veröffentlicht am 18. März 2016 in Depression und Angststörung, Neurotansmitter und Botenstoffe von

Antidepressiva

Als “Antidepressiva” werden alle Medikamente verstanden, die dazu dienen, die Stimmung bei einer depressiven Erkrankung aufzuhellen und den psychischen und physischen Antrieb zu normalisieren. Bei einer Einnahme verbessern sich gleichermaßen die körperlichen Begleitsymptome, die mit einer Depression einhergehen – dazu gehören beispielsweise Kopf- und Rückenschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden sowie Schlafstörungen. Mittlerweile sind viele Arten der Antidepressiva erhältlich. Welches Medikament das Richtige für Sie ist, kann nur ein Psychiater entscheiden.

Die Wirkungsweise der Antidepressiva im Überblick

Jene Art der Medikamente greift in die Stoffwechselfunktion im Gehirn ein. Sie gleichen die Ausschüttung und Verteilung der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin wieder aus. Denn bei einer Depression kommt es in diesem Bereich zu einer Störung. Bei Serotonin und Noradrenalin handelt es sich um Botenstoffe, die bei der Übertragung von Nervenimpulsen im Gehirn eine tragende Rolle spielen. Geraten sie aus dem Gleichgewicht, kann dies in einer depressiven Störung resultieren. Ein Antidepressivum sorgt dafür, dass die Verteilung der Botenstoffe wieder ins Lot kommt.

Rund 6% aller Deutschen nehmen regelmäßig Antidepressiva ein https://de.statista.com/statistik/daten/studie/153178/umfrage/konsum-von-antidepressiva-in-ausgwaehlten-laendern/

Die Kategorien der Antidepressiva

Wie bereits erwähnt, sind heute verschiedene Formen der Antidepressiva erhältlich. Dabei werden sie gemäß ihrer chemischen Struktur und den unterschiedlichen Wirkungsprinzipien differenziert. Ärzte verschreiben in der Regel folgende Arten von Antidepressiva:

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)

Diese Medikamente sorgen dafür, dass sich die Konzentration von Serotonin im Gehirn erhöht. Dies erreichen sie durch das Blockieren des Transportmoleküls, welches den Botenstoff in seine Speicher zurück transportiert. Zu den bekanntesten Wirkstoffen gehören heute Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin, Fluoxetin und Citalopram.

Selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI)

Jenes Medikament wirkt am Botenstoff Noradrenalin. Dabei hemmt es selektiv dessen Wiederaufnahme in seine Speicher. Bekannt ist das Arzneimittel auf dem Markt auch unter dem Namen Reboxetin.

Trizyklische Antidepressiva

Ihr Name bezieht sich auf die chemische Zusammensetzung des Medikaments. Es zeichnet sich nämlich durch eine dreifache Ringstruktur aus. Sie sind außerdem als Antidepressiva der ersten Generation bekannt, wobei ihre Wirkstoffe auch unter den Bezeichnungen Clomipramin, Doxepin, Imipramin, Amitriptylin, Nortriptylin, Trimipramin und Desipramin bekannt sind. Sie erhöhen bei einer Einnahme die Serotonin- und Noradrenalin-Wirkung, wobei sie die Wiederaufnahme der Botenstoffe in den körpereigenen Speicher verhindern. Die Konzentration derselben steigert sich dadurch an der Übergangsstelle. Bei dieser Form der Antidepressiva werden zwei Formen unterschieden – so gibt es Medikamente, die vordergründig über Serotonin wirken und Arzneimittel, die ihre Wirkung über Noradrenalin oder beide Botenstoffe entfalten. Es ist vor einer Einnahme darauf zu achten, dass es Antidepressiva gibt, die antriebssteigernd sind, während es Mittel gibt, die auch einen schlaffördernden Effekt haben.

Tetrazyklische Antidepressiva

Es handelt sich bei dieser Form des Medikaments um Antidepressiva der zweiten Generation. Wie der Name bereits verrät, zeichnen sie sich durch eine chemisch vierfache Ringstruktur aus. In ihrer Wirkungsweise bestehen aber lediglich geringe Unterschiede zu den Trizyklischen Antidepressiva. Bei vielen Ärzten gelten jene Arzneimittel heute als zweite Wahl. Sie werden unter anderem unter der Bezeichnung Maprotilin vertrieben.

