veröffentlicht am 27. Dezember 2013 in Erfahrungsberichte Depression von

Hallo. Mein Name ist Tom. Ich leide unter Depressionen.

Genauer gesagt unter einer rezidivierenden (wiederkehrenden) schweren Depression. Insgesamt habe ich mittlerweile seit ca. 19 Jahren damit zu tun, diagnostisch gesichert seit mindestens 11 Jahren. Als meinen größten Fehler in diesen Jahren sehe ich, erst viel zu spät (nämlich in den letzten drei Jahren) mit der Arbeit an meinen Problemen begonnen zu haben. Ob ich mir damit Jahre der Depression erspart hätte, kann ich natürlich nicht sagen. Aber es hätte mir das Leben sicherlich einfacher gemacht.

Akut ist meine Depression eigentlich immer im Zusammenhang mit Überlastungs-Situationen geworden. Primär im beruflichen Bereich, aber durchaus auch durch Probleme im privaten Bereich verstärkt. Teilweise hat sich meine Erkrankung auch durch körperliche Schwierigkeiten bemerkbar gemacht, sei es durch häufige Infektionen oder gar durch eine Myelitis, die vorübergehend auch zum Verdacht auf Multiple Sklerose führte.

Um in meinem Bericht nun auf meinen heutigen Umgang mit der Depression zu kommen, muss ich einen Umweg über meine Kindheit und Jugend nehmen, denn dort vermute ich Ursprung und Verstärker meiner Erkrankung. Zum Verständnis des Ganzen muss ich sogar noch weiter zurück: Zu meiner Geburt.

Vor knapp 37 Jahren bin ich in einem kleinen Örtchen in Rheinland-Pfalz zur Welt gekommen. Besonders daran war das Alter meiner Eltern: Meine Mutter knapp 45, mein Vater knapp 57. Beide waren mit den Schrecken und Auswirkungen des zweiten Weltkriegs aufgewachsen und sicherlich auch traumatisiert. Für mich bedeutete es, dass ich relativ früh mit den Krankheiten meiner Eltern konfrontiert wurde und mit 13 Jahren Verantwortung für beider Wohlergehen übernehmen musste. Beide hatten zu dem Zeitpunkt schwere Herzerkrankungen, die sich später auch nicht mehr entscheidend besserten.

In dieser Zeit, beschäftigt mit dem Wohlergehen meiner Eltern, verlor ich mein Ich. Ich fand einfach nicht mehr statt. Arbeit, Sport, Hobby waren nur Flucht aus dem Alltag zu Hause, aus der Verantwortung. Nachdem ich es dann (endlich) geschafft hatte, 2002 auszuziehen und meine starke Bindung an meine Eltern vermeintlich hinter mir zu lassen. Seitdem schlage ich mich ärztlich diagnostiziert mit meiner Depression herum.

2004 war dann der erste Zusammenbruch, der mich für fünf Wochen in eine Reha brachte und mir den ersten Kontakt zu Medikamenten bescherte. Eine echte Besserung konnte ich da nicht erzielen, aber immerhin ging meine Beziehung zu Bruch und ich musste mir einen neuen Job suchen (Ironie finden und behalten). Nach dem Tod meines Vaters 2007 und einem erneuten Jobwechsel habe ich mich dann erstmals in eine ambulante Psychotherapie begeben, während der ich dann auch körperlich stark erkrankte. Mit meinem Therapeuten, der gleichzeitig auch eine psychiatrische Ausbildung hatte, versuchte ich verschiedenste Medikamentenkombinationen, die mich jedoch leider nicht weiter brachten. Einen weiteren Umzug und Jobwechsel später ereilte mich der zweite große Zusammenbruch Mitte 2011. Suizidgedanken und Verzweiflung bestimmten meine Tage. Der Druck in meinem Innern brachte mich auch dazu, mich mit einer Schere oder einem Messer selbst zu verletzen. Medikamente wollten auch nicht helfen, die hatten wohl andere Dinge vor…

Im November 2011 dann wieder der Weg in eine psychosomatische Reha zur Wiederherstellung meiner Arbeitsfähigkeit. Zehn Wochen später, mit zugegeben guten Erfahrungen mit meiner dortigen Therapeutin, bin ich dann arbeitsunfähig nach Hause. Die nächsten Monate waren die absolute Hölle, mein Zustand wesentlich schlechter als vor der Reha. Zu meinem Glück konnte ich aber wenigstens nun auf eine sehr gute Psychiaterin und eine Psychotherapeutin zurück greifen, die es geschafft haben, mich bis heute einigermaßen wieder auf die Beine zu bringen.

