopf abspielt.

 

Nach Außen selbstbewusst…

Wenn ich gesunden Menschen davon berichte, bekommen sie große Augen und sagen, das kann doch nicht sein. Du wirkst doch ganz anders. Das glaube ich dir nicht. Ich kann mir das nicht vorstellen. Aber leider ist es so. Ich leide sehr darunter, dass ich mir vieles von dem was ich erreicht habe, jedes Kompliment oder jede Entscheidung wieder und wieder klein rede. Bis es letztendlich nicht mehr von Bedeutung ist oder es mir negativ erscheint. Am Ende, wenn ich mir, all das helle Positive kleingeredet habe, bin ich auch häufig überzeugt davon, dass es so negativ ist wie mir meine Gedanken vorgeben. Schließlich umgibt mich erneut eine Leere und meine Seele zieht sich in die Dunkelheit zurück.

 

Über die eigene Depression und die quälenden Begleiterscheinungen schreiben

Es ist wirklich ein komisches Gefühl, über diese Gedankengänge und Gefühle, die letztendlich in ständigen Selbstzweifeln enden zu schreiben. Ich denke gerade, du siehst es doch. Warum tust du es dann? Leider kann ich mir diese Frage nicht beantworten. Ich hasse es, dass es immer und immer wieder kommt. Jedes Mal versuche ich mich nicht auf meine Gedanken einzulassen, ab und an schaffe ich es vorerst auch. Ja, es gibt sogar Zeiten in denen es richtig gut klappt. Doch irgendwann bin ich verwundbar und kraftlos um mich weiter gegen meine Selbstzweifel zu stemmen und die depressiven Gedanken in Schach zu halten. Ein Ende aus diesem Teufelskreis ist nicht in Sicht. Die einzige Hoffnung ist, dass die Depression, die damit verbundenen negativen Gefühle und Selbstzweifel irgendwann, irgendwie in den Griff zu bekommen sind.


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2 Kommentare

Du schreibst mir eins zu eins aus dem Herzen. …. gerade liege ich auf meinem Sofa, lese deinen Blog und kann nicht aufhören zu weinen. Denn was ich nicht realisieren kann weil ich ständig verwirrt bin und nicht klar denken kann hast du in worte gefasst. Ich bringe ich es nicht fertig mit irgendwem darüber zu reden oder es aufzuschreiben was da in mir passiert. Aber du hast es geschafft zu formulieren.

Hi,

vielleicht war das jetzt der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung. Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute!!!

LG
Dennis