Monoaminoxidasehemmer

Jene Arzneimittel sind auch unter der Kurzform MAO-Hemmer bekannt. Ihr Name rührt daher, dass sie das Enzym Monoaminoxidase hemmen. Es handelt sich dabei um einen Eiweißstoff, der beim Abbau von Serotonin und Noradrenalin eine zentrale Rolle spielt. Auf diese Weise steigt die Zahl der Botenstoffe im Organismus an und hebt die Stimmung. MAO-Hemmer werden unter anderem unter der Bezeichnung Moclobemid vertrieben.

Duale selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI)

Diese Art von Antidepressiva ist erst seit einigen Jahren zugelassen – es handelt sich damit um ein recht junges Medikament. Auf dem Markt sind ihre Wirkstoffe unter den Bezeichnungen Venlafaxin und Duloxetin bekannt. Sie hemmen nicht nur die Wiederaufnahme von Noradrenalin in seine Speicher, sondern blockieren denselben Prozess auch bei Serotonin.

Noradrenerge und spezifisch serotonerge Antidepressiva (NaSSA)

Diese Medikamentengruppe erzielt ihre Wirkung vor allem mit Alpha-2-Antagonisten. Denn sie erleichtern die Freisetzung von Serotonin und Noradrenalin. Das erreichen sie durch das Blockieren von Alpha-2- Rezeptoren. Sie hemmen nämlich die Ausschüttung der beiden Botenstoffe.

Ärzte untergliedern Antidepressiva des Weiteren in Bezug auf ihre Wirkungsweise. Gemeint ist damit der antriebssteigernde oder -dämpfende Effekt.

Darauf ist bei der Anwendung von Antidepressiva zu achten

Bei der Behandlung depressiver Erkrankungen nehmen Arzneimittel eine zentrale Rolle ein. Des Weiteren werden Antidepressiva bei Zwangs- und Angststörungen sowie bei schwerwiegenden Ein- und Durchschlafstörungen eingesetzt. Dabei ist die Therapie mit Arzneimitteln häufig erfolgreich und führt zu einer deutlichen Besserung der Symptomatik.

Allerdings müssen Sie sich vor der Einnahme darüber im Klaren sein, dass die Wirkung der Antidepressiva nicht sofort anschlägt. Zuallererst äußert sich der dämpfende oder antriebssteigernde Effekt. Zu einer Verbesserung der Stimmung kommt es aber erst einige Wochen nach der ersten Einnahme. Es darf daher keinesfalls ein zu schneller Medikamentenwechsel erfolgen. In der Regel ist es vor allem zu Beginn ratsam, einige Woche abzuwarten. In der Regel lässt sich nach rund einem Monat sagen, ob das betreffende Arzneimittel eine positive Auswirkung auf die Stimmung hat.

In diesem Kontext ist außerdem anzumerken, dass Antidepressiva selbst bei einer längeren Einnahme nicht zu einer Abhängigkeit führen. Allerdings darf das Medikament trotzdem nicht schnell abgesetzt werden. Um starke Nebenwirkungen zu vermeiden, ist bei diesem Prozess immer schrittweise vorzugehen.

Mit diesen Nebenwirkungen ist zu rechnen

Die Nebenwirkungen der Antidepressiva hängen von der Art des Medikaments ab und können zum Teil sehr unterschiedlich ausfallen. Generell betreffen sie vor allem das vegetative Nervensystem. So führt die Einnahme häufig zu Kreislauf-Problemen oder zu Verstopfung. Handelt es sich um Trizyklische Antidepressiva, so können sie Mundtrockenheit, einen Blutdruckabfall oder Störungen beim Wasserlassen begünstigen. Anders verhält es sich hingegen bei den SSRIs. Sie führen relativ häufig zu Unruhe, Übelkeit, Schlafstörungen sowie auch sexuellen Funktionsstörungen.

Unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen lassen sich aber durch eine langsame Dosissteigerung vermeiden. Prinzipiell gehören Antidepressiva aber zur Gruppe der gut verträglichen Medikamente. Allerdings ist zu Beginn der Behandlung trotzdem eine engmaschige Kontrolle durch einen Arzt notwendig. Nur so lässt sich bestimmen, ob der Patient das betreffende Arzneimittel auch verträgt.

Fazit

Bei einer starken oder mittelschweren Depression ist die unterstützende Behandlung mit Antidepressiva in der Regel unumgänglich. Mittlerweile gibt es eine große Auswahl an Medikamenten auf dem Markt. Es lässt sich damit für fast jede Art der Depression das passende Arzneimittel finden. Generell sollte man allerdings immer zuerst nach Ursachen der Depression suchen. Denn diese werden durch die Antidepressiva nicht behoben.


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