veröffentlicht am 30. Dezember 2013 in Depression und Angststörung, Grübeln / Zwangsgedanken / krankhaftes nachdenken von

Gedankenkarussell – wenn die Fahrt beginnt

Gedankenkarussell – nimmt es erst einmal Fahrt auf, ist es schwer, die Gedanken wieder einzufangen. Warum? Weil der Kopf einfach nicht mehr still steht. Man überlegt und durchdenkt alles. Unsere Gedanken fangen an sich zu drehen. Häufig ist es so, dass unsere Gedanken sich mit zunehmender Dauer schneller und schneller drehen. Dann ist unser Gedankenkarussell richtig in Fahrt.

Gedankenkarussell, was ist das?

Mit diesem Ausdruck werden die kreisenden Gedanken beschrieben. Es gibt verschiedene Bezeichnungen dafür, einige sagen Grübelzwang, andere nennen es Grübelattacken oder krankhaftes Nachdenken. Gedankenkarussell trifft es deswegen so gut, weil sich die Gedanken oft auch im Kreis drehen. Jemand der in so einer Situation ist, hat meist negative Gedanken und durchdenkt ein zukünftiges oder vergangenes Ereignis. Häufig verselbstständigen sich die Gedankenstrudel dabei, sodass Betroffene oft nicht mehr in der Lage sind diese zu stoppen. Nicht selten werden diese Gedanken dramatisiert, indem der Betroffene immer vom Schlimmsten ausgeht.

Grübeln stoppen - Raus aus der Depression
Seit diesem Beitrag sind über drei Jahre vergangen. Drei Jahre in denen ich es geschafft habe mein Gedankenkarussell, die krankhaften Gedanken und die Symptome meiner Depression auf ein Minimum zu reduzieren. Meine Erfahrungen und Vorgehensweise schreibe ich in diesem E-book. Alles was ich darin aufführe hat bei mir funktioniert. Schau dir einfach mal an, wie ich es geschafft habe.

Wie beginnt das Gedankenkarussell?

Dies ist von Typ zu Typ unterschiedlich. Bei einigen reicht ein vermeintlich kleiner Anlass. Meistens beginnt ein solcher Prozess schleichend. Es kann zum Beispiel sein, dass uns in unserem Alltag etwas nicht Vorhergesehenes oder ein nicht eingeplantes Ereignis überrascht. Dies können ganz unterschiedliche Dinge wie eingehende Rechnungen, eine kaputte Waschmaschine oder ein Spruch eines Kollegen sein. Wird man mit der Situation konfrontiert, beginnt man automatisch darüber nachzudenken. Anfangs noch ganz normal. Doch langsam realisiert man was geschehen ist und fragt sich, wie soll ich das jetzt bewältigen? Genau an diesem Punkt nimmt das Gedankenkarussell Fahrt auf.

Schleichend und langsam beginnt ein Kreislauf, in dem sich unsere Gedanken immer schneller zu drehen beginnen. Teilweise kann das Gedankenkarussell ein sehr extremes Ausmaß annehmen. Betroffene durchdenken jede Möglichkeit, die eintreffen könnte. Dabei wird meistens von dem Schlechtesten ausgegangen. Befindet man sich erstmal in diesem Kreislauf, kommt die Angst wie von alleine dazu. Fragen wie, wie soll ich das bezahlen, hat der Kollege etwas gegen mich, reden andere hinter meinem Rücken, was passiert als nächstes, werden immer wieder von vorne durchdacht. Für Außenstehende erscheint es absurd, doch es ist wie ein Zwang alles immer wieder zu durchdenken. Es quält einen, trotzdem kann man damit nicht aufhören. Dreht sich das Gedankenkarussell erst einmal, ergreifen die Gedanken Besitz über den Körper.

Gedankenkarussell und die Folgen

Dadurch, dass wir während dieses quälenden Prozesses unter einer enormen Anspannung stehen und die Angst in uns immer größer wird, ist der Körper und unsere Seele gestresst. Dies kann zur Folge haben, dass wir zu schwitzen beginnen, uns zurückziehen, Angst- oder Panikattacken bekommen, rapide an Gewicht verlieren, Herzrasen bekommen und vieles mehr. Dass dies alles für das Wohlbefinden und den Körper nicht gut ist, brauche ich wohl nicht mehr betonen. Die Gedanken können uns in den Wahnsinn treiben.

Kann man das Gedankenkarussell ausstellen?

Meine Erfahrungen zeigen, dass es für mich sehr schwierig ist, den Gedanken zu entrinnen, wenn diese erst einmal begonnen haben. Ich versuche es immer wieder den Kreislauf zu durchbrechen, jedoch gibt es für mich keine Garantie das ich es schaffe. Was mir gut dabei hilft ist die Entkatastrophisierung. So versuche ich mir die negativen Gedanken kleinzureden. Damit habe ich schon öfters gute Erfolge erzielt, jedoch sollte man genau aufpassen wann man diese Methode anwendet. Denn in einigen Fällen, kann die Methode der Entkatastrophisierung das Gegenteil bewirken.

