veröffentlicht am 28. April 2017 in Infos für Angehörige von

Informationen für Angehörige von Menschen mit Depressionen

Unsere erste Reaktion auf Menschen, die unter Depressionen leiden oder sich mit Suizidgedanken tragen, ist die, zu versuchen, ihnen zu helfen. Dabei geben wir gute Ratschläge, erzählen ihnen von unseren eigenen Erfahrungen und bemühen uns, Lösungen zu finden.

Wir täten jedoch weitaus besser daran, ihnen erstmal einfach nur zuzuhören.

Im Folgenden sind einige Hinweise, die wir nicht vergessen sollten, wenn wir suizidgefährdeten Menschen wirklich helfen wollen.

Wie kann ich einem suizidgefährdeten Freund helfen?

 

» Zuhören, Zuhören, Zuhören und dabei Geduld und Verständnis zeigen.

 

» Frag nach konkreten Suizidgedanken (wie, wo, wann?).

 

» Verurteile Deine Freundin oder Deinen Freund nicht für den Wunsch,

sich umbringen zu wollen und spiele es nicht herunter. Nimm es ernst!

 

» Bedenke, dass ein Problem, mit dem Du gut zurecht kommst,

bei einem anderen Menschen zum Suizid führen kann. Nimm es ernst!

 

» Mache weitere Gesprächsangebote, aber nur, wenn Du sie einhalten kannst.

 

» Überlege Dir in Ruhe weitere Schritte. Bleibe mit der Suizidabsicht, von der Du

gehört hast, nicht allein. Suche Dir Ansprechpartner wie Eltern, Lehrer oder Beratungsstellen.

 

» Begleite Deine Freundin oder Deinen Freund auf dem Weg zum Gespräch.

 

Leider können manche Selbsttötungen nicht verhindert werden, weil die Absichten nicht erkennbar waren. Mache Dir keine Vorwürfe deswegen.

Was möchten suizidgefährdete Menschen nicht?

 

» Allein sein.

Ablehnung kann ein Problem oftmals zehnfach so schlimm erscheinen lassen.

Einen anderen an seiner Seite zu wissen, der einfach da ist, gibt der Sache

hingegen ein ganz anderes Gesicht.

Einfach nur zuhören.


» Gute Ratschläge erhalten.

Belehrungen sind keine Hilfe. Genauso wenig wie der Zuspruch ‚Kopf hoch‘

oder Deine leichtfertige Versicherung, dass ‚alles wieder gut werden wird‘.

Vermeide es, zu analysieren, zu vergleichen, zu kategorisieren oder zu

kritisieren.
   Einfach nur zuhören.


» Ausgefragt werden.

Wechsel nicht das Thema, bemitleide nicht und wirke nicht herablassend. Über    Gefühle zu sprechen ist nicht leicht. Menschen mit Selbstmordgedanken
möchten weder gedrängt, noch in die Defensive versetzt werden.
   Einfach nur zuhören.


Lebensmüde Menschen suchen nicht nach Antworten oder Lösungen. Sie sehnen sich nach einem sicheren Ort, an dem sie ihre Ängste und Sorgen zum Ausdruck bringen, sie selbst sein können. Zuzuhören – wirklich zuzuhören – ist nicht einfach. Wir müssen uns zusammennehmen, nicht gleich mit einer Antwort zu entgegenen – einen Kommentar abzugeben, nicht selbst gleich drauf los zu reden, eine Geschichte zu erzählen oder Rat zu erteilen. Wir müssen nicht nur auf die Fakten reagieren, die wir von dem Betroffenen hören, sondern auch auf seine Gefühle oder Gefühlswelt. Wir müssen lernen, die Dinge aus der Perspektive unseres Gegenüber zu sehen, nicht aus unserer eigenen.

 

Quelle: befrienders (http://www.befrienders.org/deutsch)

 

Auf der Website von „Freunde fürs Leben e. V.“ (www.frnd.de) gibt es weitere Informationen sowie Kontakte zu diversen Beratungsstellen und Hilfsangeboten für Menschen mit Depressionen sowie deren Angehörige.

 

Außerdem findet Ihr auf www.frnd.tv den ersten Web-TV-Kanal zum Thema „Seelische Gesundheit“. Auf ihm veröffentlicht der Verein verschiedene Video-Formate, darunter „Bar-TALK mit Markus Kavka“, „Vicky will’s wissen“ oder „Laut gedacht“, in denen unter anderem prominente Unterstützer des Vereins wie Simone Hanselmann oder Klaas Heufer-Umlauf über persönliche Erfahrungen mit seelischen Krisen sprechen.


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