veröffentlicht am 6. November 2013 in Aktuelles/Neues von

Ich bin psychisch krank und dachte mir, dass wenigstens die Verantwortlichen im Gesundheitswesen verstehen, was das für mich und mein Umfeld bedeutet oder dieses Krankheitsbild zumindest ernst nehmen. Doch als ich gestern über Twitter von Herrn Josef Heckens Aussage „Man benötigt nicht für jeden Bürger einen Psychotherapeuten, ein Flasche Bier tut es manchmal auch.“ erfahren habe, war ich schockiert. Denn diese ist für psychisch kranke Menschen ein Schlag in das Gesicht. Es ist auch völlig egal, wie und in welchem Zusammenhang er das gemeint hat, denn so eine Aussage darf einem so mächtigen Mann im Gesundheitswesen nicht passieren.

Für alle psychisch kranken Menschen ist diese Aussage ein Tiefschlag. Ich weiß nicht ob sich Herr Hecken diesem bewusst ist. Meiner Meinung nach muss jemand der in dieser Position bei einem so wichtigen und ernsten Thema so eine Aussage tätigt, seinen Hut ziehen und zurück treten.

Es gibt viele psychisch kranke Menschen, die auf einen Psychotherapieplatz warten und denen es sehr schlecht gehtm die täglich versuchen ihren Alltag in den Griff zu bekommen, viel Kraft aufbringen um weiter zu machen und auf Besserung hoffen. Ich glaube nicht, dass Herr Hecken sich auch nur annähernd vorstellen kann, was in diesen Menschen vorgeht und wie sie sich fühlen. Denn hätte er nur ein bisschen Ahnung, wäre es nicht zu dieser Aussage gekommen. Mich würde mal interessieren, wie sich Herr Hecken wohl fühlen würde, wenn er Monate lang auf einen Arzttermin warten müsste und es ihm schlecht gehen würde.

 

Krankheitsbilder psychisch kranker Menschen müssen mehr akzeptiert werden

Mir zeigt diese Aussage von Herrn Hecken ganz deutlich, dass psychisch kranke Menschen und deren Krankheitsbilder immer noch nicht richtig akzeptiert werden. Auf einer Seite macht es mich traurig, auf der anderen Seite gibt mir diese Aussage nur noch mehr Kraft um meine Aufklärungsarbeit weiter fortzusetzen und noch stärker mit meiner Depression an die Öffentlichkeit zu gehen. Denn so darf es nicht weitergehen. Mit diesen Aussagen muss Schluss sein. Ich kann diese ganzen Sprüche wie, du bildest dir das ein, Depressionen gibt es nicht, psychisch kranke Menschen haben zu viel Langeweile usw. nicht mehr hören.

Hätte ich die Chance Herrn Hecken einmal persönlich zu treffen, würde ich ihm schildern, was in den Köpfen von psychisch kranken Menschen vorgeht und wie quälend diese negativen Gedanken sind. Vielleicht versteht er dann welch traurige Aussage er gemacht hat.

 


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7 Kommentare

Ich hab ein paar Tage überlegt, ob und wie ich was dazu schreiben möchte, habe es dann jetzt auch getan. Ich kann mich deiner Meinung nur anschließen. Fatal finde ich die Aussage nicht zwingend, fatal ist es nur, dass es von einem der oberen aus dem Gesundheitswesen kommt und die damit sensibler Umgehen sollten.

Ja, diese Aussage darf jemanden in dieser Stellung nicht passieren.

Trotz der Aussage, wird er wohl seine Stellung behalten – das darf nicht passieren!

Hallo,

schön dich zu lesen! Ja, wahrscheinlich wird er seine Stelle behalten. Trotzdem sollte er seine Aussage revidieren und sich öffentlich Entschuldigen.

Trotzdem sollte er seine Aussage revidieren und sich öffentlich Entschuldigen.

Wer sollte ihn dazu zwingen? Ich denke, er steht dazu.

Ich habe ja gedacht, dass er seine Aussage nochmal überdenkt und dadurch vielleicht bemerkt was er dort gesagt hat oder das jemand aus seinem Umfeld ihm deutlich macht, dass es so nicht geht.
Anscheinend denken die Personen um ihn herum genauso, sonst würden sie ihm sagen, dass es nicht in Ordnung war. Traurig!

Grüße
Dennis

Hallo!
Was mich besonders schockiert ist, dass er meint, eine Flasche Bier tut es manchmal auch…
Wieviele Menschen gleiten so in eine Alkoholabhängigkeit, indem sie durch den Alkohol ihre Gedanken und Gefühle verdrängen?
Wirklich schockierend!
Danke Dennis für deinen Blog und deinen Versuch, aufzuklären.