veröffentlicht am 16. Juni 2014 in Erfahrungsberichte Depression von

Erfahrungsbericht von Sabine

Letztes Jahr hab ich meine Ausbildung zur Friseurin abgeschlossen. Danach war ich erstmal arbeitslos. Dann ging es bergab. Ich kam frühs nicht mehr aus dem Bett, habe grundlos geweint. Hatte keinen Sinn mehr im Leben gesehen. Zur erst dachte ich es ist mal wieder ein Down was weg geht. Doch es ging nicht weg. Dazu muss ich sagen das ich schon immer sehr pessimistisch und depressiv eingestellt bin. Meine Kindheit und Jugend war nicht einfach. Meine Mutter war alleinerziehend. Ich bin eins von fünf kindern. Mein Bruder ist damals an Kindstod gestorben und ab da hatte meine Mutter ein Alkohol/Drogen Problem. Ich war schnell auf mich allein gestellt und hab dazu meine Geschwister aufziehen müssen da meine Mutter oftmals nicht in der Lage war. Nach der Ausbildung waren meine Geschwister alt genug, ich hatte keinen job mehr, wofür ich mich hätte zusammen reißen müssen. Deswegen wahrscheinlich der Zusammenbruch. Ich bin nach etwa drei Monaten zum Arzt. Meine Hausärztin ist sehr gut. Verschrieb mir pflanzliche Antidepressiva und gab mir ein Rezept für eine Psychotherapie. Da ich erstmal nicht wusste wo ich mich hinwenden sollte fragte ich an der Rezeption ob sie mir jemanden empfehlen könnten. Sie gaben mir eine Klinik wo ich sofort anrufte und ich erstmal eine kurze Info ausfüllte und mich dann vorstellte. Ich war so aufgeregt, wusste nicht was passieren würde. Wollte ja nicht als Psycho abgestempelt werden. Wir redeten, lange sogar. Ich sollte in eine Tagesklinik ambulant. Doch da hätte ich circa 4-6 Monate warten müssen. Durch Zufall war für 8 Wochen einen stationäre Therapie offen.

Doch sollte ich das machen?

Gleich volles Rohr da rein.

Sie sagte ich sollte es mir überlegen. Solche Plätze sind schnell weg und sie sagte ebenfalls ich bräuchte das dringend. Ich hatte fünf Tage, dann musste ich in die Klinik. Ich machte es. Ich wusste, ich brauchte Hilfe und wäre ich nicht dahin hätte, ich mich wahrscheinlich schon längst umgebracht. Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich hab Personen kennen gelernt mit gleichen Problemen, gleichen Schicksalen. Die haben mich verstanden, auch wenn ich down war. Zusätzlich war die Einzeltherapie gut. Konnte viel aufarbeiten und die Therapeutin war perfekt für mich. Ich wollte eigentlich gar nicht gehen. Mit neu eingestellten Tabletten ging ich also wieder zurück ” in mein normales Leben” es ging gut. Doch ich weiß, ich brauche weiterhin Hilfe und natürlich meine Antidepressiva. Ich hoffe es wird alles gut und irgendwann kann ich vielleicht auch ohne Tabletten leben. Ein Rückschlag war aber leider der Job. Ich hab nach langer Suche einen Job gefunden. Doch das war leider zu viel. Ich hab oft geweint und musste leider kündigen. Ich hab für mich beschlossen erstmal langsam dran zu gehen und teilzeit etwas zu suchen. Mich zu stabilisieren und dann wieder vollzeit zu gehen.


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