veröffentlicht am 17. März 2016 in Depression und Angststörung, Infos für Angehörige von

Höchsensibilität – Gabe oder Fluch

Jedes Kind wird hochsensibel geboren. Ein Blick in die Augen eines Säuglings genügt, um sich davon berühren zu lassen. Doch im Laufe der Jahre wird diese ursprüngliche Empfindsamkeit verdrängt. Kinder werden täglich darauf orientiert, ihre Wahrnehmungsfähigkeit auf die äußere Umwelt zu konzentrieren, sodass ihnen immer mehr das Gefühl für die innen wirkenden Impulse verloren geht.

Mittlerweile wird Hochsensibilität beinahe als Krankheit gehandelt. Was von der Natur als normale Empfindungsfähigkeit in den Menschen gelegt wurde, ist in unserer Gesellschaft unerwünscht. Eigenschaften wie Mitgefühl, Toleranz, oder stille Aufmerksamkeit haben in einer Umwelt, in der der Stärkere überlebt, keinen Platz. Deshalb haben viele Menschen, denen die natürliche Gabe der Hochsensibilität ein Stück weit erhalten geblieben ist, im alltäglichen Leben große Probleme. Sie drängen nicht aggressiv an die Spitze, sondern gehen eher einen Schritt zurück. Sie schenken anderen Zeit und Aufmerksamkeit, ohne etwas zu fordern. Für sie ist diese Welt oft zu laut und lärmerfüllt und sie brauchen viel Zeit für sich und innere Reflektion, die ihnen der Alltag nicht gibt.

 

Hochsensibilität im Alltag und der Beziehung

Menschen, die über ein hohes Maß an Empfindsamkeit verfügen, fühlen sich auch in Partnerschaften meist mißverstanden und ungeliebt. Sie haben ein enormes Gespür für richtige und falsche Werte und scheitern damit an der Leistungsorientiertheit der Gesellschaft, die nicht nach positiven Werten oder Hochsensibilität fragt. Für diese Menschen ist es selbstverständlich, andere respektvoll und sanft zu behandeln und nichts zu fordern, was diese nicht freiwillig geben wollen. Da sie mit dieser inneren Struktur bevorzugt entgegengesetzt gerichtete Charaktere anziehen, finden sie sich oft in Beziehungen wieder, die von Dominanz geprägt sind und sie seelisch erfrieren lassen. Sie sind die “Träumer” in der Schulklasse und der belächelte Idealist im Erwachsenenalter. Der Mensch, der das Gute bewirken will. Jemand, der mehr als andere die alltäglichen kleinen Ungerechtigkeiten empfindet, sich innerlich daran aufreibt und durch seine Hochsensibilität meist unverstanden alleine dasteht.

Sensible Menschen sind großartige Führungspersönlichkeiten, wenn sie den Mut entwickeln, in die erste Reihe zu treten, in der sie naturgegeben nicht gerne stehen. Doch gerade sie gehen auf die Nöte der Menschen ein, nehmen jeden einzelnen Menschen ernst und handeln nie aus Leistungs- oder Nutzungsorientiertheit. Schaffen sie es hingegen nicht, die Stärke dieser Ausdrucksfähigkeit zu entwickeln, gehören sie zu den ersten, die depressive Symptome entwickeln. Denn im Gegensatz zu den Menschen, die sich “ein dickes Fell” wachsen lassen, werden Menschen mit Hochsensibilität nie in der Lage sein, dieses ursprüngliche, innere Gerechtigkeitsempfinden abzustellen. Ein dauerhaftes Leben zwischen äußeren Erwartungen und entgegengesetzten inneren Impulsen führt dann zu einer Zerrissenheit, die nicht selten in Suizidabsichten oder einer Depression endet und unter Medikamente gestellt werden muss. Die Schwierigkeiten liegen für die Betreffenden in einer Umwelt begründet, für die Liebe nur ein inhaltsloses Wort ist, während es für sensible Menschen den eigentlichen Sinn des Lebens darstellt.


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