veröffentlicht am 10. April 2018 in Aktuelles/Neues, Alltägliches, Erfahrungen Entspannungsübungen/-techniken, Erfahrungsberichte Depression von

Meine Erfahrungen mit Citalopram bei Depressionen und Panikattacken

Citalopram wird ein Medikament aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, kurz SSRI, genannt. Jedoch wird nicht nur das Mittel an sich so genannt, sondern es ist der Wirkstoff Citalopram, der dieser Arznei ihren Namen gibt.

Eingesetzt wird der Wirkstoff zur medikamentösen Behandlung von diversen psychischen Störungen wie z.B. Depressionen. In Deutschland erfolgte die Zulassung im Jahr 1996, sprich, sieben Jahre nach seiner Entwicklung und heute ist er ein Bestandteil von sehr vielen Medikamenten.

Citalopram war 2011 das Psychopharmaka, dass in Deutschland am häufigsten verschrieben wurde. Allerdings kam ich bereits 2009 mit dem Mittel/Wirkstoff in Kontakt bzw. wurde mir Citalopram als Hauptmittel verordnet, also nahm ich es.

An dieser Stelle möchte ich einmal über meine persönlichen Erfahrungen mit Citalopram berichten.

 

Von schweren Depressionen und einer tiefsitzenden Angststörung

Nach ersten Jahren mit dem Antidepressivum “Trevilor” und einer Gewichtszunahme von guten 10 kg pro Jahr wurden 2008 und 2009 die Panikattacken so schlimm und häufig, genau wie auch die Depressionen immer unerträglicher wurden, dass ich direkt zu Anfang von 2009 mich stationär auf eine Akut-Station aufnehmen ließ. Zu viele Selbstmordgedanken und auch Versuche halfen mir bei der Entscheidungsfindung. Umgestellt wurde hier auf Citalopram und ich war von Tag eins skeptisch.

 

Müde, müde, müde: bitte lasst mich schlafen

Dass viele Psychopharmaka müde machen, ist bekannt. Doch als ich auf Citalopram eingestellt wurde, wurde mir erst einmal bewusst, was wahre Müdigkeit ist. Gefühlt waren die ersten ein bis zwei Wochen der Einnahme von Citalopram wie eine Art Koma. Nur war hier der Unterschied, dass ich zwischendurch wache Momente hatte und so die nötigsten Dinge wie Duschen, Toilettengänge und Nahrungsaufnahme noch bewältigen konnte.

War ich dann mal wach und hatte die Gelegenheit einen Arzt zu sprechen, betonte ich meinen Unwillen über diese erschlagende Müdigkeit und dieses unstillbare Verlangen nach Schlaf. “Lassen Sie das Medikament erst mal seine volle Wirkung entfalten, geben Sie Citalopram die Möglichkeit, um einen Spiegel aufzubauen, und Sie werden sehr schnell feststellen, dass es von Tag zu Tag besser gehen wird”. So in etwa war der Wortlaut von beinahe allen Arztgesprächen. Bis ich dann doch eines Tages wirkliches Gehör fand und meine Dosis von 80 mg täglich auf die Hälfte runter reduziert wurde. Und siehe da, ich konnte meine Augen wieder über einen längeren Zeitraum aufhalten und das Bedürfnis nach ständigem Schlaf wurde mit jedem Tag weniger.

 

Die Dosis macht den Unterschied

Dank der Halbierung der Dosis, konnte ich jeden Tag wieder ein Stück mehr am Leben teilnehmen. Meine Panikattacken wurden zusehends weniger und auch meine Gedanken waren aufgehellt. Trübsal blasen, düstere Momente und Selbstmordgedanken waren bald so gut wie kein Thema mehr. Allerdings ging mit jedem psychischen Leiden auch ein wenig von meiner sexuellen Lust. Im Gegenzug bekam ich dafür eine neue jedoch eher unangenehme körperliche Nebenwirkung, nämlich Schweißausbrüche. Mein ganzes bisheriges Leben war Schwitzen bisher kein Thema bzw. was über ein Normalmaß hinausgeht.

