veröffentlicht am 20. Februar 2016 in Depressive Gedanken und Gefühle, Grübeln / Zwangsgedanken / krankhaftes nachdenken von

Negative Gedanken- wenn die Depression aufzieht

Sobald es um mich herum dunkel wird steigen negative Gedanken in mir auf, diese sind eine quälende Begleiterscheinung meiner Depression. Sie breiten sich blitzschnell aus und ergreifen Besitz von meinen Gefühlen und meinem Körper. Meine Gefühle werden negativ, mein Körper wird kalt oder bekommt warme Schübe, manchmal beginne ich zu schwitzen oder atme wesentlich schneller als sonst. Ich habe Angst. Angst vor meinem Leben. Andere würden sicherlich sagen, ich weiß überhaupt nicht was dieser Kerl hat, warum geht es ihm schlecht. Er hat eine tolle Frau, einen vernünftig bezahlten Job, ein Haus in dem er wohnen kann und auch sonst gibt es doch nichts Schlimmes in seinem Leben. Die Menschen denken dies, weil sie nur meine äußere Schale kennen. Wer mich nicht gut genug kennt, merkt nichts von meinem Doppelleben. Von einem Leben mit schwarzen, negativen Gedanken. Sie sehen ein Lachen, einen gut gebauten netten jungen Mann. Keiner weiß, dass in mir häufig auch eine ungeheure Traurigkeit herrscht. Niemand merkt wenn ich versuche meine gesundheitlichen Probleme und Ängste wegzulachen. Eigentlich traurig, dass ich dies tun muss. Jedoch bleibt mir keine andere Wahl. Zu oft bin ich wegen meiner Depression und den damit einhergehenden Gefühlen und Gedanken angeeckt. Zu oft wurde ich enttäuscht und nicht ernstgenommen. Eine wirkliche Akzeptanz in der Öffentlichkeit gibt es für diese Krankheit noch nicht.

Ich suche einen Ausweg aus diesem Hamsterrad, aus diesem negativen Kreislauf. Ich möchte leben wie andere, gesunde Menschen. Ich weiß, dass ich vieles habe, was andere Menschen nicht haben. Eigentlich habe ich Glück im Leben. Doch all das bringt mir nichts, weil meine Seele weint. Ich frage mich häufig ob ich einfach nur undankbar oder faul bin. Ob ich zu viel im Leben möchte und ich deshalb im Leben nicht klar komme. Allerdings habe mich meine Erwartungen an mich schon zurück geschraubt. Ich möchte einfach frei sein, mein Leben genießen können, ohne diese ständige und allgegenwärtige Angst und negativen Gedanken. Ein Leben ohne diese schwere Last in mir führen, dies ist mein größter Wunsch.

Negative Gedanken – wie sie mein Leben verändern

Nur wie soll ich diesem negativen Kreislauf entkommen? Wie die negativen Gedanken stoppen? Im Moment ist es so, dass ich innerlich einbreche. Meine Gedanken reden mich selbst klein. Ständig schwirrt mir im Kopf herum; du schaffst das nicht, du wirst nichts erreichen, du bist nur eines und zwar eine Last für dein Umfeld. Eigentlich solltest du deine Familie ernähren, genug Geld verdienen, deine Frau auf Händen tragen und für sie da sein. Stattdessen bist du ein kraftloser Typ, der häufig nur gerade so seinen Alltag geregelt bekommt. Wenn du das überhaupt schaffst! Es macht mich traurig, zuzusehen, dass ich immer mehr Probleme bekomme meinen Tagesablauf aufrecht zu erhalten und meiner Arbeit nachzugehen. Gerne würde ich meiner Frau mehr bieten beziehungsweise eine halbwegs sichere Zukunft versprechen können. Eigentlich sollte es so sein, dass die Frau eventuell etwas weniger arbeitet, zumindest wenn irgendwann ein Kind da ist. Leider sieht es jedoch so aus, dass ich demnächst Stunden reduzieren muss. All das macht mich traurig und bereitet mir große Sorgen.

In diesem Zustand schaltet mein Körper ab, ich nehme nichts anderes mehr wahr als meine negativen Gedanken. Läuft nebenbei ein Film, kann ich nur Bruchteile davon wiedergeben, denn ich bin eingetaucht in eine völlig andere Welt. Eine Welt, die aus negativen Gedanken, Angst und Sorgen besteht. Dort werde ich festgehalten. Manchmal für wenige Stunden, ein anderes Mal für einige Tage und wenn ich Pech habe, werde ich dort mehrere Wochen festgehalten. Das krasse daran ist, dass mein Umfeld häufig nichts davon merkt.

