veröffentlicht am 19. Oktober 2013 in Gedankengänge zu Depressionen von

Depression + Arbeitgeber = kaum Verständnis

Meiner Ansicht nach verstehen sich Depressionen und Arbeitgeber nicht sonderlich gut. Besser gesagt, sie versuchen sich zu meiden. Doch warum? Geht es um Verständnis, um Geld oder einfach nur um eine mangelnde Aufklärung? Ich würde sagen, um alles von diesen drei Dingen.

Heikles Thema Depressionen und Arbeitgeber

Sicherlich geht es um Verständnis. Ich weiß nämlich aus eigener Erfahrung, dass es nicht einfach ist zuzugeben, dass man unter Depressionen leidet und dass es noch schwieriger ist mit dem Arbeitsgeber darüber zu sprechen. Es stellen sich Fragen wie, was denkt mein Arbeitgeber? Kann er es nachvollziehen und wird es verstehen? Wie wird er reagieren? Was wird aus meinem Job? All diese Fragen sind nicht einfach zu beantworten, da die Antworten von Arbeitgeber zu Arbeitgeber unterschiedlich sein werden. Sicherlich wird es einige wenige verständnisvolle Arbeitgeber geben. Die gut über Depressionen informiert sind oder gar selbst schon einmal Erfahrungen mit ihnen gesammelt haben. Jedoch wird es auch viele Arbeitgeber geben, bei denen bei dem Thema Depressionen die Alarmglocken dröhnen. Leider habe ich in meinem Berufsleben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass nicht depressive Menschen bei der Einstellung eindeutig vorgezogen werden. Meiner Meinung nach haben viele Arbeitgeber sofort die eventuell anfallenden Fehltage im Kopf, sobald es um Depressionen geht. Es geht also um Geld. Es ist leider immer wieder das Gleiche. Irgendwie schade, dass sich immer wieder alles ums Geld dreht.

Depressiven Menschen eine Chance geben…

…und ihnen die Chance geben über ihre Krankheit zu sprechen. Das schafft Entlastung. Warum gibt man Menschen, die unter Depressionen leiden nicht einfach die gleiche Chance wie anderen? Es ist nämlich nicht unbedingt gesagt, dass dieser Mensch ständig krank ist. Wozu gibt es die Probezeit? In dieser Zeit ist es dem Arbeitgeber möglich den neuen Angestellten zu beobachten. Zu schauen, wie er mit dem Druck klar kommt und vielleicht sogar zu erleben, dass Depressionen nicht gleich viele Fehltage bedeuten.

In diesem Zusammenhang möchte ich von anderen interessanten Beobachtungen berichten. In einigen Unternehmen in denen ich war, gab es eine regelrechte Fußballbegeisterung. Viele der Angestellten spielten Fußball und noch mehr haben sich für diesen Sport interessiert. Oft konnte man Montag morgens die Uhr danach stellen, dass sich die Fußballer krank meldeten. Als Krankheitsgründe wurden oft, beim Fußball umgeknickt, Muskelfaserriss, Knöchel verstaucht, Prellung oder ein Bänderriss genannt. Einige dieser Krankheitsgründe waren nach wenigen Tagen ausgestanden, andere dauerten Wochen. Das Interessante dabei war aber, dass die vielen Fehltage geduldet wurden. Sogar, wenn es oft hintereinander geschah. Schließlich kann so etwas doch beim Fußball schon mal passieren. Also, kein Problem, der kommt schon wieder. Schon komisch, denn diese Fehltage kosten den Arbeitgeber doch auch Geld.

Weitere Beobachtungen von mir sind, dass es jede Menge Menschen gibt, die ihren Job einfach nicht zu schätzen wissen. Die sich Kollegen gegenüber schlecht verhalten und auch nicht sonderlich fleißig sind. Meine Frage an die Arbeitgeber wäre, warum man diese Menschen nicht aussortiert? Vielleicht wäre in einigen Fällen eine Abfindung nötig, die wiederum Geld kosten würde. Jedoch sollte sich jeder Arbeitgeber einmal die Fragen stellen, ist dies gerecht den Kollegen gegenüber und ist es in Ordnung, einen Menschen zu beschäftigen, der seine Arbeit mit Absicht nicht vernünftig macht und sich anderen Angestellten gegenüber schlecht verhält? Eigentlich nicht. Mir drängt sich aber noch eine weitere Frage an den Arbeitgeber auf, gibt es einen Unterschied zwischen jemanden der nur das Nötigste macht, unkollegial ist und nicht das Geringste für das Unternehmen übrig hat und einem Bewerber der unter Depressionen leidet?

Ja, den Unterschied gibt es. Menschen die unter Depressionen leiden und vom Arbeitgeber trotzdem eingestellt oder unterstützt werden, werden dies sicherlich zu schätzen wissen. Wahrscheinlich wird sich dieser Mensch viel mehr mit dem Unternehmen identifizieren und ganz anders auf die Menschen zu gehen. Dies wäre schon mal ein klarer Vorteil für Bewerber die unter Depressionen leiden. Kommen wir mal wieder auf das für viele Menschen so wichtige Geld zu sprechen. Vergleichen wir mal den Bewerber der unter Depressionen leidet und den Angestellten, der sich seiner Sache sicher fühlt, es gerne etwas ruhiger angehen lässt, sich nicht immer angemessen den Kollegen verhält und für Rückfragen ungern zur Verfügung oder noch besser mit dem Angestellten, der alle paar Wochen wegen einer Fußballverletzung ausfällt.

