veröffentlicht am 1. Juni 2013 in Grübeln / Zwangsgedanken / krankhaftes nachdenken, Meine Gedichte von

Wenn ich mich mit nicht betroffenen Menschen über die Themen Depression und Grübelattacken austausche, erkenne ich immer wieder, dass es für Außenstehende enorm schwierig, wenn nicht sogar unmöglich ist, die Gedanken und Gefühle der Betroffenen nachzuvollziehen. Daher versuche ich in meinen Gedichten, nicht betroffenen Menschen Einblicke in die Gefühle und Gedankengänge depressiver Menschen zu geben. In diesem Gedicht gehe ich auf die Grübelattacken ein. Grübelattacken sind häufige Begleiterscheinungen bei einer Depression und Angststörung.

Grübelattacken kommen und gehen,
kein Außenstehender kann sie verstehen.
Gedanken kreisen hin und her,
positiv denken geht nicht mehr.
Der Kreislauf beginnt, man kommt nicht mehr raus,
der Kopf ist voll, man hält es kaum aus.
Jede Sekunde denken wir dran,
was noch alles passieren kann.

Außenstehende bemerken nichts von dem,
sie können es nicht spüren und auch nicht seh’n.
Für sie ist alles gut, es scheint normal,
für uns hingegen ist es ’ne Qual.
Sie bekommen es nicht mit, wie unsere Gedanken rotieren,
sie können nicht fühlen, wie unsere Nerven vibrieren.
Wir können es ihnen auch nicht erklären,
es würde die Sache nur unnötig erschweren.

Hingegen grübeln die Gedanken weiter,
wir werden schlapp, sind nicht mehr heiter.
Es ist, als würden uns die Gedanken besiegen,
ein Gefühl als würden wir am Boden liegen.
Wir dramatisieren, der Druck steigt an,
wir drehen uns im Kreis, kommen nicht voran.

Von all dem bekommen Außenstehende nichts mit,
sie ahnen nichts von unserem gedanklichen Ritt.
Wir befinden uns in unterschiedlichen Welten,
in denen völlig andere Gesetze gelten.
Es scheint verworren, schwer zu beschreiben,
ihr könnt es einfach nicht erkennen, wenn wir leiden.

Dennis Will


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2 Kommentare

lieber dennis,

ich kann es kaum glauben, aber endlich jemand, der mich verstehen könnte.
In meinen Leben läuft so vieles schief und ich kann einfach nicht mehr.
Stets und ständig grübel ich, mein Hauptthema: meine Schwiegermutter !!!
Nächte lang liege ich wach und denke nach, plane, organisiere und am liebsten würde ich gleich aufstehen um alles niet und nagel fest zu machen.
Wutattaken, Weinkrämpfe, Schreianfälle und totale Hilflosigkeit, ich erkenne mich nicht wieder und habe immer mehr das Gefühl, die Kontrolle über mich und meinen Körper zu verlieren. Mein Mann hat kein Verständnis für mich, er sagt es zwar, aber ich habe das Gefühl nicht ernst genommen zu werden, dies belastet mich nochmehr.

Ich würde mich freuen, wenn wir vielleicht in Kontakt treten würden, ich würde mich freuen.

Viele liebe Grüße

Eine Leidensgenossin

Ich finde es perfekt in Worte gefasst. Unglaublich.