veröffentlicht am 25. Februar 2016 in Depression und Angststörung von

Depressive Symptome – mein Weg

Depressive Symptome sorgen regelmäßig dafür, dass mein Alltag zu einer großen Herausforderung wird. Wahrscheinlich habe aber nicht nur ich dieses Problem, sondern auch Millionen andere Menschen, die unter einer Depression leiden. Durch die immer wiederkehrenden depressiven Phasen entstehen häufig große Probleme im alltäglichen Leben.

Früher habe ich nicht gewusst, was mit mir los war. Warum ich mich in bestimmten Situationen so verhalte. Weshalb ich plötzlich traurig werde, meine Gefühle Achterbahn fahren oder ich plötzlich von negativen Gedanken überwältigt werde. Ich habe immer gespürt, dass etwas nicht stimmt, dass ich anders bin und sich mein Verhalten, meine Art und meine Kraft verändern. Immer öfter machte sich die Traurigkeit in mir breit.

Lange hat es gedauert, bis meine depressive Phase und die damit einhergehenden Symptome festgestellt wurden. Das Problem ist, dass die Diagnose Depression oft nicht einfach festzustellen ist. Zum einen kennen sich viele Ärzte zu wenig mit dieser Krankheit aus und zum anderen ist die Krankheit so schwierig zu diagnostizieren, weil es viele körperliche und psychische Begleitsymptome gibt. Oft passiert es auch, dass die Betroffenen dem Arzt einige Anzeichen verheimlichen. Dies macht die Sache für den behandelnden Arzt noch schwieriger.

Bei mir wurden auch immer weitere Möglichkeiten ausgeschlossen. Bis mein Arzt letztendlich sagte: „Ich glaube Sie leiden unter einer Depression.“ Aber selbst nach der Diagnose wollte ich nicht wahrhaben, dass ich unter Depressionen leide. Es war komisch, aber ich konnte es irgendwie nicht greifen. Vielleicht wollte ich es auch nicht, schließlich gesteht sich niemand gerne ein, dass er depressiv ist und somit ein psychisches Problem hat.

Im Laufe der Zeit wurde die depressive Stimmung und die damit verbundenen Symptome immer schlimmer. Noch beängstigender war für mich, dass diese Schübe in immer kürzeren Zeitabständen auftauchten. Sie kosteten mich immer mehr Kraft und drängten mich schließlich dazu eine Psychotherapie zu beginnen.

Es ist daher wichtig, dass man sich selbst beobachtet und die Anzeichen möglichst früh erkennt. Denn je eher die Symptome richtig zugeordnet werden, kann mit einer medikamentösen Behandlung oder einer Therapie begonnen werden. Dies ist sehr wichtig und erhöht die Heilungschancen. Hat man also einen Verdacht oder gar eine Diagnose, sollte man sofort handeln und sich nicht davor scheuen Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die häufigsten depressiven Symptome

Negative Gedanken – Oft drehen sich die Gedanken um irgendwelche Ängste. Das können übermäßig starke Verlustängste oder Zukunftsängste sein. Das Schlimme ist, dass diese negativen Gedanken sich immer weiter ausdehnen. Es ist wie ein Strudel in den man hineingerissen wird und gegen den man sich am Ende nicht mehr wehren kann.

Rückzug – Depressive Menschen sind häufig mit ihrer Umwelt oder ihren Gefühlen überfordert. Aus diesem Grund ziehen sie sich zurück. In diesen Phasen werden sie ruhig und oft möchten sie einfach nur alleine sein. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie es sein kann, wenn einem alles zu viel wird und man seinem Alltag nicht mehr gewachsen ist. Gerade in Partnerschaften birgt eine solche Situation viel Konfliktpotential, da sich der Partner oft zurückgewiesen fühlt und zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Auch im Freundeskreis kann es zu Irritationen kommen, da auch sie sich ausgeschlossen oder abgelehnt fühlen können.

