veröffentlicht am 12. Mai 2013 in Erfahrungsberichte Depression von

Erfahrungsbericht über Depressionen von Daniel

Ich bin selber depressiv und ich habe während einer psychosomatischen Kur viele depressive Menschen kennen gelernt und ich muss sagen, jeder von ihnen war etwas ganz besonderes und eine schöne Erfahrung. Erst ist man immer sehr skeptisch gegenüber einer psychosomatischen Kur eingestellt. Man fragt sich, was erzähle ich meinen Freunden oder Bekannten wo ich bin? Wie ist es dort? Können die mir wirklich helfen? Ich hatte diese Bedenken auch und eine Entscheidung fällt wirklich nicht leicht, trotzdem kann ich es nur jedem empfehlen der einmal raus muss und erste Ansätze braucht um seine Krankheit zu besiegen.

Ich spreche ganz bewusst von ersten Ansätzen, denn eines sollte klar sein, man ist nach einer psychosomatischen Kur nicht sofort geheilt. Es ist der erste Schritt in die richtige Richtung auf einem langen Weg. Doch all die Erfahrungen und Eindrücke die man dort sammelt sind von großer Bedeutung. Auch der Umgang untereinander ist ganz anders, man wird akzeptiert so wie man ist und man bekommt die Probleme anderer mit, aber auch wie sie diese bewältigen. Deshalb ist es auch einfacher über die eigenen Probleme zu reden. Man spürt das man verstanden wird und das man mit seinen Problemen nicht allein ist. In meinem Fall war es so, dass ich mich nicht immer öffnen konnte. Ganz wichtig war für mich auch, dass ich mich außerhalb der Therapien nicht abgekapselt habe sondern mit anderen Menschen zusammen war.

Diese wundervollen Menschen haben mir richtig gut getan. Ich konnte mit ihnen offen über meine Probleme und Gefühle sprechen, zusätzlich hatten wir auch sehr viel Spaß und haben viel gelacht. Trotzdem darf man nie aus den Augen verlieren das man dort ist um an sich zu arbeiten und um sich mit sich auseinanderzusetzen. Es war eine schöne aber auch schwere Zeit. Wenn man diesen Weg gehen möchte und etwas verändern möchte, wird man zwangsläufig auch mit alten Wunden und schmerzhaften Erfahrungen konfrontiert. Da muss man durch, doch dafür winkt auch eine bessere Lebensqualität. Voraussetzung dafür ist das man bereit ist auch nach einer Kur an sich zu arbeiten. Doch mal ganz ehrlich wenn wir alleine jeden Tag für uns weiter kämpfen, lässt die Kraft doch auch nach. Warum dann nicht diese verbleibende Kraft nutzen und mit ihrer Hilfe versuchen aus dem Dunkeln in das Licht zu kommen? Am Ende lohnt es sich diesen Schritt zu gehen.

Ist man depressiv reicht ein Gedanke um stundenlang zu grübeln. Es ist dieser eine Gedanke der uns in ein tiefes schwarzes Loch stürzen kann. Unsere Gedanken drehen sich dann nur noch im Kreis . An manchen Tagen fängt man an zu hoffen, es geht einem gut, man hat positive Gedanken und Gefühle. Leider sind diese Tage immer wieder schnell vorüber. Wir, die depressiven Menschen kämpfen ständig gegen sich selbst und gegen ihre Umwelt. Dieser Kampf ist so zermürbend, dass man an die letzten Kraftreserven geht und schließlich eine innerliche Leere spürt. Tag ein und Tag aus findet dieser Kampf statt, man hat das Gefühl einen Schritt vor und zwei Schritte zurück zu gehen. Wir sehen Leider zu oft das Negative und reden uns selbst schlecht, bis unser Selbstvertrauen in die eigene Person kaum noch oder garnicht mehr vorhanden ist. Hinzu kommt das man sich in der Öffentlichkeit ständig tarnen muss um nicht aufzufliegen und als irre abgestempelt oder nicht ernst genommen zu werden. Wir versuchen diesen Kreislauf zu durchbrechen, doch das ist nicht so einfach für uns wie für einen nicht depressiven Menschen.

Oft haben wir das Gefühl, dass wir alleine sind in unserer Welt, denn es gibt nicht viele die uns verstehen. Für viele sind Depressionen immer noch ein Zeichen von Schwäche. Zum anderen sind sie garnicht in der Lage uns zu verstehen, auch wenn sie es noch so sehr versuchen. Denn nur einer von uns kann auch wirklich verstehen wie es einem geht, welche Gedanken uns beschäftigen oder wie es ist stundenlang zu grübeln. Für jemand der diese Krankheit nicht hat, ist es sehr schwer unser verhalten oder unsere Ängste nachzuvollziehen. Selbst wenn er sich noch so bemüht, kann er es nicht fühlen. Trotzdem gibt es Menschen die versuchen uns zu helfen und uns zu verstehen. Die uns täglich zeigen das wir jemanden haben auf den wir uns verlassen können und die versuchen diesen schweren Weg mit uns zu gehen.

Diesen Menschen möchte ich an dieser Stelle einmal danken!


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