veröffentlicht am 21. Dezember 2014 in Depression und Angststörung von

Depression verdrängen

Mich schreiben immer wieder Menschen an, die wissen möchten, wie man mit der Depression eines Angehörigen oder Freundes umgehen kann, wenn dieser es nicht einsehen möchte das er erkrankt ist oder sich einfach nicht helfen lassen möchten.

Vereinzelt lese ich dann Aussagen wie: Er tut so als wenn alles in Ordnung wäre oder er verdrängt seine Probleme und seinen derzeitig schlechten Zustand. Natürlich weise ich immer wieder daraufhin, dass es bei diesen Fragen vernünftig ist einen guten Arzt aufzusuchen. Trotzdem haben mich diese Unterhaltungen dazu angeregt, ein paar Gedanken zu dem Thema “Depression verdrängen” zu machen.

Wie in vielen Situationen in unserem Leben, neigen wir auch in gesundheitlichen Dingen dazu, die Fakten zu verdrängen. Genauso kann es auch im Falle einer psychischen Erkrankung sein. Doch kann man den Menschen, die ihre Depression und die damit verbundenen Probleme und Gefühle verdrängen, einen Vorwurf machen? Ich denke nicht. Trotzdem gibt es mehrere Typen. Auf zwei dieser mir bekannten Typen möchte ich in diesem Beitrag etwas näher eingehen.

 

Warum die eigene Depression verdrängen?

Meine Gedanken zu Typ 1: Für diese Betroffenen ist es schwierig, mit der neuen, meist verschlechterten Situation umzugehen. Ich denke, dass es deshalb eine Art Schutz ist, die Krankheit und die damit verbundenen Symptome, Gefühle, Probleme und letzten Endes auch Lebensumstände zu verdrängen. Man merkt zwar, dass es einem schlecht geht, die Gedanken kreisen und man sich negativ verändert, jedoch besteht häufig die Angst vor dem was kommt. Es drängen sich Fragen auf: Was wäre wenn du eine Depression hast? Was sagt meine Familie? Wie reagieren meine Arbeitskollegen? Wie wirkt sich eine Depression auf mein Umfeld aus?

Ich denke, jeder versteht, dass diese Fragen sehr unangenehm sind und auch Ängste verursachen können. Genau aus diesem Grund und den sich daraus ergebenden Antworten, neigen diese Menschen dazu ihre Depression zu verdrängen. Doch ein Selbstschutz ist ja nichts Schlimmes, eher etwas ganz Natürliches.

Typ 2 ist da schon eher anders. Diese Menschen denken, eine Depression könnte sie nicht treffen, obwohl diese schon besteht. Sie verdrängen und verleugnen die auftretenden Symptome. Ich habe Aussagen gehört wie, ich eine Depression, auf keinen Fall, ich bin doch nicht irre. Mir passiert so etwas nicht, ich bin viel zu stark dafür. Oft verdrängen diese Menschen ihre Depression unbewusst. Was ja irgendwo auch wieder ein Schutzmechanismus ist. Es kann sein, dass diese Menschen zu sehr von sich überzeugt sind und sich in ihrer Kraft und mentalen Stärke überschätzen.

Ich habe festgestellt, dass sich Typ 1 und Typ 2 auch häufig vermischen.

 

Wie können Angehörige reagieren?

Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten, es ist überhaupt nicht möglich eine pauschale Aussage zu treffen, da jeder Mensch verschieden ist und die Depression oft unterschiedliche Ursachen hat. Natürlich kann es wichtig sein, mit den Menschen, die zum Verdrängen ihrer Depression neigen, ein Gespräch zu suchen. In diesem Gespräch könnte man sie auf Veränderungen und Auffälligkeiten hinweisen und die eigene Vermutung äußern. Zugleich sollte man auf jeden Fall klar machen, dass man füreinander da ist und gerne bereit ist zu helfen. Vielleicht beschäftigt man sich durch so ein Gespräch gemeinsam mit den auftretenden Fragen und mit dem Thema warum verdränge ich eigentlich meinen jetzigen Zustand.

Abschließend möchte ich sagen, dass es einfach mal ein paar kleine Gedanken von mir zu dem Thema Depression verdrängen waren und dies natürlich wie immer nur meine Ansichten darstellt. Solltet ihr Erfahrungen, Vorschläge oder andere Eindrücke zu diesem Thema haben, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir diese über die Kommentarfunktion mitteilt und wir uns gemeinsam austauschen.


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2 Kommentare

Hallo Dennis,
ich habe es sehr, sehr lange niemandem gesagt, weil ich es selber erst annehmen musste. Du hast recht, es kommt auf die einzelne Person selber an. Wie geht sie damit um? Kann sie diese Krankheit selbst annehmen? Wenn nicht, wie kann es dann das Umfeld? Die Depression ist eine Erkrankung der Seele, nicht des Körpers, auch wenn körperliche Beschwerden hinzukommen können, aber Seelenkrankheiten sind noch immer tabuisiert in unserer Gesellschaft. Kommentare wie “reiß dich zusammen. Oder, stell dich nicht so an, du hast doch alles..” machten es mir persönlich schwer meiner Familie die Wahrheit zu sagen. Zudem wollte ich sie nicht mit meinen “Problemen” belasten, wollte wie immer selber stark sein, bis die Bombe explodiert ist. Denn ich bin mir sicher, auf Dauer hält man dieses Versteckspiel nicht aus. Und das ist gut. Jeder Betroffene hat ein Recht auf Hilfe, auf Verständnis und ich hoffe so sehr, dass die Welt die Augen nicht länge davor verschließt.
vlG, Danni

Es tut sich etwas in dieser Richtigung und das ist sehr gut. Doch gibt es immer noch zu viele Vorbehalte gegen depressive Menschen und die Krankheit Depression.

Danke für deine Antwort und vorweg schon mal ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start in das neue Jahr.

LG Dennis