veröffentlicht am 22. Februar 2013 in Depression und Angststörung von

Für viele Menschen ist die Schauspielerei faszinierend. Sie bringen mit der Schauspielerei Glamour, Talent, Ruhm, hübsche Schauspieler und gute Gagen in Zusammenhang. Wenn über Schauspielerei gesprochen wird, denkt im ersten Moment wohl kaum einer an depressive Menschen.

 

Depressive Menschen und Schauspielerei, wie passt das?

Auf den ersten Blick fragt ihr euch, was haben depressive Menschen mit der Schauspielerei gemeinsam, das passt doch nicht. Ich behaupte schon! Die Kunst der Schauspielerei ist es, in andere Rollen zu schlüpfen, verschiedene Personen zu spielen und den Zuschauern Gefühle und Emotionen vorzuspielen. Aber was hat das mit depressiven Menschen zu tun? Ganz einfach: Depressive Menschen spielen ihrem Umfeld oft etwas vor. Bei depressiven Menschen ist dies aber keineswegs bösartig gemeint, sondern eine Art Schutzmechanismus. Es geht darum nicht aufzufallen oder ertappt zu werden. Keiner soll etwas von den depressiven Phasen mitbekommen. Wer lässt sich schon gern seine Probleme oder eine depressive Phase ansehen oder anmerken. Noch schlimmer ist es darüber zu sprechen. Sei es im Job, im Familien- oder Freundeskreis, keiner gibt gern Schwächen zu oder spricht über etwas, was Außenstehende sowieso nicht verstehen. Gerade im Berufsleben ist es immer eine heikle Sache über Schwächen oder sogar eine psychische Erkrakung zu sprechen. Typische Fragen wie: Ist alles in Ordnung mit dir? Wie geht es dir? Alles OK? Wie läuft es? Werden immer gleich beantwortet: Alles bestens, mir geht es gut. Es ist wichtig, ja kein Aufsehen zu erregen. Auch auf Familienfeiern oder im Bekanntenkreis wird oft das Standardlächeln aufgesetzt und somit die Unsicherheit überspielt. Es ist doch wesentlich einfacher so, es kommen keine komischen, nervigen oder unangenehmen Fragen. Das Faszinierende ist, dass fast niemand etwas merkt oder Verdacht schöpft.

 

Spielen wir nur anderen oder auch uns selbst etwas vor?

Das ist eine sehr gute und interessante Frage. Im ersten Augenblick gehen wir den nervigen Fragen und Blicken aus dem Weg. Niemand merkt etwas von den depressiven Phasen und wir sind keinen musternden Blicken ausgesetzt. Aber wie geht es weiter? Unsere Schauspielerei behandelt doch nicht die Ursachen und Symptome, sondern verlagert unsere Probleme nur in die Zukunft. Ist es nicht besser, wenn wir ehrlich zu uns sind, indem wir versuchen zu unseren Schwächen und Problemen zu stehen? Klar weiss ich, dass das unangenehm und nicht ganz einfach ist. Wer zeigt schon gern Schwäche oder spricht über die eigenen schlechten Angewohnheiten. Doch vielleicht liegt da der Schlüssel zu unserem Erfolg. Ist es nicht einfacher uns so anzunehmen wie wir sind, anstatt immer wieder viel Kraft aufzuwenden um uns zu verstellen?

 

Verstellen und Schauspielern kostet depressive Menschen viel Kraft

Ständig aufzupassen was wir sagen, wie wir uns geben und wie wir uns verhalten erfordert viel Kraft. Am Anfang mag das alles noch sehr gut funktionieren, es kann sogar über Jahre klappen, doch irgendwann wird es anstrengend. Es zerrt an den Nerven und wird zunehmend zur Belastung. Dazu kommt, dass die Probleme,mit denen wir zu kämpfen haben, davon nicht verschwinden. Oft ist es sogar der Fall, dass sich die Probleme mit zunehmender Zeit verstärken.

 

So schwierig es auch ist, der Vorhang muss fallen

Schauspielerei ist keine Dauerlösung, wir sollten versuchen uns anzunehmen und etwas zu ändern. Ich bin mir bewusst, dass es sehr einfach gesagt ist und diese Entscheidung nicht einfach ist. Doch ich weiss auch, dass dies der bessere Weg ist. Wir müssen ja nicht jedem unsere Krankheitsgeschichte oder Gefühle erzählen. Das sollte man sowieso nur Freunden erzählen die versuchen einen zu verstehen und die sich nicht nur für den gut gelaunten Menschen interessieren. Für den Anfang reicht es schon, wenn wir einfach mal sagen, dass es uns schlecht geht und wir versuchen über unsere Probleme zu sprechen. Dabei sollte man sich nicht unter Druck setzen oder setzen lassen. Alles braucht seine Zeit.

 


Kommentar schreiben


3 Kommentare

Tja … Eigentlich kann man dem nix hinzufügen. Es ist einfach so. Die Schauspielerei mag mit fortschreitender Dauer leichter fallen. Die eigene Wahrnehmung, die Fähigkeit, festzustellen wie man sich selber fühlt – die leidet aber immer mehr darunter.
Es ist keine Schande, zu sagen das es einem schlecht geht. Das man Momentan möglicherweise nicht darüber reden mag auch nicht. Aber es sagt den Menschen um uns herum auch, das wir sie wichtig genug nehmen, um sie auch mal einen Blick auf unsere Schwächen werfen zu lassen. Die hat nämlich jeder. Sogar Chuck Norris. 😀

Bla Bla… schön und gut. Hauptproblem ist aber letztenendes, dass man durch die Schauspielerei selbst nicht mehr wirklich weiß, wer man wirklich ist… und viel schlimmer noch: jeder, der das mit dem Schauspielern richtig gut hinbekommen hat, der dem Familien-, Freunden- und Bekanntenkreis glaubhaft weis machen konnte dass alles ok ist, der bekommt zu 99% , wenn er sich outen will weil es nun doch nicht mehr so weitergeht, permanent erzählt: “Ach, du bist doch stark und schlau, das schaffst du schon”. Und DAS ist dann erst recht ein Schlag ins Gesicht > Sich durchringen nach Hilfe zu Fragen und alle werten deine Probleme, du du mit dir und der Welt hast, ab, nur weil sie dich nicht verstehen können… denn mit unter durch die Schauspielerei sind Probleme, die erst keine großen waren, zu riesigen geworden und nicht einfach so schnell zu erklären/verstehen…

Ja, ich schliesse mich der liebe Mel an. Es einzugestehen ist für uns eine Stärke, aber für das Umfeld wirkt man plötzlich schwach. Weil man nicht klarkommt mit den einfachsten Dingen. Plötzlich ist man der Depp, egal ob man ein abgeschlossenes Studium hat und bis jetzt ein ziemlich vernünftiger Mensch war. Man ist wie ein hilfloses Baby und das -nervt- das Umfeld, ist mein Eindruck. Ich weiss, das ist nur menschlich, aber ich hab keine Lust mehr auf mich herabschauen zu lassen nur weil ich schon wieder einen Termin verpeilt habe, oder es nicht schaffe, alleine umzuziehen. Und nach und nach wird man nicht mehr als erwachsene Person wahrgenommen sondern als unfähige Last. Dann doch lieber schauspielern- solange man sich selbst gegenüber ehrlich bleibt und sich selbst die Unfähigkeiten verzeiht.