veröffentlicht am 24. März 2015 in Rechtliches von

Erwerbsminderungsrente bei Depressionen auf dem Spitzenplatz

Depressionen sind auf dem Vormarsch. Weltweit leiden laut WHO 121 Millionen Menschen an dieser Seelenkrankheit. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie schätzt die Wahrscheinlichkeit, im Verlauf des Lebens an Depressionen zu erkranken, auf 16 bis 20 Prozent. In Deutschland müssen derzeit rund drei Millionen Menschen mit der Diagnose Depression leben. Die Krankenkassen weisen darauf hin, dass sich zwischen 2000 und 2010 die depressionsbedingten Krankenhauseinweisungen verdoppelt haben. Laut Techniker Krankenkasse geht jeder fünfzehnte Krankheitsunfähigkeitstag auf das Konto von Depressionen. Unter den Gründen einer Erwerbsminderungsrente liegen die depressiven Erkrankungen auf dem einsamen Spitzenplatz: ca. 37 Prozent aller Erwerbsminderungs-Berentungen werden aufgrund von Depressionen gewährt.

 

Was ist eine Erwerbsminderungsrente und wer erhält sie?

Die Teilnahme am Erwerbsleben erfordert volle Gesundheit und Belastbarkeit. Menschen, die an chronischen körperlichen oder seelischen Krankheiten leiden, sind den Anforderungen des Berufsalltags häufig nicht mehr gewachsen. Ihr Lebensunterhalt kann in diesem Fall durch die Erwerbsminderungsrente abgesichert werden. Diese Rente wird auf der Rechtsgrundlage des § 435 SGB III gewährt, wenn der Antragsteller bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Zum einen darf er noch nicht die Regel-Altersrentenzeit erreicht haben. Zweitens muss sichergestellt sein, dass die Erwerbsfähigkeit durch Reha-Maßnahme nicht wiederhergestellt werden kann. War der Antragsteller wenigstens fünf Jahre rentenversichert (dazu zählen auch Beiträge aus Arbeitslosengeld I und Krankengeld), hat er die Anwartschaft für die Erwerbsminderungs-Berentung erfüllt. Außerdem müssen in den letzten fünf Rentenversicherungsjahren wenigstens drei Jahre lang Pflichtbeiträge gezahlt worden sein. Unterschieden wird zwischen vollen und halben Rentenleistungen. Menschen, die eine Erwerbsminderungsrente bei Depressionen beantragen und durch ein Gutachten nachweisen, dass sie auf unabsehbare Zeit höchstens drei Stunden täglich arbeiten können, erhalten die volle Rente. Wer zwischen drei und sechs Stunden täglich einer Arbeit nachgehen kann, bekommt die halbe Rentenleistung zur Ergänzung seines Lebensunterhaltes. Sollte dieser Personenkreis arbeitslos werden, kann die volle Rentenleistung gewährt werden.

 

Wie sieht das Antragsverfahren für eine Erwerbsminderungsrente aus?

Generell gilt für die Erwerbsminderungsrente bei Depressionen: Reha vor Rente. Ein Anspruch auf eine Erwerbsminderungs-Berentung kann nur durchgesetzt werden, wenn eine therapeutische Beeinflussung der chronischen Depressionen nachweislich aussichtslos ist. Das Antragsverfahren muss gut vorbereitet werden, indem eine lückenlose, nachvollziehbare Krankengeschichte ausgearbeitet wird und für Dokumentation durch Atteste, Kranken- und Reha-Entlassungsberichte und Gutachten gesorgt wird. Gerade wenn Antragsunterlagen nicht vollständig sind, kann sich das Antragsverfahren bei der Rentenkasse zermürbend in die Länge ziehen. Ein kompetenter Rechtsbeistand ist in allen Fällen Gold wert. Die Gutachter der Rentenkassen lehnen noch immer über die Hälfte der Antragsteller auf Erwerbsminderungsrente ab, mit der Begründung, der Antragsteller könne mehr als sechs Stunden täglich arbeiten. In diesen Fällen lohnt sich auf jeden Fall ein Widerspruch, dessen Erfolgsquote bei 30 Prozent liegt. Erwerbsminderungsrente bei Depressionen wird von richterlicher Seite meist in voller Höhe gewährt, wenn ein lückenloser medizinischer Nachweis der Therapieresistenz dieser chronischen Krankheit vorliegt.


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