veröffentlicht am 1. Februar 2015 in Pflanzliche Heilmittel/ Antidepressiva von

Antidepressiva Wirkung

Wirkung von Antidepressiva bei psychischen Erkrankungen – Schlechte Stimmung, Antriebslosigkeit und keine Freude an alltäglichen Aktivitäten – alles Anzeichen einer Depression. Inzwischen gibt es zur Behandlung von Depressionen zahlreiche Wirkstoffe, sogenannte Antidepressiva. Angesichts der Fülle an Präparaten, ist es allerdings nicht einfach den Überblick zu behalten. Zudem ist der Gedanke, dass die Medikamente in die Psyche eingreifen, vielen Menschen unheimlich. Doch welche Präparate gibt es überhaupt und welche Wirkung und Nebenwirkungen haben sie?

 

Prozesse im Gehirn und die Bedeutung von Botenstoffen

Fühlen, Denken, Handeln – diese Informationen werden im menschlichen Körper von Milliarden Nervenzellen gesteuert. Weitergeleitet werden diese in Form elektrischer Ströme, welche blitzschnell die Nervenbahnen durchlaufen. Hin und wieder müssen die elektrischen Ladungen vor sogenannten synaptischen Spalten – mikroskopisch kleinen Lücken – Halt machen. Um die Nachricht dennoch weitervermitteln zu können, schütten die Nervenzellen spezielle Botenstoffe (Neurotransmitter) aus. Diese geben die Information an die nächste Zelle weiter und werden schließlich über die Zellwand wieder aufgenommen.

 

Wenn das Gleichgewicht aus den Fugen gerät

Obwohl die Ursachen von Depressionen noch nicht vollständig geklärt sind, weisen signifikante Indizien darauf hin, dass depressive Menschen eine veränderte Hirntätigkeit besitzen. Eine Hypothese geht von einem gestörten Hirnstoffwechsel aus und dass Gedankenwelt sowie Gefühlsebene unter einem Ungleichgewicht von Noradrenalin, Serotonin sowie anderer Botenstoffe leiden. Zu den Botenstoffen zählen:

  • Noradrenalin, welches sich positiv auf den Antrieb auswirkt
  • Serotonin, das unter anderem für Glücksgefühle im menschlichen Körper zuständig ist
  • Histamin, das unter anderem beruhigend und entspannend wirken kann
  • Dopamin, das ebenfalls den Antrieb stärkt

Ja nach Präparat wird die Wirkung von Antidepressiva als beruhigend, angstlösend, stimmungsverbessernd, antriebssteigernd oder auch als antriebsdämpfend beschrieben. Diese greifen in den Hirn-Stoffwechsel ein und haben die Aufgabe, die Botenstoffe an ihren Wirkorten länger, sowie in höherer Konzentration zur Verfügung zu stellen. Diese Wirkung kann mit Antidepressiva auf folgenden Wegen erzielt werden:

 

Serotononin-Wiederaufnahmehemmer

Bei der Behandlung von Depressionen gelten Serotononin-Wiederaufnahmehemmer als Antidepressiva erster Wahl und werden am häufigsten verordnet (sogenannte trizyklische Antidepressiva oder Rückaufnahmehemmer). Einer der bekanntesten Vertreter der Wiederaufnahmehemmer ist das Citalopram. Dieses verhindert, dass das Serotonin nach Überlieferung der Information gleich wieder in der Absender-Zelle verschwindet. Hierzu klinkt sich der Medikamentenwirkstoff Citalopram in die Öffnung der Zellwand ein und versperrt auf diese Weise dem Botenstoff den Weg. Aus diesem Grund verbleiben die Botenstoffe länger im synaptischen Spalt, wo sie ihre Wirkung weiterhin entfalten können. So wird schließlich dem Mangel an bestimmten Botenstoffen begegnet. Weil Citalopram seine Wirkung kaum noch an Rezeptoren im Nervensystem und Gehirn entfaltet, weist dieses Antidepressivum nur ein geringes Spektrum an Nebenwirkungen auf.

 

Enzym-Hemmer

Nach erfolgter Übertragung im synaptischen Spalt werden unsere Neurotransmitter für gewöhnlich durch bestimmte Eiweißstoffe (Enzyme) wieder abgebaut. Einige Antidepressiva (MAO-Hemmer) entfalten ihre Wirkung dadurch, dass sie diese Stoffe in den Nervenzellen blockieren. Diese Hemmung geht mit einem verminderten Abbau von Noradrenalin und Serotonin einher. Bei Bedarf kann der sogenannte präsynaptische Speicher größere Mengen des benötigten Botenstoffs zur Verfügung stellen und die Wirkung aufrechterhalten.

 

Erhöhte Freisetzung an der Präsynapse

Die Konzentration an Botenstoffen kann mittels Antidepressiva auch auf eine andere Weise gesteigert werden. Dabei zielt die Wirkung des Medikaments darauf ab, einen Stopp der Ausschüttung des Botenstoffes zu verhindern. Normalerweise informieren bestimmte Rezeptoren über die Menge des Botenstoffs im synaptischen Spalt. Bei ausreichender Menge wird eine weitere Ausschüttung gestoppt. Die Wirkung gewisser Antidepressiva sieht eine Blockade dieser Beobachtungsrezeptoren vor, weshalb die Zelle munter weiter Botenstoffe ausschüttet.

 

Wirkung und Besserung setzt verzögert ein

Ihre Wirkung entfalten Antidepressiva erst nach einem Zeitraum von drei bis sechs Wochen. Für diese Verzögerung ist unter anderem die Blut-Hirn-Schranke verantwortlich. Diese hat die Aufgabe, das Eindringen gefährlicher Stoffe in das Gehirn zu verhindern und nur bestimmte Moleküle passieren zu lassen. Weil Antidepressiva ihre Wirkung im Gehirn entfalten, müssen sie demnach erst diese Sicherheitsbarriere überwinden. Bei Depressionen muss der Patient die Antidepressiva in jedem Fall regelmäßig über einen längeren Zeitraum einnehmen, um weiteren depressiven Phasen vorzubeugen und eine dauerhafte Wirkung zu erreichen. Denn einzelne, sporadisch eingenommene Antidepressiva sind bei Depressionen nutzlos und haben keine nennenswerte Wirkung. Oftmals braucht es zu Beginn der Behandlung etwas Zeit, bis der Arzt die ideale Wirkstoffkombination in der optimalen Konzentration ermittelt hat.

 

Unerwünschte Nebenwirkungen

Die Einnahme trizyklischer Antidepressiva kann mit folgenden Nebenwirkungen einhergehen:

  • Zittern
  • Vermehrtes Schwitzen
  • Sehstörungen
  • Mundtrockenheit
  • Herabgesetzte Kreislaufregulation mit Blutdruckabfall
  • Beschleunigung des Herzschlags

Bei den Serotonin-Wiederaufnahmehemmern stehen eine gelegentliche Bewegungsunruhe, sowie Symptome wie Durchfall und Schwitzen im Vordergrund. Am stärksten sind diese Unannehmlichkeiten zu Beginn der Behandlung. Deutlich seltener führen Antidepressiva zu Verwirrtheit, erheblicher Gewichtszunahme, starker Appetitsteigerung, Blutbildveränderungen, Krampfanfälle, Herzschädigungen sowie zu Belastungen der Darm- und Blasenfunktion sowie Sexualität.


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