veröffentlicht am 8. Dezember 2016 in Grübeln / Zwangsgedanken / krankhaftes nachdenken von

Gedankenstopp Technik

Die Übung Gedankenstopp wird in der Verhaltenstherapie angewendet. Ihren Ursprung fand sie in den 1950 er Jahren. Ziel ist es die negative Gedankenkette, auch als Grübelzwang oder Zwangsgedanken bekannt, zu unterbrechen. Wie die Übung genau abläuft und welche Erfahrungen ich mit dieser Übung gemacht habe, werde ich euch nun beschreiben.

Wie funktioniert die Technik Gedankenstopp

Die Technik ist kein Hexenwerk. Eigentlich funktioniert die Ausführung sehr einfach. Häufig wird die Übung das erste Mal in der Psychotherapie angewendet und somit während der ersten Zeit vom Therapeuten begleitet. Das Ziel der Technik ist, die Gedanken des Betroffenen zu stoppen und somit den quälenden und abschirmenden Gedankenkreislauf zu durchbrechen.

Gedankenstopp TechnikWährend der ersten Male trifft der Therapeut in der Sitzung die Aussage „Stopp“! Diese Aussage bzw. Anweisung wird laut ausgesprochen. Ab dem Moment indem der Psychotherapeut das „Stopp“ ausspricht, soll der Patient seine Gedankenspirale verlassen. Die Gedanken sollen stehen bleiben. Wichtiger Bestandteil dieser Übung ist die Schreckreaktion, die durch das laut ausgesprochene „Stopp“ zustande kommt. Diese ist ein wesentlicher Bestandteil der Übung, der es dem Betroffenen ermöglichen soll den Gedankenstopp durchzuführen. Nach ein paar Trainingseinheiten spricht der Patient das „Stopp“ selbst aus.

Ist der Betroffene mit der Gedankenstopp Technik vertraut und etwas weiter Fortgeschritten, kann er die Übung etwas abgewandelt werden. Es ist dann nicht mehr notwendig das „Stopp“ auszusprechen. Stattdessen kann der Betroffene das „Stopp“ gedanklich vollziehen.

Meine Erfahrungen mit dem Gedankenstopp Technik

Ich habe diese Technik während meiner Zeit in der Tagesklinik kennengelernt. Leider musste ich für mich feststellen, dass mir diese Übung nicht den gewünschten Erfolg brachte. Ich könnte meine Gedanken mit Hilfe der Übung einfach nicht stoppen. Andere Patienten hingegen konnten damit sehr gute Erfolge erzielen. Deshalb sollte jeder diese Technik ausprobieren. Schließlich traf ich den Entschluss die Technik Gedankenstopp nicht weiter anzuwenden.

Wie habe ich es geschafft meine negativen Gedanken loszuwerden

Ich fühlte irgendwie, dass es bei mir anderen Dingen bedarf um meine Grübelei und negativen Gedanken loszuwerden. Also begab ich mich auf einen Weg, auf dem ich viele Übungen ausprobierte. Ich erkundigte mich über verschiedene Übungen zur Stabilisierung der Psyche, Achtsamkeitstraining, Affirmationen usw. Einige Dinge die ich testete brachten mir genau wie die Gedankenstopp Technik, rein gar nichts. Andere Übungen hingegen zeigten nach etwas längerer Zeit Wirkung. Dieser Weg dauerte gefühlt eine Ewigkeit. Solltest du mehr darüber erfahren wollen, schau dir mein „E-book depressiv leben – lerne zu verstehen“ an.

Mittlerweile kann ich behaupten, dass ich mich ganz gut mit dem Thema negativen Gedanken und Grübelzwang auskenne. Ich habe eine für mich, und ich glaube auch für andere, sehr effektive Strategie entwickelt. Diese besteht aus Achtsamkeitstraining und weiteren Techniken. Solltest du Interesse daran haben, schau dir mein demnächst erscheinendes E-book „Grübeln stoppen – Raus aus der Depression“ an. Darin erkläre ich Schritt für Schritt welche Übungen und diese so wichtig sind.

Quelle Foto: Fotolia © Stuart Miles

 


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Ein Kommentar

Hi Dennis,

ich kann Dir nur beipflichten und alle anderen Mitleidenden und Mitbetroffenen ebenfalls beruhigen:
Wenn man an sich arbeitet und die Dinge mit mehr Ruhe angeht, läßt sich in jedem Fall mit Zeit und Geduld eine deutliche Besserung herbeiführen. 100% garantiert.

Bei mir funktioniert der Gedankenstopp – also das einfache Wort „Stopp!“ – für sich allein auch nicht. Aber: Er funktioniert, wenn ich ihm direkt danach relativierende und beruhigende Gedanken folgen lasse. Etwa so: „Stopp!! … Ruhig bleiben! Es ist alles ok, mach Dich nicht kirre. Das sind die falschen Gedanken, so stimmt das alles nicht. Wenn ich ehrlich bin, ist es doch eher so und so. Also… immer mit der Ruhe. Erstmal tief durchatmen, und dann beschäftige ich mit etwas anderem. Nur die Ruhe.“ Mit einer solchen Kette bekomme ich das negative Grübeln in der Regel recht wirkungsvoll gestoppt. Danach konzentriere ich mich dann ganz bewußt auf etwas angenehmes – vor allem Gedanken an meine Frau und meinen Sohn helfen da sehr gut – gerade, mir die regelmäßige Freude und das Lachen meines Sohnes in Erinnerung zu rufen; wie er sich freut, wenn er mich sieht und etwas mit mir unternehmen kann – das ist der wirkungsvollste und manchmal auch der einzige Balsam, den es für mich gibt.

Die Sache mit dem Gedankenstopp ist meiner Meinung und Erfahrung nach die, daß man eben in der Tat eine darauf aufsetzende, positivere Gedankenstrategie entwickeln muß, individuell und persönlich auf die eigene Person abgestimmt. Es sollte für den Anfang in der Übungszeit auch immer das gleiche „Programm“ sein – also eben immer die Familie, immer das eine bestimmte Hobby, immer die eine glückliche Erinnerung – eben das, was einen individuell am glücklichsten macht und am besten beruhigen kann. Das kann aber nur jeder für sich selbst herausfinden und austesten – bei wem gerade Gedanken an die Familie Streß auslösen, für den ist das Programm „Familie“ sicherlich nicht ideal, um auf andere Gedanken zu kommen 😉
Mit fortschreitender Übung gelingt es dann irgendwann auch, in andere „Positiv-Programme zu zappen“ – wobei man sein Standard-Programm bis dahin gut und zuverlässig geübt haben sollte. Damit hat man dann immer ein funktionierendes Sicherheitsnetz.

Einfach nur „Stopp!“ zu sagen oder zu denken, ohne zu wissen, was man danach nun denken soll, hilft (mir) in der Tat also (auch) nicht – ohne „Plan“ verselbständigen sich die Gedanken sonst ganz schnell wieder in Richtung Grübeln.

LG,
Alex