Veränderungen sind voller Ungewissheit und Risiko. Aus diesem Grund neigen wir häufig dazu Veränderungen zu verteufeln. Leider wird bei der ganzen Grübelei über die negativen Folgen vergessen, dass eine Veränderung auch immer mit Chancen verbunden ist.

Auch ich musste mich in meinem Leben oft verändern. Gewisse gesundheitliche Probleme und Schicksalsschläge erforderten einfach ein Umdenken und einen Wandel. So kam es, dass ich Anfang/Mitte 20 feststellte, dass ich eine berufliche Veränderung brauche. Leider habe ich damals nicht sofort reagiert. Ich redete mir immer ein, dass es nur eine Phase ist und sich alles noch zum Besseren wendet. Jedoch blieb dies immer nur eine Hoffnung. Eigentlich trat genau das Gegenteil davon ein, es wurde schlimmer.

Meine Krankheitssymptome verschlechterten sich und ich spürte, dass ich meinen Job im Lager wohl nicht bis zur Rente machen kann. Es war die körperliche Arbeit, die mir zu schaffen machte. Ich war abends total ausgepowert und hatte keine Kraft mehr. Man konnte nichts mehr mit mir anfangen. Allerdings kam das wirkliche Umdenken erst, als meine Vorgesetzten damit anfingen, ständig Druck auf die Belegschaft auszuüben. Wer keine Überstunden machte und nicht die gleiche Meinung teilte, war abgestempelt und wurde einfach fallen gelassen. Da ich mich unfair behandelt fühlte und dies auch ansprach, dauerte es nicht lange, bis auch ich fallen gelassen wurde. Man wurde regelrecht ausgestoßen. Dies zeigte sich darin, dass ich nicht mehr gegrüßt wurde und negative Dinge über mich verbreitet wurden.

Die Zustände verschlimmerten sich immer weiter, bis ich schließlich für mich erkannte, dass es eine Veränderung geben muss. Ich konnte so nicht mehr weiter machen. Ich war kaputt. Jedoch traten selbst an diesem Punkt die eingangs beschriebenen Fragen in mir wieder auf. Ich wusste, ich muss etwas tun, doch es viel mir nicht leicht. Die Ungewissheit und die negativen Planspiele in meinem Kopf hatten mich fest im Griff.

Anfang 30 habe ich dann allen Mut zusammen genommen. Ich wollte mich definitiv beruflich umorientieren. Nun begann ich damit Bewerbungen zu schreiben, denn ich wollte aus meinem Beruf heraus. Ich wollte eine weitere Ausbildung zum Industriekaufmann machen. Da ich relativ alt war, gestaltete sich die Ausbildungssuche sehr schwierig. Viele Unternehmen, bei denen ich mich beworben habe, wollten jüngere Auszubildende. Dies wurde mir sogar zwei Mal mitgeteilt.

Ein Glück habe ich mich nicht beirren lassen und immer weiter gesucht. Letztendlich fand ich eine passende Ausbildungsstelle. Da ich die Ausbildung verkürzen durfte, lernte ich nach zwei Jahren aus. Ich machte eine ziemlich gute Prüfung und beschloss direkt danach in ein anderes Unternehmen zu wechseln. In diesem Unternehmen arbeite ich noch heute. Die Arbeit macht mir Spaß und mein gesundheitlicher Zustand hat sich verbessert.

Wenn ich meinen Weg rückblickend betrachte, frage ich mich, warum ich den Entschluss zur beruflichen Veränderung nicht eher gefasst habe. Viel zu lange habe ich mich von dem Risiko und der Ungewissheit abhalten lassen.