Wobei das nun auch nicht für jeden Tag und jede Woche seither gilt. Meinen Arbeitsversuch seit März musste ich Anfang Juni beenden, seither schwimme ich zwischen Krankengeld, Arbeitslosigkeit und beantragter Rente, die mich dann wenigstens in den nächsten zwei Jahren wirtschaftlich einigermaßen absichern soll.

Nachdem ich im Oktober einige Wochen in einer Tagesklinik hier vor Ort zugebracht habe, habe ich mit dem Bloggen angefangen. Unter http://tompressure.wordpress.com schreibe ich mir unregelmäßig von der Seele, was mir so einfällt. Seien es Erfahrungen, Gedanken oder Erlebnisse: Das Schreiben hilft mir beim seelischen Verdauen und vielleicht auch dem ein oder anderen Leser bei seiner Angelegenheit.

Man liest sich. Würde mich freuen.


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2 Kommentare

Hallo Tom,
ich kann sehr gut nachfühlen, wie es ist mit Depressionen zu leben. Auch bei mir wurde eine rezidivierende Depression diagnostiziert und ich denke, dass auch bei mir der Grundstein in der Kindheit liegt. Jeder Mensch hat diese seelische Verletzlichkeit, bei manchen ist sie einfach enorm groß, sodass die Depression letztendlich ein leichtes Spiel hat. Ich weiß nicht, wie schwer meine Depressin ist, das hat mir bislang kein Arzt, Neurologe, Psychologe gesagt, aber anhand der bekannten Symptome und Aufgrund meiner derzeit noch laufenden Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie, weiß ich, dass es keine leichte ist. Ich habe die Ausbildung angefangen, weil ich wissen wollte, was in meinem Kopf vorgeht und was ich für ein Mensch bin. Momentan hält allein diese Ausbildung mich über Wasser. Alles andere ist mir einfach egal. Ich denke, du weißt wovon ich rede.
Es gibt Tage, da werde ich von meinen negativen Gedanken förmlich überrannt. Alles ist grau und schlecht. Dann gibt es aber auch Tage, an denen es mir besser geht und ich fast glauben mag, dass die Depression vorbei ist. Welch Trugschluss, sie kommt mit Pauken und Trompeten zurück. Aber diese paar Tage, lassen mich wieder durchschnaufen und Kraft sammeln für die schlechten.
Ich nehme keine Medikamente. Diese habe ich vehement verweigert, daher bin ich wohl auch kein guter Patient. Ich habe das Gefühl, wenn ich die Antidepressiva nehme, verliere ich mich komplett und auch der Gedanke zuzunehmen versetzt mich in panische Angst. Worauf der Arzt eine Essstörung diagnostiziert hat. Super, gell!!

Du hast recht, das Schreiben hilft mir auch sehr. Sich die Schwere von der Seele schreiben, erleichtert ungemein.

Ich wünsch dir alles Glück der Welt
einen lieben Gruss
Daniela

Hallo Tom,

warum haben wir das bloss?

Habe anscheinend gerade eine schwere Episode von beinahe 2 Jahren hinter mir. Die ersten 1,5 Jahre mit schrecklichen Schmerzen und Missempfindungen und Angst ohne Ende.
Wenn man so etwas erlebt, kommen einem alle anderen schon schweren Zeiten wie eine Kleinigkeit vor. Hast Du auch die Hoffnung, dass es einfach mal keine neue Episode mehr geben wird?? Es kann doch einfach mal vorbei sein.

Alles Liebe fuer Dich. Geniesse Deine gesunden Phasen, jede Minute auch wenn ich Dich nicht persoenlich kenne, sind wir doch im Leid verbunden.