veröffentlicht am 22. Dezember 2013 in Depression und Angststörung von

Ich habe in der Tagesklinik gelernt, dass ein Notfallplan für Menschen, die unter einer Depression leiden durchaus sinnvoll sein kann. Dies gilt gerade für Zeiten in denen die Depression sehr stark auftritt oder für Situationen bei denen wir von vornherein wissen, dass sie uns triggern oder runterziehen können. Um euch das ganze verständlicher zu machen, gebe ich euch folgendes Beispiel:
Nehmen wir einmal an, es stehen Feiertage vor der Tür. Sagen wir mal Weihnachten, da dies ja gar nicht mehr so weit entfernt ist. Jetzt kann es sein, dass einige depressive Menschen mit Weihnachten schlechte Erfahrungen oder schlimme Erlebnisse verbinden. Andere fühlen sich allein und haben kaum jemanden wo sie hin gehen können, das macht sie traurig. Wieder andere mögen das Zusammensein mit der Familie nicht und scheuen Menschenmassen. Wie dem auch sei, alle diese Umstände können dazu führen, dass unsere Depression sich verstärkt oder sogar überfallsartig unerträglich wird.
Genau deshalb hilft es manchen Menschen von vornherein einen Notfallplan aufzustellen. Um in genau diesen Situationen zu wissen, welche Möglichkeiten habe ich und wie muss ich reagieren um durch die Ereignisse in Verbindung mit der Depression nicht wieder komplett in ein tiefes Loch zu rutschen. Zudem ist es vielleicht entlastender, wenn man von vornherein weiß, ich bin gut vorbereitet. Dies zu wissen kann schon dazu beitragen, den Druck, der auf einem lastet zu minimieren.

 

Was sollte in einem Notfallplan beachtet werden?

Es sollten auf jeden Fall verschiedene (Ausweich-) Möglichkeiten in dem Notfallplan enthalten sein. Gehen wir einfach mal von dem Beispiel aus, dass es für uns eine Belastung darstellt, mit mehreren Menschen, wovon wir zu einigen ein sehr schwieriges Verhältnis haben, in einem Raum zu sein.
Der Vorteil ist, dass während wir uns Gedanken über unterschiedliche Möglichkeiten oder Reaktionen machen, wir uns mit dem nahenden Ereignis beschäftigen. Wir bereiten uns somit schon langsam darauf vor.
Nun zu den Möglichkeiten und Reaktionen. Die erste Möglichkeit wäre, dass wir dem Gastgeber von Anfang an mitteilen, dass wir nur ein oder zwei Stunden Zeit haben. So kennen wir von Anfang an den Zeitraum um den es sich handelt und den es zu überstehen heißt. Unter Punkt zwei könnten wir auf unserem Notfallplan vermerken, dass wir, sobald wir spüren dass unsere Depression, unsere negativen Gedanken oder unser Stimmung schlechter werden, wir uns für einige Minuten aus der Affäre ziehen. Damit meine ich, wir reagieren umgehend wenn wir etwas merken oder es uns zu viel wird und verlassen den Raum. Wenn wir immer mal wieder für ein paar Minuten verschwinden und beispielsweise an die frische Luft gehen, fällt das doch kaum auf. Kommen wir zu Punkt drei. Punkt drei tritt in Kraft, wenn es uns durch gelegentliche Verschnaufpausen, in denen wir den Raum verlassen, nicht gelingt wieder runter zu kommen oder den Stress, der auf uns einwirkt, zu kompensieren. Was könnte dann der nächste Schritt oder die nächste Reaktion sein? Eine mögliche Reaktion wäre es zu sagen, mir geht es nicht gut. Ich fahre. Wer dies nicht sagen möchte, der könnte als dritten Punkt aufschreiben, sich in einen ruhigeren Raum abseits der vielen Menschen zurückziehen. Zumindest solange bis es wieder besser wird oder wir Punkt vier unseres Notfallplans anwenden müssen. Der vierte Punkt könnte die Durchführung von Entspannungsübungen, die Anwendung von Affirmationen beinhalten oder das Verlassen der Feier bzw. Veranstaltung. Wobei zu beachten ist, dass es schwierig werden könnte ein ruhiges Plätzchen zu finden, an dem wir ungestört unsere Entspannungsübungen machen könnten. Ganz wichtig ist es aber, immer wieder in sich hinein zu fühlen, denn wenn wir uns überlasten kann es zu einem erneuten Tiefpunkt kommen. Dies wollen wir auf jeden Fall vermeiden.

Gerade deshalb kann die Erstellung eines Notfallplans wichtig sein. Denn es ist wichtig einige Sachen zu durchdenken und sich vorab ein wenig mit der Situation auseinander zu setzen. Das gibt uns ein sicheres Gefühl und hilft uns dabei, richtig zu reagieren wenn etwas passieren sollte.
Natürlich sollten wir uns im Klaren darüber sein, dass es irgendwann nicht mehr möglich ist gegen zu steuern. Deshalb brauchen wir auch keine zwanzig Punkte in unseren Notfallplan aufnehmen. Wenn unser Zustand sich immer weiter verschlechtert, müssen wir um uns zu schützen die Weihnachts- oder Familienfeier verlassen. Auch das sollte von vornherein in dem Notfallplan festgelegt werden. Wir müssen ja nicht erzählen, dass wir wegen unserer Depression und den vielen Menschen völlig am Ende sind sondern können auch sagen, dass wir etwas Falsches gegessen haben oder es uns den ganzen Tag schon nicht gut ging. Wichtig ist nur, dass wir erkennen, wenn es nicht mehr geht.


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Ein Kommentar

Hallo Dennis,

ein guter Plan so ein Notfallplan. Ich selbst habe schon einige Erfahrungen mit Notfällen gemacht, nicht nur bei mir selbst, sondern z.B. auch bei meinem Sohn. Ich erinnere mich lebhaft an eine Familienfeier bei meinem Bruder, bei dem meinem Sohn auf einmal alles zu viel wurde. Denn neben bekannten Familienmitglieder trafen viele weitläufige Verwandte ein, die er nicht kannte. Wie sah nun dieser Notfall aus? Mein Sohn saß neben mir, zitterte, ballte seine Fäuste zusammen, setzte seine Kapuze auf und sagte zu mir, daß er sofort nach Hause wolle. Ich überlegte kurz und entschied mich dafür, ihn abzulenken. Ich sagte zu ihm, daß ich zumindest erst noch Kaffee trinken wollte. Dann sah ich eine der kleinen Cousinen, die ich zu mir bat, mit der Bitte, meinen Sohn darum zu bitten, mit ihr und einigen Kindern Fußball zu spielen. Und die Cousine ist wirklich fußballbegeistert! Sie ging auf meinen Sohn zu und lächelte ihn an und fragte ihn. Es klappte gut. Die Ablenkung hat geholfen.

Depressionen sind nicht einfach. Mit einem Notfallplan kommt man weiter.

Danke für die Anregung.

LG
Annegret