Sicherlich habe ich auch vor Citalopram geschwitzt, aber dann in der Regel eher in Hinblick auf schweißtreibende sportliche Aktivitäten, sehr heißen Sommertagen oder in der Sauna. Mit andauernder weiterlaufender Einnahme von Citalopram wurde das Schwitzen sowohl in dessen Umfang als auch in der Intensität immer massiver. Ich persönlich empfand diese Nebenwirkung schon sehr belastend, zumal ich das Problem vorher nie gekannt habe. Bis sich das Schwitzen in diesem Ausmaß eingestellt hat, vergingen auch mehrere Monate.

 

Gewicht ging wieder runter

Entgegen meiner Befürchtungen, dass ich auch durch Citalopram an Gewicht weiter zulegen würde, traf das Gegenteil ein. Durch mein früheres Medikament hatte ich massig zugelegt. Dieser Umstand wurde von mir jedoch in Kauf genommen, denn wer einmal ganz schlimm und viel unter Panikattacken, und schweren Episoden an Depressionen gelitten hat, der würde fast alles tun, um wieder einigermaßen frei von Angstzuständen leben zu können. Gleiches gilt natürlich auch für die Gefühlsschwankungen, die eine Depression mit sich zieht.

Nach und nach verlor ich auf jeden Fall wieder einen großen Teil von dem Gewicht, welches ich in den Jahren vorher stetig durch das anderer Medikament drauf bekam. Auch das war natürlich ein ganz tolles Gefühl, wie mit den bösen Geistern meiner Psyche auch die vielen überschüssigen Pfunde langsam verschwanden.

 

Das Absetzen von Citalopram: Meine Erfahrungen

Wie wahrscheinlich viele Betroffene von psychischen Störungen, kam auch bei mir irgendwann der Punkt, an dem ich dachte, das ich ab sofort auch ohne Medikamente mein Leben bestreiten kann. Persönlich denke ich inzwischen, dass das Gefühl sich naturgemäß immer dann einstellt, wenn die Psychopharmaka ihre Wirkung tun und du dich dann über lange Zeit hinweg immer besser fühlst. Und irgendwann fühlt es sich dann alles ganz normal an und du denkst, dass du gesund bist, entsprechend keine Medikamente mehr benötigst und die Antidepressiva absetzen willst.

So kam ich dann zu meinem ersten Versuch, Citalopram abzusetzen. Natürlich erwies sich dies im Nachhinein als ein sehr blöder Gedanke. Ich hatte Citalopram nun bereits über Jahre hinweg täglich in einer Dosis von 40 mg eingenommen. Da war von abruptem Absetzen des Mittels eh keine Rede, denn selbst, wenn ich zwischendurch mal die Einnahme von Citalopram über zwei oder drei Tage “vergessen” hatte, bekam ich Entzugserscheinungen (oder Absetzsymptome – je nachdem wie man es nennen will). Diese äußerten sich in einer Art “Zuckungen” im Kopf. Wie viele kleine Blitze, die durch mein Hirn blitzten. Bei jeder Kopfbewegung fühlte es sich so an, als würde mein Gehirn nicht mehr fest in meinem Kopf sitzen.

Innerhalb meiner Versuche zum Absetzen, zeigten sich natürlich nicht nur körperliche Entzugserscheinungen, sondern auch meine Panikattacken kamen wieder. Erst nur einige Male in der Woche, bis ich nachher wieder täglich mehrfach mich dabei erwischte, wie ich durch meine Atemübungen und “Skills” versuchte über die aufsteigende Angst in mir, wieder Herr zu werden. Parallel entwickelte sich eine düstere und traurige Stimmung in mir, sodass ich die Notbremse zog und das Citalopram erst einmal ganz normal wieder weiter genommen habe.

Ein Absetzen würde ich in dieser Form alleine nicht mehr in Angriff nehmen, selbst wenn es sich nur um einen Versuch mittels “ausschleichen” handelt. Citalopram hat mir persönlich dabei geholfen, wieder ein annähernd normales Leben zuführen, ohne ständige Panikattacken, ohne Gedanken an Selbstmord und ohne tiefe dunkle Phasen innerhalb meiner Depressionen. Aufgrund meiner Erfahrungen mit den zum Teil sehr heftigen Nebenwirkungen bin ich aber natürlich mehr als froh, dass ich heute keine Antidepressiva mehr benötige.

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