Kraftlosigkeit und Erschöpfungszustände – Bei vielen Betroffenen tritt ein Kraftverlust ein. Zum einen ist es der Alltag und das ganz normale Leben was extrem viel Kraft kostet, zum anderen ist es der Kampf gegen die Krankheit. Ich war während meiner depressiven Phasen immer sehr abgeschlagen und antriebslos. Es war einfach alles zu viel für mich. Schon der Gang ins Badezimmer war ein großer Kraftakt für mich.

Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit – Ich habe sie gespürt und immer öfter erzählen mir auch andere Menschen von einer immer tiefer werdenden Traurigkeit, die sie umgibt. Es ist, als wenn man um sich herum nichts Positives mehr wahrnimmt und spürt. Man fühlt sich isoliert und ist nicht mehr in der Lage Freude zu empfinden. Alles wirkt trist und hoffnungslos.

Gewichtszunahme oder Gewichtsverlust – In einigen Fällen sind depressive Menschen während der Schübe auch von Essstörungen geplagt. Bei mir war es zum Beispiel so, dass ich aufgrund meiner Kraftlosigkeit nur im Bett gelegen habe und über mehrere Tage so gut wie nichts gegessen habe. Durch den psychischen Stress, dem der Körper in dieser Zeit ausgesetzt ist, verliert man schnell einige Kilo. Es gibt aber auch Menschen, die während dieser Zeit unter Fressattacken leiden.

Selbstzweifel – Betroffene werden oft von starken Selbstzweifeln geplagt. Für sie ist es schwierig Entscheidungen zu treffen, da sie sich nichts zutrauen. Auch Komplimente verpuffen oder werden innerlich sofort klein geredet.

Selbstvorwürfe und Schuldgedanken – Damit ist gemeint, dass depressive Menschen sich oft die Schuld an Entwicklungen geben, für die sie eigentlich gar nichts können. Innerlich reden sie sich häufig ein, dass sie an allem Schuld sind.

Stimmungsschwankungen – Eine depressive Phase kommt und geht. Daher leiden viele Betroffene unter Stimmungsschwankungen. Zu beobachten ist auch, dass sich die Stimmung bei vielen Menschen, die unter einer Depression leiden, im Laufe des Tages steigert. Das bedeutet, morgens ist die Stimmung im Keller, man ist antriebslos und traurig, gegen Nachmittag ist es dann durchaus möglich das der Betroffene ein Hoch erlebt, wobei gegen Abend die Stimmung wieder fällt. Es ist ein ständiges Auf und Ab der Gefühle.

Negative Einstellung – Die Veränderung der Einstellung muss definitiv auch genannt werden, wenn man über depressive Symptome spricht. Denn depressive Menschen legen häufig eine negative Grundeinstellung an den Tag. Sie verändern ihre Ansichts- und Denkweise, indem sie immer von dem Schlechtesten ausgehen. Es ist sehr oft zu beobachten, dass eine Depression aus einem lebensbejahenden Menschen genau das Gegenteil macht.

Suizidgedanken – Das Nachdenken über einen Suizid ist ein weiterer Hinweis auf eine depressive Phase. Es ist ein ganz klares Anzeichen für eine psychische Störung. Leider reden die Betroffenen oft nicht über diese dunklen und schlimmen Gedanken. Deshalb ist das Umfeld oft machtlos.

Einige der häufigsten depressiven Symptome habe ich nun aufgeführt. Viele davon treffen auch auf mich zu. Allerdings gibt es noch weitere Symptome wie sexuelle Störungen, Gefühlslosigkeit und Lustlosigkeit. Es gilt also die Augen offen zu halten und das eigene Verhalten genau zu beobachten. Daher kann ich nur immer wieder darauf hinweisen, dass man, sobald sich der Verdacht verhärtet, ärztliche Hilfe in Anspruch nimmt. Für Angehörige und Freunde ist es wichtig, Veränderungen einer Person zu erkennen und bei einem Verdacht das Gespräch mit der betroffenen Person zu suchen.


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6 Kommentare

Ich erkenne mich in deinen Worten exakt wieder. Und bin erschrocken. Zwar habe ich schon Therapien hinter mir…dachte aber ich hätte es geschafft.

Ich habe seit gut zwei Monaten eine tiefe Traurigkeit in mir die sich nun auch mit körperlichen Unwohlsein im Brustkorb manifestiert.

