veröffentlicht am 1. Oktober 2013 in Erfahrungsberichte Depression von

Meine erste depressive Phase liegt nun einige Jahre zurück. Eine Zeit, in der alle Gefühle weitestgehend weg waren; eine Zeit der Leere, der Hoffnungslosigkeit. Auf einen Millionengewinn hätte ich genauso reagiert, wie auf eine schreckliche Tragödie. Mein Umfeld reagierte weitestgehend mit Unverständnis. “Höre auf durchzuhängen”, etc.. Das alles ist sehr ermattend für einen.

Man weiss ja selbst, dass mit einem etwas nicht stimmt. Man weiss dass das Gefühlsleben in einem verborgen ist, nur der Schlüssel fehlt. Sehr düstere Gedanken (,auf die ich nicht näher eingehen will,) plagten mich. Zuerst versuchte ich mit Alkohol da raus zu kommen. Gab diesen Weg allerdings nach einiger Zeit wieder auf. Ich war nur noch müde, fand aber keinen Schlaf. Eine absolute innere Anspannung plagte mich, Gedanken (finstere) plagten mich. Angstzustände kann man auch sagen. Und dann so dämliche Sprüche wie “Wenn die ein Gedanke plagt, dann denke ihm weg”, o.ä.. So etwas bescheuertes! Wohin denn wegdenken. De facto wurde es immer schlimmer. Ich begann mich selbst zu verletzen, um irgendwas zu spüren (allerdings immer an Stellen, die von Kleidung gut versteckt werden können, nie an den Unterarmen). Viele Freunde wendeten sich ab, mit mir war überhaupt nichts mehr anzufangen. Genaugenommen weiss ich nicht mehr, ob ich überhaupt noch einen Freund in der Phase hatte. Vieles liegt heute hinter Schleiern.

Schließlich überredete mich meine Familie einen Therapeuten aufzusuchen. Durch eine sogenannte Notfallsprechstunde kam ich ad hoc einen Termin. Der Mensch befand, dass ich einfach faul war und keine Verantwortung übernehmen wolle, da ich ihm erzählte, dass ich gerade (nebenbei) an meiner Staatsarbeit verzweifele. Das war bei aller Gefühllosigkeit dann doch noch ein Schlag ins Gesicht. Ich irrte tagelang, monatelang umher im bitterkalten Winter, ruhelose, gehetzt und trotzdem antriebslos, was nach einem ziemlichen Paradox klingt, aber anders kann ich es nicht umschreiben. Ich war teilweise arg erfroren, was mir aber nichts machte. Lange Zeiträume kann ich gar nicht mehr beschreiben. Die Erinnerung fehlt mir.

Da mir mit einer Einweisung, seitens meiner Eltern, bei denen ich da noch wohnte, gedroht wurde, beschloss ich noch mal einen Psychiater, Neurologen oder was auch immer aufzusuchen. Die lange Wartezeit war die Hölle. Allerdings hat es sich sehr gelohnt, denn dieser war verständnisvoll und mit Langzeitmedikamenten, ziemlich starken, kam ich wieder zurück ins Leben. Nie werde ich den Augenblick vergessen, indem ich das erste Mal wieder lachte… Heute geht es mir wieder gut, ich bin nicht mehr depressiv, brauche keine Tabletten mehr… Nur die Angst, dass dieser Dreck irgendwann wiederkommt, was ich aus meiner Sicht kein zweites Mal überstehen kann, die bleibt. Auch wenn sie nur ganz tief im Hinterkopf schwebt, diese mich keineswegs beherrscht.

PS: Da ich von einem einzigen Handybildschirm schreibe, auf dem ich immer nur Satzfetzen sehe, bitte ich Rechtschreibung, etc. zu entschuldigen.


Kommentar schreiben


Noch keine Kommentare