veröffentlicht am 3. Mai 2020 in Erfahrungen Entspannungsübungen/-techniken, Erfahrungsberichte Depression von

Meine Erfahrungen mit Mirtazapin 15mg gegen Depressionen und Angststörungen

Heute möchte ich über meine Erfahrungen mit meiner Depression schreiben und erzählen, wie alles begann, welche Höhen und Tiefen ich erlebt habe und vor allem von meinen Erfahrungen mit dem Antidepressivum Mirtazapin 15mg berichten.

Schon in meiner Kindheit war ich ein sehr nachdenklicher und zurückgezogener Junge. Ich habe mich als Kind oft ein paar Wochen lang nicht mit einem anderen Kind zum Spielen verabredet. Meine Nachmittage habe ich alleine in meinem Zimmer verbracht und konnte mich nur schwer motivieren, etwas zu machen. Ich litt auch unter Angststörungen, die sich vor allem nachts bemerkbar machten. Ich wachte oft auf, weil ich Albträume hatte. Meine Eltern konnten mich dann nur schwer beruhigen. Für sie waren meine Albträume und Angstzustände nichts Ungewöhnliches. Sie dachten, dass sei in dem Alter normal. Ich mache meinen Eltern keinen Vorwurf. Sie wussten es einfach nicht besser.

Während meiner Pubertät nahmen die Angstzustände zu und ich hatte von Zeit zu Zeit auch schwere Panikattacken. Die Gesprächstherapie, die ich mit 15 Jahren begonnen habe, hat mir etwas geholfen. Tagsüber fühlte ich mich sicherer und hatte weniger Panikattacken. Ich litt jedoch weiterhin an Schlafstörungen. Ich lag oft stundenlang wach, obwohl ich total erschöpft und müde war und konnte doch nicht einschlafen. Ich habe alles mögliche versucht. Ich habe gelesen, Hörbücher gehört und schließlich verschiedene Medikamente von meinem Psychiater bekommen. Ich habe sehr viel getestet und all diese Medikamente haben auch für eine bestimmte Zeit geholfen.

Mit Anfang zwanzig hatte ich meine erste richtige Beziehung und war total verliebt und glücklich. Das Verliebtsein und der Halt, den mir meine Freundin gegeben hat, haben die Angstzustände und Panikattacken für einige Jahre verdrängt. Ich war einfach super glücklich und ausgeglichen. Dann hat mich meine Freundin betrogen. Ich habe es durch Zufall herausgefunden und war total geschockt. Ich habe meiner Freundin total vertraut und konnte es nicht glauben. Ich bin dann in ein riesiges Loch gefallen. Als wäre mir der Boden unter den Füßen weggebrochen. Ich fand heraus, dass meine damalige Freundin mich schon seit längerer Zeit betrogen hatte und mich immer wieder eiskalt angezogen hat. Ich hasste mein Leben und verließ teilweise tagelang gar nicht mehr meine Wohnung. Ich war regelrecht ans Bett gefesselt.

Zu allem Unglück habe ich zwei Wochen nach der Trennung einer Freundin meinen Job verloren. Ich stand sozusagen plötzlich vor dem Nichts. Ich hatte keinen Job, meine Freundin, die ich über alles liebte, hatte mich verlassen und ich musste aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen. Das alles wurde mir zu viel und ich sah keinen Sinn mehr in meinem Leben. Ich hatte sogar ernsthafte Selbstmordgedanken. Immer wieder habe ich mir ausgemalt, wie ich meinem Leben ein Ende setzten könnte. Auch meine Schlafstörungen und Angstzustände waren zurück und ich hatte wieder tagsüber Panikattacken. Ich habe mich total zurückgezogen und wollte am liebsten nur noch alleine sein. Zum Glück hatte ich immer noch Kontakt zu meinem Therapeuten, bei dem ich mich ziemlich direkt nach der Trennung von meiner Freundin gemeldet habe. Er hatte schnell einen Termin für mich. Die Schlafstörungen waren mittlerweile so schlimm, dass ich nächtelang nicht richtig schlief, bis ich dann vor Erschöpfung mal wieder eine Nacht mehr oder weniger geschlafen habe.

Mein Psychiater hat mir dann Mirtazapin 15mg aufgeschrieben. Diese sollten vor allem gegen meine Schlafstörungen helfen. Mirtazapin 15mg ist ein Antidepressivum, dass eingesetzt wird, um Depressionen und Angststörungen zu lindern. Es wirkt zudem beruhigend, hat aber auch ein paar Nebenwirkungen.

