Online-Therapie

Als besonders wirksam und nachhaltig in der Behandlung von Depressionen und Angststörungen haben sich klassische Therapieformen wie die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) oder die Tiefenpsychologisch Fundierte Psychotherapie erwiesen. Diese Verfahren werden in Deutschland von den Krankenkassen übernommen. Hilfesuchende stehen jedoch oftmals vor dem Problem, nicht zeitnah einen Therapieplatz zu bekommen, denn die Wartezeit auf ein Erstgespräch mit einem Therapeuten beträgt im Durchschnitt drei bis sechs Monate.

Eine noch recht neue Behandlungsmethode, mit der sich die Wartezeit überbrücken lässt, ist die Online-Therapie, wie sie zum Beispiel von Selfapy angeboten wird. Zahlreiche Studien haben die Wirksamkeit von internetbasierten Therapieverfahren bereits bestätigt. Besonders solche Programme, die auf den Methoden der KVT basieren und dem Prinzip der geleiteten Selbsthilfe folgen, können die Symptome der Depression reduzieren. In der KVT ist die Grundannahme, dass Menschen auf innere und äußere Situationen mit erlernten Verhaltens- und Denkweisen reagieren. Im Laufe des Lebens können sich diese Verhaltens- und Denkweisen als nicht angepasst oder selbstschädigend herausstellen. Ziel der KVT ist das Erlernen neuer Verhaltens- und Denkweisen. Dabei stützt sich diese Therapieform auf die wechselseitige Verknüpfung von Gedanken, Gefühlen und Verhalten. Wir zum Beispiel am Verhalten etwas geändert, wirkt sich die auf die Gedanken und Gefühle aus.

Was ist geleitete Selbsthilfe?

Unter geleiteter Selbsthilfe ist zu verstehen, dass der Patient selbstständig am Computer Übungen bearbeitet und psychoedukatives Material liest, um sich und seine Erkrankung besser zu verstehen. Ein Psychologe oder Therapeut begleitet ihn dabei, zum Beispiel via E-Mail, Chat oder Telefon. Durch die individuelle Betreuung ist es dem Patienten möglich, das neu Erlernte zu reflektieren und zu verinnerlichen, Fragen zu stellen und natürlich über seine aktuelle Situation zu sprechen. Zudem erhält er Feedback und eine Außenperspektive, durch welche sich Probleme in ein neues Licht rücken lassen.

Online-Therapie bedeutet nicht nur, dass Betroffene sofort Hilfe bekommen können. Es handelt sich auch um ein niedrigschwelliges Angebot: Menschen, die sich mit ihren Problemen aufgrund von Hemmungen oder Scham nicht an einen Therapeuten wenden möchten, kann in der Online-Therapie anonym geholfen werden. Ein weiterer positiver Aspekt der Online-Therapie ist die Flexibilität der Programme und die Integration in den Alltag. Immer mehr kommt diese Behandlungsmethode auch in der Nachsorge zum Einsatz, beispielsweise nach einem Klinikaufenthalt.

Online-Therapie in Deutschland

In Deutschland gibt es seit 2016 mit Selfapy das erste Portal für psychologisch begleitete Online-Therapie. Betroffene können Kurse gegen Depressionen, Angststörungen (sowohl die Generalisierte Angststörung als auch Panikstörungen und Phobien) und Stress absolvieren. Die Kurse bestehen aus je neun Online-Modulen und wöchentlichen Gesprächen mit einem Psychologen. Kursteilnehmer erarbeiten sich eine Tagesstruktur. Sie lernen negative Gedanken zu hinterfragen und wieder positiv zu denken. Außerdem werden Themen wie Soziale Kontakte, Achtsamkeit, Bewegung und Ernährung abgedeckt.

Ziel des Kurses ist es, dem Betroffenen Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen er sein Wohlbefinden nachhaltig verbessern kann und die ihm auch in späteren Krisensituationen helfen können. Eine unabhängige Studie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigte, dass der Selfapy Kurs die Symptome einer leichten bis mittelschweren Depression signifikant reduzieren konnte.

In den USA , den Niederlanden und Skandinavien wird Online-Therapie bereits von vielen Krankenkassen erstattet. In Deutschland ist dies leider noch nicht der Fall. Zwar bieten einige Krankenkassen ihre eigenen Online-Kurse an, diese sind in der Regel jedoch unbegleitet, d.h. es fehlen der persönliche Austausch und die psychologische Begleitung, die z.B. Selfapy bietet. Vergleicht man jedoch die Kosten einer Online-Therapie mit denen einer privaten Psychotherapie, lässt sich schnell feststellen, dass letztere weitaus teurer ist. Sicherlich kann eine Online-Therapie eine klassische Face-to-Face-Therapie nicht ersetzen. Dafür ermöglicht sie aber einen schnellen, unkomplizierten Einstieg in die Behandlung. Gerade Menschen mit Depressionen, die sich verlassen und hoffnungslos fühlen, können so neue Kraft schöpfen und vor dem Beginn einer psychotherapeutischen Behandlung bereits etwas für ihr Wohlbefinden tun.

Quelle: www.selfapy.de