veröffentlicht am 9. März 2015 in Aktuelles/Neues von

Sich lieben lernen

Sich lieben lernen – zugegeben, als mich ein Leser fragte ob ich darüber einen Beitrag schreiben könnte, wusste ich gleich, dass dieses Thema auch in meinem Leben immer wieder an Aktualität gewinnt. Dennoch denke ich, dass ich auf einem guten Weg bin. Aus diesem Grund nehme ich mich dem Thema gerne an.

 

Sich lieben lernen – warum müssen manche dies lernen?

Es gibt viele Menschen, die aufgrund ihrer Erlebnisse im Leben eine gestörte Selbstwahrnehmung von sich haben. Dies kann ganz unterschiedliche Gründe haben wie zum Beispiel, Mobbing am Arbeitsplatz oder in der Schule, Misshandlung, Missbrauch und Depressionen. Es kann aber auch sein, dass diese Menschen zu wenig Zuneigung von ihren Eltern oder anderen nahestehenden Personen bekommen haben oder nie gelobt wurden und immer als doof dargestellt wurden. Sicherlich gibt es noch weitaus mehr Gründe, jedoch möchte ich nicht jeden erdenklichen Grund aufführen, sondern vielmehr über Ansätze schreiben, die einem dabei helfen sich lieben zu lernen.

 

Ist es möglich, sich trotz starker Abneigung lieben zu lernen?

Ja, es ist möglich. Zumindest ist dies meine Meinung. Schließlich haben wir ja auch gelernt uns zu hassen bzw. uns nicht mehr zu mögen. Daher denke ich, dass es durchaus möglich ist, die Liebe zu sich selbst wieder zu entdecken. Doch wie stellt man dies am besten an? Ich kenne es von mir, dass ich als depressiver Mensch, mir immer wieder alles klein rede und das Negative in meinem Leben überbewerte. Es ist schon ein riesen Vorteil, wenn man sich das eingesteht und diese Problematik erkennt. Dies hilft dabei die entstehenden Gefühle und Gedanken besser einzuordnen und zu verarbeiten.

Also, was kann ich tun? Es besteht zum Beispiel die Möglichkeit, die positiven Dinge und Situationen, die ich den Tag über erlebt habe und gut gemeistert habe, jeden Abend aufzuschreiben. Das hat den Vorteil, dass man sich seine Erfolge noch einmal ins Gedächtnis ruft und immer wieder darauf zurückgreifen kann. Wie gesagt, wir vergessen ja sonst gerne. Ganz wichtig, wenn ich von Erfolgen spreche, müssen dies keine Vertragsabschlüsse oder sonstiges sein. Es geht vielmehr um kleine alltägliche Situationen.

Eine weitere Möglichkeit, die viele Menschen nutzen sind Affirmationen. Hierbei sagen wir uns immer wieder positive Dinge. Ich bin selbst der Überzeugung, dass die Arbeit mit Affirmationen etwas bringt. Nicht über Nacht, aber wer es regelmäßig macht und dabei bleibt, hat gute Chancen eine Verbesserung zu spüren.

Ich weiß von einigen Depressionskranken, dass diese sich vor den Spiegel gestellt haben und sich immer wieder gesagt haben, dass sie sich mögen. Klingt jetzt vielleicht bescheuert und ist für viele sicherlich sehr schwer, trotzdem kann auch dies etwas bringen. Man kann es zum Beispiel morgens und abends machen.

Sich lieben lernen erfordert viel Zeit. Es sind ganz kleine Schritte, die besonders am Anfang ungeheuer hart sein können. Eine andere Möglichkeit wäre, einen Aufsatz zu schreiben. Ja, ganz richtig, einen Aufsatz über sich selbst schreiben. Darüber was man im Leben schon alles erreicht hat. Auch da gilt, bitte alles beachten. Es zählen auch die kleinen Erfolge. Diesen Aufsatz kann man sich auch immer wieder durchlesen. Zudem sollte man beim Lesen versuchen, etwas stolz für sich und seine Leistung hervorzubringen. Denn es gibt sicherlich Dinge, die nicht jeder so geschafft hat.

Man sollte auch diesen ewigen Vergleich mit anderen überdenken, besser noch abstellen. Ich muss zugeben, da habe ich auch noch große Probleme mit. Doch was bringt es uns? Meistens ist es sogar so, dass wir uns Vergleichspersonen aussuchen, die ganz andere Voraussetzungen in ihrem Leben haben als wir. Da können wir den Vergleich doch nur verlieren. Das Problem dabei ist, dass uns diese Erfahrung wieder tief in die Gedankenwelt zieht. Deshalb ist die Devise: auf sich schauen und sein eigenes Leben leben.

Des Weiteren kann helfen, wenn man andere Menschen fragt, was sie von einem halten und was sie an einem lieben. Anfangs wird man sich die Antworten sicherlich wieder schlecht reden, doch je öfter man es hört und je mehr man versucht sich selbst anzunehmen und zu akzeptieren, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass man es irgendwann verinnerlicht.

Jeder, der lernen möchte sich selbst zu lieben, muss versuchen eine Beziehung zu sich aufzubauen. Es ist ähnlich wie eine Partnerschaft zu einem anderen Menschen. Es muss wachsen und braucht seine Zeit. Auch Achtsamkeit kann dabei helfen, wieder ein Gespür für sich zu bekommen. Es gilt auch sich selbst zu verzeihen und sich Verständnis entgegenzubringen.

 

Sich lieben lieben lernen – ein langer Weg…

Ich bin der Meinung, dass die Ansätze, die ich hier angesprochen habe, durchaus positive Wirkung auf unser Selbstvertrauen haben können. Jedoch braucht diese Entwicklung Zeit. Es ist ganz wichtig, dies zu verinnerlichen und sich diese Zeit zu geben. Genauso sollte man sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen.

Ich hoffe, ich konnte euch einige hilfreiche Tipps zu dem Thema „sich lieben lernen“ geben. Solltet ihr Ergänzungen haben oder den einen oder anderen Ansatz ausprobieren, würde ich mich freuen, wenn ihr uns eure Erfahrungen mitteilt.


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2 Kommentare

Hallo Dennis,

ich bin über ein youtube video kommentar auf dein Blog gekommen und muss sagen ein klasse Blog, besonders weil ich auch schon seit Ewigkeiten unter Depressionen leide. Ich werde mir sicher das ein oder andere aus diesem blogeintrag mal zu gemüte führen und es ausprobieren.
Aber ich denke es ist trotzdem ein langer weg und man redet sich ein das alles leichter ist, als es ist. Besonders wenn andere Menschen (freunde, bekannte, familienangehörige) es herunterspielen. Mit einem Fingerschnipsen soll die welt wieder heile sein.

Das mit den erfolgen aufschreiben werde ich aber definitiv mal probieren, ich habs probiert immer anderen Menschen von den Erfolgen zu erzählen (womöglich weil ich immer irgendwie gelobt werden wollte), aber diese wurden von anderen leuten runter gespielt, denn was (ich sag mal uns depressiven menschen) ein Erfolg ist, ist für andere manchmal etwas selbstverständliches.

Also danke auf jedenfall für den Beitrag und ich werde auf jedenfall öfter hier mal raufschauen
Jetzt ist der text doch länger geworden als gewollt

Hallo,

ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn dich einige Dinge voran bringen.

Ja, es ist ein länger Weg, jedoch nicht unmöglich.

Viele Menschen verstehen diese Krankheit und die Betroffenen immer noch nicht. Deshalb dieser Blog.

Freue mich, dass du etwas für dich gefunden hast!

LG
Dennis