Als ich Mirtazapin 15mg zum ersten Mal abends vor dem Schlafengehen eingenommen habe, war die Wirkung enorm. Ich bin sehr schnell eingeschlafen, was ich seit Monaten nicht mehr gemacht habe. Ich hatte in dieser Nacht sehr wirre und aufregende Träume und konnte mich fast an jedes Detail aus meinem Traum erinnern. Ich habe auch zum ersten Mal seit langem wieder annähernd durchgeschlafen. Trotzdem hatte ich ein komisches Gefühl nach der ersten Nacht mit Mirtazapin 15mg. Ich kann schwer sagen, ob es wirklich ein erholsamer Schlaf war. Fakt aber ist, dass ich sehr schnell eingeschlafen bin und auch lange geschlafen habe.

Als ich morgens wach geworden bin, hab ich mich ziemlich gerädert gefühlt, obwohl ich ja früh eingeschlafen war und auch lange durchgeschlafen hab. Es fühlte sich an wie ein Hangover und dieses Gefühl zog sich fast durch den gesamten nächsten Tag. Ich fühlte mich den ganzen Tag über total müde und schlapp und hatte keine Energie, um irgendetwas zu tun. Das Gute war, dass ich das auch im Prinzip nicht musste, da ich zu dieser Zeit sowieso krankgeschrieben war. Diese Nebenwirkungen kannte ich schon von anderen Antidepressiva. Bei den Antidepressiva, die ich zuvor ausprobiert hatte, stellten sich die Nebenwirkungen nach ein paar Tagen ein. Ich hatte also die Hoffnung, dass sich mein Körper nach ein paar Tagen an die Wirkung des Mirtazapin 15mg gehören würde und ich tagsüber nicht mehr unter der enormen Müdigkeit und Antriebslosigkeit leiden würde. Leider blieben die Nebenwirkungen der extremen Müdigkeit jedoch. Immerhin verschwanden die Angstzustände und ich hatte kaum noch Gedanken daran, meinem Leben ein Ende zu setzen. Auch das zwanghafte Grübeln ließ nach

Ich sprach mit meinem Therapeuten darüber. Dieser machte mir den Vorschlag, die Dosis des Mirtazapin 15mg zu reduzieren. Ich habe bis dahin jeden Abend eine ganz Tablette des Mirtazapin 15mg genommen. Nach dem ich mit meinem Therapeuten gesprochen hatte, reduzierte ich also die Dosis von 15 mg um die Hälfte auf 7,5 mg. Nachdem ich die halbe Dosis genommen hatte, schlief ich wie zuvor sehr schnell ein. Ich habe auch gut durchgeschlafen. Und zu meiner großen Freude war der Hangover am nächsten Morgen bei Weitem nicht mehr so heftig. Ich fühlte mich zwar immer noch müde, doch die Müdigkeit war für mich erträglich und verschwand immer mehr im Laufe des Tages. Die Energie kam langsam in meinen Körper zurück und ich konnte mich motivieren, Dinge zu tun wie zum Beispiel Einkaufen oder meine Wohnung putzen.
Eine weitere Nebenwirkung ist, dass ich ein bisschen an Gewicht zugenommen habe. Dies stört mich jedoch nicht weiter und sei hier nur am Rande erwähnt.

Meine Erfahrungen mit Mirtazapin 15mg sind insgesamt positiv. Es hat mir geholfen, wieder Schlaf zu finden. Meine Depressionen und Angstzustände haben sich enorm gebessert und ich habe wieder einen Sinn in meinem Leben gesehen. Man muss sich an die Nebenwirkungen zunächst ein bisschen gewöhnen und für sich selbst die richtige Dosierung finden. Am besten spricht man diese mit seinem Psychiater ab. Ein guter Psychiater rät dazu, die Dosierung individuell anzupassen, sollte die Nebenwirkungen sehr stark sein. Falls nicht, sollte man den Psychiater meiner Meinung nach wechseln. Ich nehme bis heute eine halbe Tablette Mirtazapin 15mg und komme sehr gut damit klar. Ich habe in meinen Alltag zurückgefunden und habe kaum noch starke Depressionen oder Angstzustände. Die Panikattacken sind sogar wieder vollständig verschwunden.

Trotz meiner überwiegend positiven Erfahrungen mit Mirtazapin würde ich ein Antidepressivum mit so starken Nebenwirkungen heute nicht mehr so leichtfertig einnehmen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in der Regel natürliche Mittel wie Psychotherapie, Ernährung, Sport bei Depressionen und Angststörungen langfristig einfach besser wirken als chemische Antidepressiva. Und das natürlich ganz frei von Nebenwirkungen.

 


Kommentar schreiben


Noch keine Kommentare