veröffentlicht am 1. Juni 2013 in Depression und Angststörung von

Ich habe bereits öfter auf das Grübeln, eine lästige und quälende Begleiterscheinung einer Depression, hingewiesen. Mir ist bewusst, dass diese Thematik für nicht betroffene Menschen sehr schwer nachvollziehbar ist.

Grübeln bei Depression näher bringen

Daher veröffentliche ich einen Text, den ich Anfang des Jahres 2012 während einer Grübelattacke geschrieben habe. In diesem Text habe ich versucht das Grübeln in Worte zu fassen:

Das Grübeln schleicht sich wieder ein, ich spüre eine leichte innerliche Spannung. Ein Unbehagen gepaart mit einer inneren Leere. Ich weiß nicht wo es herkommt, aber ich spüre es ganz deutlich. Dieses Gefühl, ich kenne es von unzähligen Erlebnissen, ist in mir und wenn ich nicht aufpasse breitet es sich rasend schnell aus. Ich beginne zu Grübeln und der Kreislauf beginnt sich zu schließen. Selbstzweifel steigen in mir auf, die ersten Fragen über meine Zukunft, über meinen Job und über meine Krankheit steigen langsam in mir auf. Ich versuche es zu kontrollieren. Es ist, als würde ich auf einem Drahtseil balancieren. Ein falscher Schritt und ich falle. Wo falle ich hin? Ich falle in eine Welt voller Gedanken, ich grübel über Dinge, über die ein gesunder Mensch nie grübeln oder nachdenken würde. Es ist eine Gedankenflut, die meinen Geist und meinen Körper einnimmt. Jede Situation, jeder neue Gedanke wird von vorne durchdacht. Nebenbei mischen sich Versagensängste in meine Gedanken, ich beginne an mir zu zweifeln. Mein ohnehin angeschlagenes Selbstwertgefühl bröckelt weiter. Es ist ein Kreis in dem ich mich befinde und ich suche den Ausgang. Ich möchte den Kreis durchbrechen. Ich will, dass es so wird wie früher. Ich wünsche mir meine Unbeschwertheit zurück.

Das ständige Grübeln zerrt nicht nur an den Nerven, sondern löst auch körperliche Symptome aus. Ich beginne zu schwitzen, werde schwach und mein Kopf fühlt sich voll an. Es entsteht ein Druck, gleichzeitig kommt es mir so vor, als würde sich ein Schleier vor meinen Augen befinden. Ich möchte das Grübeln stoppen, doch es funktioniert nicht. Stattdessen nimmt es meinen Geist und meinen Körper immer weiter ein. Mittlerweile fahren meine Gedanken Karussell und ich kann nicht mehr aufhören zu Grübeln. Hinter jedem Gedanken verbirgt sich etwas neues, was überdacht werden muss. Fatal, denn es schwächt meinen Körper. Mein Verstand setzt aus. Jeder gesunde Mensch würde sagen, die Gedanken sind irrsinnig und nicht real, doch mir hilft es wenig. Mein Gehirn grübelt und lässt sich durch nichts davon abbringen.

Mir stellt sich die Frage nach dem Ende. Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich bin meinen Gedanken ausgeliefert…

Ich hoffe ich konnte euch das krankhafte Grübeln etwas näher bringen. Zu Grübeln kann wirklich sehr kräftezehrend für die Betroffenen sein. In meinem Blog habe ich unter der Rubrik Entspannungs- und Stabilisierungsübungen einige Methoden bzw. Übungen aufgeführt, die dabei helfen können den Grübelkreislauf zu durchbrechen.


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5 Kommentare

Diese Beschreibung trifft haargenau zu. Genauso geht es mir immer wieder. Es ist tröstlich zu sehen, dass es nicht nur bei einem selbst so ist.

Hallo,

schön das du den Weg zu meinem Blog gefunden hast. Ja das Grübeln ist eine sehr schwer zu erklärende Angewohnheit, die Außenstehende wohl nie begreifen werden. Ich wünsche dir alles Gute,

Liebe Grüße
Dennis

Hallo Dennis, du sprichst mir aus der Seele…unglaublich gut beschrieben…

LG Andrea

Was auch sehr helfen kann gegen diesen Grübelzwang ist Ablenkung! Einfach mit etwas befassen, dass einem Spaß macht und den gedanklichen Fokus umlenkt. Das hilft sich nicht zu sehr zu verrennen in die krankmachenden Gedanken. Zum Beispiel kann man mit etwas neuem anfangen. Eine Idee umsetzen. Vlt ein längerfristiges Projekt was sehr beschäftigt, auch emotional. Kreativ sein mit Herzblut. Das hilft. Nach kurzer Zeit betrachtet man die vorherigen Grübelgedanken bereits um einiges nüchterner. Ablenkung ist wirklich alles und meiner Meinung nach einer der besten Möglichkeiten um den Teufelskreis zu durchbrechen. Und auch sehr gut: Mit Freunden über die Gedanken sprechen. Das erleichtert sofort, der Gesprächspartner hat eine gesündere Perspektive und kann einen überzeugen dass die Gedanken nicht richtig sind. Und was nie fehlen sollte ist sportlicher Ausgleich. Sucht euch Sport der Spaß macht und wo ihr euch abreagieren könnt.

Niemals versinken! Nicht die Hoffnung verlieren! Jede depressive Phase im Leben geht vorbei und ihr werdet eines Tages frei von Änsgten darauf zurückschauen.

Viel Glück 🙂

Vielen Dank,
für so viel Offenheit.
Hatte letze Woche mein erstes Gespräch mit einem Psychologen und Morgen werde ich das zweite haben.
Den Dingen auf den Grund gehen egal wie banal sie sind. Einfache Erklärungen können mich nicht zufrieden stellen, kommen mir immer wieder viel zu oberflächlich vor.
Es hört wohl nie auf, oder?