Trotzdem muss es doch einen Weg geben, das Gedankenkarussell zu stoppen?

Wie gesagt, hat das Gedankenkarussell erst einmal Fahrt aufgenommen, wird es schwer dies zu stoppen. Ich habe bei mir festgestellt, dass es für mich sehr wichtig ist, diesen anfangs schleichenden Prozess frühzeitig zu erkennen. Gelingt mir das, kann ich rechtzeitig versuchen dagegen zu steuern. Einige Möglichkeiten des Gegensteuerns wären: Ablenkung, Affirmationen, Entspannungstechniken und Stabilisierungsmaßnahmen. Zur frühzeitigen Erkennung eines entstehenden Gedankenkarussells können Achtsamkeitsübungen helfen. Zumindest haben diese Übungen mir dabei geholfen.

Ich hoffe ich habe euch den Begriff Gedankenkarussell näher gebracht und euch ein paar hilfreiche Tipps erörtern können. Wenn ihr andere Ideen zu diesem Beitrag habt oder ihr ein anderes Anliegen habt, würde ich mich freuen, wenn ihr über die Kommentarfunktion unter diesem Beitrag einen Kommentar hinterlasst.


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5 Kommentare

Ich kenne dieses Karussell zu gut. Die „Was wäre wenn …“ – Frage taucht immer noch oft genug auf, aber ich sehe sie nicht mehr so dramatisch. Da ich von je her ein Mensch bin, der immer einen Plan B in der Tasche haben möchte und nicht ungeplant durchs Leben rennt. Trotzdem können die kleinsten Vorkommnisse die Laune ins extreme Negativ drehen. Ich finde es wichtig, mich immer auf das Hier und Jetzt zu besinnen. Unterbrechen ist nicht immer möglich, aber ich kann mich selbst hinterfragen: „Warum denke ich gerade so negativ? Ist das Gefühl jetzt notwendig? Was kann ich für mich tun, damit es mir besser geht?“ Oft hilft es, dass ich eine andere Sicht der Dinge bekomme, aber halt nicht immer. Muss es auch nicht. Manchmal ist das Karussell – sofern es nicht in einer Panikattacke oder so endet – auch hilfreich. Es kann mir zeigen, ob ich Fortschritte gemacht habe und ob ich den richtigen Weg gehe. Verteufeln wir es nicht, sondern nehmen es als gegeben an.

Sehr guter Ansatz!
Dennis

Die Gedanken-Kreisel sind mehr als nur nervig – weil sie einen zu völliger Passivität nötigen können. DAS Mittel, um die Kreisel anzuhalten gibt es leider nicht – das ist sehr Individuell.
Am einfachsten ist es, wenn man es schafft, den (beginnenden) Kreisel zu erkennen, bevor er richtig Fahrt aufnimmt. Dann kann es reichen, sich ein paar Positive Gedanken zu machen, sich irgendwo mit zu beschäftigen oder ähnliches.
Wenn er so richtig in Fahrt ist können durchaus stärkere Reize nötig sein – Massagebälle kneten, Schlüssel umklammern, Tabasco … da muss leider jeder seinen eigenen Königsweg finden.
Mir hatte meine Schwester eine Ampulle Ammoniak gegeben – im Bedarfsfall schütteln, Aufdrehen und Tief Luft holen. Selbige bleibt einem dann zwar kurz weg – aber die Spirale ist durchbrochen (und man hat eine schön freie Nase 🙂 ). Gebraucht habe ich sie kaum – wenn ich die Ampulle dabei hatte. Alleine das Wissen, das man denn könnte, wenn man wollte kann auch schon beruhigend wirken.

Ja, auf diesem Karussel fahre ich auch heute, wo ich als „geheilt“ (was auch immer das bedeuten mag) gelte, immer noch regelmäßig. Im Unterschied zu früher dreht es sich lediglich weniger schnell und ich finde immer häufiger den Absprung. Das ist wohl das große Verdienst meiner Therapeutin.

Hallo Herr O.
Ich bin zufällig auf diese Seite gestoßen und bei deinem Kommentar hängengeblieben. Ich gelte auch alls Geheilt, nur zur Zeit beginne ich wider in allte Muster zu verfallen…..meine Größte Angst besteht darin das ich wider komplett ins alte Muster gehe und es mir nur wider schlecht geht. Veränderung tut mir garnicht gut und mein größtes Problem ist das ich mich dann extrem an meinen Partner klammer und jedes Verhalten von Ihm interpretiere. Ich versuche auch gerade wider da raus zu kommen und weiß ja das ich was an mir machen muss und das werkzeug von was meine Therapeutin mir an die Hand gegeben hat versuche ich zu nutzen nur es ist so mühselig man will doch einfach nur Glücklich sein. Ich habe noch nie in ein solches Forum geschrieben aber alls ich Dein Kommentar gelesen haben musste ich das mal loswerden.