veröffentlicht am 15. Februar 2016 in Hormone von

Melatonin – Balance zwischen Tag und Nacht

Die Zirbeldrüse (Epiphyse) des Gehirns produziert ein einziges Hormon: Melatonin. Dabei handelt es sich um ein Zwischenprodukt im Tryptophan-Stoffwechsel. Tryptophan ist eine essentielle Aminosäure, die vom Körper nicht selbst gebildet werden kann. Melatonin hat die Aufgabe, den Körper in Einklang mit tages- und jahreszeitlichen Rhythmen zu bringen. Insbesondere der Wechsel zwischen hell und dunkel sind für die Synthese von Melatonin von Bedeutung. Während Licht seine Bildung hemmt, wird sie durch Dunkelheit gefördert. Vermutlich leiten Pigmentzellen und Nerven Informationen über die Lichtverhältnisse aus der Netzhaut des Auges an die Zirbeldrüse, die entsprechend mit einer höheren oder niedrigeren Melatoninsekretion reagiert. Viel Melatonin im Blut sorgt für Müdigkeit und fährt den Stoffwechsel runter. Ebenso besteht ein Zusammenhang zwischen dem Melatoninspiegel und der Bildung von Abwehrstoffen sowie der Aktivität der Sexualorgane. Ist die Melatoninproduktion gestört, kommt es zu Schlafproblemen. Da im Schlaf viele wichtige Prozesse zur Erholung und Regeneration ablaufen, können die Konsequenzen weitreichend sein.

Melatonin und Depression

Zu wenig Schlaf führt dazu, dass die Psyche während der Traumschlafphasen nicht ausreichend zur Ruhe kommt. Ist der Rhythmus der inneren Uhr gestört, so führt das u.a. zu Depressionen. Doch auch wenn zuviel Melatonin produziert wird, können Antriebslosigkeit und Depression die Folgen sein. In Deutschland leiden etwa 10 bis 20 Prozent der Menschen an einer saisonalen depressiven Verstimmung durch Melatoninüberschuss, der durch die lichtarmen Jahreszeiten verursacht wird. Die nicht essentielle Aminosäure Tyrosin wirkt der gedrückten Stimmung entgegen. Sie ist einer der Ausgangsstoffe für den aktivierenden Neurotransmitter Adrenalin und das beruhigende Dopamin. Beide können eine Depression mildern. Tyrosin kommt in fast allen Proteinen vor und kann vom menschlichen Körper selbst produziert werden. Dazu benötigt er aber Phenylalanin, eine essentielle Aminosäure, die zugeführt werden muss. Dies lässt sich mit einer proteinreichen Ernährung sicherstellen. Da bei einem Tyrosin-Mangel vermehrt Anfälligkeiten für eine Depression festgestellt wurden, wird die Aminosäure in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zur Linderung angeboten. In der Tat hellt Tyrosin die Stimmung auf und unterstützt bei der Bewältigung von Stresssituationen. Da es sich um eine natürliche Aminosäure handelt, besteht eine nur geringe Gefahr der Überdosierung. Dennoch ist das richtige Maß, angepasst an die jeweilige Ursache der Depression, entscheidend. Damit die Zirbeldrüse Melatonin bilden kann, benötigt sie die essentielle Aminosäure Tryptophan. Deren Aufnahme im Gehirn wird durch eine zu hohe Konzentration von Tyrosin gehemmt. Da der Körper auch leicht selbst aus der Nahrung Tyrosin produzieren kann, sollte die Aminosäure nur dann zusätzlich eingenommen werden, wenn ein Tyrosinmangel sicher festgestellt wurde.

Ernährung unter der Lupe

Bevor in den empfindlichen Hormonhaushalt des Melatonin eingegriffen wird, empfiehlt es sich, Alternativen zu probieren. Diese liegen vor allem im Lebenswandel und den Ernährungsgewohnheiten. Damit Melatonin im gesunden Rahmen synthetisiert wird, sind Spaziergänge bei Tageslicht (auch an grauen, trüben Tagen) hilfreich. Gegen einen Mangel des Schlafhormons wirkt das Abschalten und Zubettgehen bei Einbruch der Dunkelheit. Für die ausgewogene Melatoninherstellung eignen sich Lebensmittel, die Tryptophan enthalten, z.B. Milchprodukte, Eier, Bananen, Walnüsse oder Hühnchenfleisch. Tyrosin zur hemmenden Wirkung auf die Melatoninproduktion sind z.B. Kalbfleisch, Fisch, Hülsenfrüchte, Mandeln oder Erdnüsse.


Kommentar schreiben


Noch keine Kommentare