Egal ob auf der Arbeit oder im privaten Bereich, fast niemand merkt etwas. Wie auch, schließlich bin ich ja körperlich anwesend. Dieser Zustand kostet mich gerade auf der Arbeit umso mehr Kraft, da ich mich konzentrieren muss und versuchen muss meine Arbeit zu schaffen. Zudem möchte ich nicht, dass einer meiner Kollegen etwas merkt und ich dadurch Angriffsfläche für blöde Sprüche biete. Sind die negativen Gedanken zu stark, kann es schon sein, dass ich in diesen Phasen nicht wirklich etwas schaffe. Zumindest versuche ich immer zur Arbeit zu gehen, was mir trotz des Gedankenkarussells auch gelingt. Jedoch kann ich dann nicht hundert Prozent der Leistung bringen. Häufig waren diese Phasen in der Vergangenheit von einer starken Gewichtsreduktion von mehreren Kilo innerhalb weniger Tage geprägt. Mittlerweile habe ich wenigstens dieses Problem in den Griff bekommen.

Wie soll ich sie also besiegen, diese negativen angstauslösenden Gedanken in meinem Leben? Wie kann ich es schaffen meine Last abzuwerfen und was kann ich tun um wieder gesund zu werden oder ein halbwegs normales Leben zu führen? Wird dies überhaupt noch einmal möglich sein? Es sind viele offene Fragen, auf die ich dringend eine Antwort suche.

Meine einzige Hoffnung sind die Phasen in denen ich symptomfrei bin. Frei von negativen Gedanken und Ängsten. Genau diese Phasen muss ich nutzen um mich möglichst gut zu erholen und weiter an mir und meiner Gesundheit zu arbeiten.

Wenn Ihr wissen wollt wie ich an mir arbeite, schaut einfach in die Rubrik Stabilisierungsübungen oder hinterlasst einen Kommentar.


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4 Kommentare

Hallo Dennis,
du sprichst mir aus der Seele! Genauso erlebe ich auch meine depressiven Phasen und diesen Absturz in die negativen Gedanken, wenn sie mich überrollen und gefangen halten. Ich würde gern noch mehr von dir erfahren, wie du es schaffst, da wieder raus zu kommen…diese Meditations- und Stabilisationsübungen sind nicht so für mich nicht so geeignet! Lieber Gruß H.

Hallo,

was mir am besten hilft ist die Mischung aus einer Vermeidung der Aulöser und die Entkatastrophisierung. Bedeutet, dass ich mich sehr genau kennengelernt und beobachtet habe, sodass ich weiß was viele dieser negativen Gedanken auslöst. Die Entkatastrophisierung ist nicht für jeden geeignet. Es gilt hier auszuprobieren. Bei der Entkatastrophisierung macht man quasi einen Realitätscheck. Zum besseren Verständnis mal ein Beispiel; Gehen wir mal davon aus, dass du sehr starke Zukunftsängste hast. Dann würdest du bei der Entkatastrophisierung versuchen, einen Realitätscheck durchzuführen, in dem du deine jetzige Situation analysierts und dich fragst, was im schlimmsten Fall passieren kann. Letzte Antwort wäre, dass es in eine Sozialsicherung gibt. Klar, ist es nicht schön, wenn man darauf angewiesen ist. Aber es ist auch kein Weltuntergang. Zumindest sehe ich das so. Deshalb sage ich auch, jeder muss für sich verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren um das krankhafte Nachdenken zu stoppen. Ich habe vor einigen Tagen einen weiteren Beitrag dazu verfasst, wie es in diesen Situationen in mir aussieht. Hier findest du zwei Beiträge zu dem Thema Selbstzweifel und negative Gedanken.

Hallo Dennis,
Ich leide auch seit Jahren an phasenweise sehr negativen, extrem selbstkritischen Gedanken und teils heftigen Grübeleien und bin seit 2015 auch in einer Gesprächstherapie. Ich habe das Gefühl oft sozial anzuecken und habe auch Angst vor sozialem Kontakt in allen Formen, am schlimmsten natürlich wenn ich mich gerade gar nicht gut fühle. Ich glaube auch, dass kaum jemand in meiner Familie und Bekanntenkreis das weiß und mich mitunter sogar für stark und selbstbewusst hält. Deine Seite hat mir viel Mut gemacht und besonders mit dem Beitrag über Hochsensibilität konnte ich mich identifizieren und er hat mir eine völlig neue Sicht auf meine bisherigen sozialen Probleme gegeben! Ich werde versuchen die ein oder andere Technik zur Bewältigung von Grübel- und Angstattaken anzuwenden. Schön, dass du den Mut zu diesem Blog hattest, gerade jetzt hilft mir das ein wenig in meiner gerade schwierigen Phase!

Hallo Valerie,

ich hoffe die Übungen helfen dir!

LG
Dennis