veröffentlicht am 13. Februar 2020 in Depression und Angststörung von

Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Antidepressiva

Genau wie Erwachsene, können auch Kinder und Jugendliche unter Depressionen leiden. Die Medikamententherapie ist bei den minderjährigen Betroffenen jedoch stark umstritten. Zu groß sei das Risiko gegenüber eines vergleichsweise geringem Nutzen, meinen manche Eltern und auch viele der behandelnden Ärzte. Doch sind Antidepressiva für Kinder und Jugendliche wirklich gefährlich? Wie können depressive Störungen laut den Kritikern ohne Medikamente behandelt werden?

Studien verursachen Bedenken über Verabreichung von Antidepressiva

Depressive Störungen zählen zu den häufigsten psychischen Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen. Studien zufolge leiden etwa fünf Prozent der Jugendlichen und ein bis zwei Prozent aller Kindern unter depressiven Störungen. Befinden sich Kinder und Jugendliche in einer depressiven Phase, kann das Suizidrisiko um das 15-fache steigen. Mehr als die Hälfte der jungen Patienten mit depressiven Störungen geben an, Selbstmordgedanken zu haben oder hatten diese schon einmal in der Vergangenheit. Bei leichten bis mittelschweren Depressionen raten Ärzte in der Regel von einer Medikamententherapie ab. Stattdessen sollen psychotherapeutische Behandlungsmethoden, wie zum Beispiel eine Verhaltenstherapie, zum Einsatz kommen.

Grund dieser Empfehlung sind vor allem die neusten Erkenntnisse aus dem Bereich der Medizin. Der bekannte Wirkstoff Nortriptylin schnitt in mehreren Studien schlecht ab. Er erwies sich im Vergleich mit Placebos und anderen Antidepressiva als weniger wirksam. Jene Medikamente, die die Wirkstoffe Imipramin, Venlafaxin und Duloexetin enthielten, zeigten schlechte Verträglichkeiten und starke Nebenwirkungen. Venlafaxin verursachte im Rahmen der Studien einen weiteren besorgniserregenden Effekt. Minderjährige die das Medikament einnahmen, hatten im Vergleich zur Einnahme von Placebos öfter Selbstmordgedanken. Dieser Effekt konnte parallel nicht bei Erwachsenen beobachtet werden. Lediglich das Mittel Fluoxetin erzielte positive Wirkungen, die in ihrer Ausprägung stark genug waren, dass von einer vielversprechenden Behandlung der depressiven Störungen gesprochen werden konnte.

 

Nebenwirkungen und Risiken der Therapie mit Antidepressiva

Werden Minderjährige mit Antidepressiva behandelt, müssen diese mit verschiedenen unerwünschten Nebenwirkungen rechnen. Besonders in den ersten Wochen der Einnahme, kann es bei den jungen Patienten zu Angstzuständen, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit und Unruhe kommen. Auch ein akuter Schub von Selbstmordgedanken ist nicht auszuschließen. Sind die Nebenwirkungen zu stark, sollten die Medikamente jedoch auf keinen Fall schlagartig abgesetzt werden. Besser ist es, die Dosis nach Absprache mit dem behandelnden Arzt schrittweise zu reduzieren. Darüber hinaus gilt zu bedenken, dass eine Medikamententherapie den Minderjährigen schon im jungen Alter vermittelt, dass sie krank sind und ohne das regelmäßige Schlucken der Tabletten kein normales Leben führen können. Eine begleitende psychotherapeutische Therapie ist daher unerlässlich, falls nicht auf die Medikamentengabe verzichtet werden kann.

Problematisch bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen sind vor allem mangelnde Untersuchungsdaten. Besonders zu alternativen Behandlungsmethoden wurden noch nicht genügend Erkenntnisse gesammelt, um diese zuverlässig anzuwenden. Schwierig ist auch, dass jene Ergebnisse der Untersuchungen an Erwachsenen nicht auf Kinder und Jugendliche übertragen werden können. Die Unterschiede zwischen dem erwachsenen und heranwachsenden Stoffwechsel sind dafür zu groß. Da die Durchführung verschiedener Tests an Minderjährigen als unethisch gilt, werden auch zukünftig wenig Daten über die Zuverlässigkeit der Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen.

 

Antidepressiva nicht vorzeitig verteufeln

Viele behandelnde Ärzte raten zu Recht zur Gabe der genannten Medikamente ab, wenn die Patienten noch minderjährig sind. Die Einnahme von Antidepressiva zur Behandlung depressiver Störungen von Kindern und Jugendlichen zu verteufeln, ist trotz berechtigter Bedenken keine allgemeine Lösung. Schlagen alternative Therapieformen wie die Verhaltenstherapie nicht an, könnten die Minderjährigen unbehandelt in Gefahr schweben. Eine schwere Depression aus Angst vor Nebenwirkungen der Medikamente nicht mit diesen zu behandeln, ist mitunter eine gewagte Entscheidung. Leiden Kinder oder Jugendliche unter schweren Depressionen, kann eine psychotherapeutische Behandlung allein mitunter nicht ausreichen, um einen schnellen Therapieerfolg zu erzielen. Eine Kombinationstherapie aus Antidepressiva und Verhaltenstherapie könnte in schwierigen Fällen jedoch positive Behandlungsergebnisse erbringen. Wichtig ist hierbei die ständige Therapieüberwachung und das Einbeziehen neuer Erkenntnisse aus dem Bereich der Medizin. Diese sind besonders auf dem Gebiet depressiver Störungen im Kindes- und Jugendalter enorm wichtig. Ärzteverbände fordern daher, alle erzielten Studienergebnisse über die Behandlung von Depressionen bei Minderjährigen umgehend zu veröffentlichen.

Fazit: Auch wenn Antidepressiva innerhalb der Therapie depressiver Störungen von Kindern und Jugendlichen nicht das beste Verhältnis zwischen Risiko und Nutzen zeigen, sollte sie nicht von Beginn an als Behandlungsmethode ausgeschlossen werden. Eine sorgsame Abwägung der Anwendung durch den behandelnden Arzt sollte jedoch vor der Medikamentengabe dringend erfolgen. Erst dort, wo psychotherapeutische Behandlungen an ihre Grenzen stoßen und schweren Depressionen nicht allein beheben können, sollte der Einsatz der Antidepressiva zur Sprache kommen. Zeigen Minderjährige eine leichte bis mittelschwere Depression, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Nebenwirkungen und Risiken einer Verabreichung von Antidepressiva den positiven Nutzen übersteigt.

 


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