veröffentlicht am 1. Juni 2013 in Gedankengänge zu Depressionen von

Ich versuche für euch meine Gedanken zu dem Thema Suizid zusammenzufassen. Mir ist bewusst, dass dieses Thema sehr bewegend, schwierig und ernst ist. Meine Meinung ist aber, dass auch Suizid angesprochen werden muss. Wer über Depressionen und Ängste spricht und informiert, kommt auch um das Thema Suizid nicht herum. Dies soll auf keinen Fall bedeuten, dass Depressionen und Angststörungen immer in einem Suizid enden.

Für mich ist das Thema Suizid ein verdammt schwieriges Thema. Darüber zu schreiben fällt mir wirklich nicht leicht. Leider habe auch ich zwei geliebte Menschen durch ein Suizid verloren. Es ist eine sehr schmerzhafte Erfahrung, die uns oft aus heiterem Himmel trifft. Das Schlimme ist, wir können die Menschen nicht an einem Suizid hindern. Es ist einfach nicht möglich jemanden die ganze Zeit zu überwachen, außerdem würde uns dies zu viel Kraft kosten. Glaubt mir, ich weiß wovon ich spreche. Menschen, die sich das Leben nehmen möchten oder besser gesagt müssen, da die quälenden Gedanken und ihre immer weiter schwindende Kraft enormen Druck auf sie ausüben, können und werden dies irgendwann tun. Das ist zwar hart, doch es ist die Wahrheit. Selbst wenn wir von den Plänen etwas bemerken, uns ständig kümmern und sorgen, den Menschen in allem unterstützen, ist dies keine Garantie dafür, dass dieser Mensch von einem Suizid absieht. Trotzdem gibt es zum Glück viele Fälle, die durch Fürsorge und professionelle Hilfe von einem Suizid absehen.

Der Suizid eines nahestehenden Menschen bringt tiefe Trauer und Verzweiflung in unser Leben. Es werden sehr intensive Gefühle in uns ausgelöst. Unsere Gefühle schwanken zwischen Verzweiflung, Wut, Angst und Trauer. Zudem fühlen wir uns leer und machtlos. Unsere Seele weint. Es beschäftigen uns Gedanken nach dem Warum, nach der Schuld und wir stellen uns automatisch die Frage, muss ich mir Vorwürfe machen?

All diese Gefühle und Gedanken sind vollkommen normal und dürfen auch sein. Doch wir sollten drei wichtige Dinge nie vergessen. Erstens, wer war dieser Mensch, d.h. wir sollten uns daran erinnern, was uns dieser Mensch bedeutet hat, wie liebevoll und fürsorglich er war. Dies ist ganz wichtig. Wir dürfen wütend sein, doch sollten wir am Ende die positiven Erinnerungen in uns hervorrufen. Zweitens sollte uns bewusst sein, dass die Fragen nach dem Warum und nach der Schuld, nie hundert prozentig beantwortet werden. Das ist im ersten Augenblick schwierig, doch wir müssen versuchen, uns damit abzufinden. Wir müssen versuchen einen für uns vernünftigen Weg zu finden, um mit dem Suizid und dem schlimmen Verlust eines besonderen Menschen umzugehen und uns in einer gewissen Weise damit abzufinden. Drittens sollten wir von zu starken und vielen Selbstvorwürfen absehen, die sich automatisch einschleichen, wenn ein geliebter Mensch durch einen Suizid von uns gegangen ist. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass Selbstvorwürfe ein sehr heikles Thema sind. Wir sollten darauf achten, dass wir uns nicht automatisch nur die negativen Erinnerungen und Erfahrungen hervorrufen, die uns mit dem Menschen verbinden, sondern auch die positiven. Was ich damit meine ist, natürlich gibt es hin und wieder Streit, sicherlich sagten wir Dinge, die nicht so nett gewesen sind und ja, mein Verhalten war auch nicht immer positiv. Doch sind dies Gründe Suizid zu begehen? Für die meisten sicherlich nicht.

Ist ein Mensch schwer depressiv oder sonst schwer krank, sind die Entscheidungen, die dieser Mensch für sich trifft, für andere nicht immer nachvollziehbar. Es ist sehr schwer zu erklären, doch ich denke wir sollten uns nicht noch mit quälenden Selbstvorwürfen auseinandersetzen oder gar nieder machen. Geht ein geliebter Mensch durch ein Suizid von uns, ist es ohnehin schon schwer genug.

Ein Suizid hinterlässt meistens tiefe Wunden in den Seelen der Angehörigen und ist oft schwer zu verarbeiten. So ein einschneidendes, schlimmes Erlebnis, vergisst keiner. Mehr möchte ich im Moment nicht zu diesem Thema schreiben.


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2 Kommentare

Hallo Dennis,

ich glaube, einen Suizid kann nur derjenige richtig verstehen, der ihn macht. Außenstehende können darüber nur spekulieren. Mein Sohn hat vor zwei Jahren einen Suizidversuch gemacht, da er keinen anderen Ausweg gesehen hat. Ich bin froh, daß sein Versuch nicht geklappt hat, bin mir aber bewußt, daß man es nicht wirklich verhindern kann. Ich versuche, meinen Sohn so weit wie möglich zu unterstützen, wenn er es möchte.

LG
Annegret

Ich finde unheimlich gut und wichtig, dass Du Dich an das Thema herangetraut hast. Es ist ein schwieriges Thema. Man kann nicht für andere eine Lösung finden – man kann nur jeden ermutigen, für sich selbst eine Lösung zu suchen. Es gibt Lösungen und Hilfen, ich hoffe, für jeden die Richtige.