Hallo Dennis.
Bei deinen aufgeführten Symptomen fehlen welche die mich sehr plagen:

Innere Unruhe : ich habe das Gefühl alles mögliche tun zu müssen aber es fehlt der Antrieb dazu. Das führt dazu das ich garnichts tue und das wiederum macht mich nervös und aggressiv.

Der Wunsch zu leiden: wenn ich in einer depressiven Phase stecke möchte ich mich gern selbst verletzen z.b indem ich mir die Fingernägel in den Arm bohre und so feste kratze bis ich blute oder indem ich mir sage das ich die Depression verdiene weil ich ein schlechter Mensch bin. Oder indem ich mehr Alkohol als Wasser trinke und auf Kopfschmerzen hinarbeite.

Ich glaube das sind schwere Depressionen aber ich will nichts dagegen tun. Ich komm mir lächerlich vor. Wenn es mir dann wieder gut geht glaube ich das garnicht mehr dass ich Depressionen habe.

Hi,

vielen Dank für deine Ergänzung!

LG
Dennis

Hallo!

Seit meinem 19.Lebensjahr,also mehr als 30 Jahren leide ich unter Depressionen,die sich dann sogar in 11 Psychosen steigerten. In psychotischen Phasen habe ich schon 10 Selbstmordversuche unternommen. Derzeit leide ich unter extremen Zwangsgedanken,die mich mehrere Stunden am Tag lahmlegen. Oft liege ich stundenlang im Bett und habe keine Kraft für die Körperpflege oder den Haushalt oder Einkaufen. Ständig kreisen meine Gedanken um Negatives aus der Vergangenheit(Mein Vater war Alkoholiker,meine Mutter hat mich sexuell missbraucht) oder Zukunftssorgen. Sehe mich wertlos,mutlos und hoffnungslos.versuche mich abzulenken, gehe mit Freunden Kaffee trinken oder drei mal die Woche zum Tischtennis,dennoch dreht sich die Grübelschraube weiter bis hin zu Suizidgedanken. Habe starke Ängste und Panikattacken,mein Freundeskreis wird kleiner,kann nicht abschalten und entspannen und bin freudlos.Innerhalb eines dreiviertel Jahres habe ich mehr als 10 KG abgenommen und war dieses jahr schon zweimal in der Klinik,ohne dass es mir geholfen hat. Quäle mich nur rum und mir ist zum Heulen zumute.Empfinde nichts und habe kein Interesse an Frauen. .

Hallo Franz,

danke für deinen ehrlichen Kommentar. Es hört sich alles sehr schwer für dich an. Bekommst du Erwerbsminderungsrente?
Trotz den vielen quälenden Erfahrungen und Gedanken ist es sehr positiv und stark, dass du weiterhin versucht am Leben teilzunehmen, damit meine ich, dass du zum Tischtennis gehst oder von zeit zu Zeit mit Freunden unterwegs bist. Hast du im Internet mal nach einem Spezialisten gesucht? Kennst du die EMDR Therapie? Ich bin ja kein Mediziner, versuche aber immer eine Lösung zu finden oder den Menschen einen Tipp zu geben, wie sie vielelicht etwas verändern können. Natürlich rate ich auch immer dazu einen ausgebildeten Psychotherapeuten aufzusuchen. Schau mal nach der EMDR Therapie, habe hierzu etwas im Blog geschrieben. Einfach über sie Suchfunktion gehen.

Viele Grüße
Dennis

Meine Symptome haben sich in Panik Attacken niedergeschlagen, was ein wenn man nicht aufpasst schnell in die Isolation geraten lässt, da man den ganzen Tag um öffentliche Plätze, Menschenmengen und Zugfahren herum plant.

Es hat lange gedauert bis ich die Zusammenhänge akzptiert und organische Ursachen ausgeschlossen hab, letzten Endes ging es darum nach 3 unglücklichen Umzügen nach dem Studium wieder so etwas wie ein Zuhause zu finden.

Es ist schon erstaunlich welche Mittel unser Unterbewusstsein einsetzt um uns über unsere eigenen Bedürfnisse in Kenntnis zu setzen