Als erstes sprechen wir über den Bewerber der unter Depressionen leidet. Bei ihm kann es durchaus sein, dass er krank wird. Ja, vielleicht sogar für mehrere Wochen. Dennoch wird er immer im Kopf haben, was der Arbeitgeber ihm für eine Chance ermöglicht hat und wird sich bemühen, den Rest der Zeit den Job vernünftig zu erfüllen.

Kommen wir nun zu dem Angestellten der nicht sonderlich interessiert an dem Job, dem Unternehmen und den Kollegen ist. Jemand der mit Absicht nur das allernötigste macht und ständig versucht sich durchs Berufsleben zu schlängeln, ist keinesfalls produktiv. Zudem schadet so ein Kollege dem Betriebsklima, was sich auch auf die Arbeitsleistung anderer auswirken kann.

Als letztes nehmen wir den angesehenen Angestellten, der jedes Wochenende auf dem Fußballplatz steht und leider sehr verletzungsanfällig ist, unter die Lupe. Hier kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass sich bei solchen Verletzungen, die eventuell auch häufig auftreten, sehr schnell einige Wochen Arbeitsunfähigkeit anhäufen können. Also ist dieser Angestellte, von den Fehltagen her, vielleicht gar nicht so weit von dem Bewerber mit Depressionen entfernt.

Mein Fazit zu Depressionen und Arbeitgeber

Für die Arbeitgeber lohnt es sich vielleicht einmal genau hinzuschauen und die verschieden Möglichkeiten abzuwägen. Zudem solle sich jeder Arbeitgeber einmal intensiv über die Krankheit Depressionen informieren und dies nicht nur oberflächlich. Meiner Meinung nach sind sie wegen der so viel betonten Chancengleichheit sogar dazu verpflichtet.
Ich denke es gibt gerade rund um das Thema Depressionen und Arbeitgeber noch sehr viel Aufklärungsbedarf.


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6 Kommentare

Hallo Denis,

so lange man seine Arbeit gut macht, ist es egal – ob man krank, depressiv oder sonst was ist.
Es geht nur darum, seine Arbeit zu machen.

Kein Arbeitgeber mag kranke Mitarbeiter, die öfters oder länger ausfallen – was aus ihrer Sicht verständlich ist. Je kleiner der Betrieb, desto schwieriger ist es – für beide.

Das ist eine gute einstellung. Jedoch habe ich leider andere Erfahrungen gesammelt. 🙁

Jedoch habe ich leider andere Erfahrungen gesammelt

Mir ist klar, dass man die Kündigung bekommt, wenn man ab und an wegen Depression bzw. länger Au ist.
Auch ist mir klar, dass man keinen neuen Job bekommt, wenn man depressiv ist.

Hallo Dennis,
Dein Beitrag über Depression u. Arbeitgeber habe ich mit Aufsamkeit gelesen. Ich würde gerne meine Erfahrungen betreffend dieses Themas in diesem Forum mitteilen:
Mir wurde im Frühjahr 2011 diagnostiert, dass ich eine mittelschwere Depression habe. War bis Ende 2011 weiterhin arbeiten. Es viel mir immer schwerer morgens aufzustehen und meinen Arbeitstag zu bewältigen. Die Zeitspannen, denen ich meine Arbeit gut abliefern konnten wurden immer kürzer. Ich beschloss mit Hilfe meines Hausarztes eine Reha bezüglich meiner psychosomatischen Erkrankung zu beantragen. Im Januar 2012 konnte ich die Reha für 4 Wochen antreten.
Natürlich war die Erwartung meines Arbeitgebers, dass ich aus der Reha wieder 100%igen Einsatz zeigen sollten. Jedoch sah der Abschlußbericht der Reha etwas anders aus. Ich wurde unbegrenzt für meine derzeitige Tätigkeit (allgemeine Lagerarbeiten) arbeitsunfähig geschrieben.
In der Hoffnung, dass mein Arbeitgeber mir entgegenkommen würde und zwar in Form einer Eingliederungsmaßnahme in eine andere Tätigkeit in diesem Betriebe, verweigerte er die Eingliederungsmaßnahme, mit der Begründung, er könne mir keinen angemessenen Arbeitsplatz gemessen an meinem Gesundheitszustand anbieten. Ich muss bemerken, dass ich bereits seit 23 Jahren im Unternehmen bin und nach Beendigung der Reha 56 Jahre alt war. Nun bin ich seit gut 2 Jahren AU geschrieben und bin nun gezwungen eine EU-Rente zu beantragen.
Auch mit Hilfe des hiesigen Integrationsfachdienstes konnte mein Arbeitgeber nicht motiviert werden, mir einen adäquaten Arbeitsplatz anbieten zu wollen. Alle staatlichen Beihilfen wie z.B. 50 % Lohnzuschuss, Kosten der Einrichtung eines gesundheitlich adäquaten Arbeitsplatzes lehnte er ab.

Das ist unsere profitgeile Gesellschaft.

Über ein Feedback würde ich mich sehr freuen.

Gruss Rüdiger

Ja, leider spiegelt diese Situation bzw. Erfahrung das traurige Bild wieder, welches vielen Erkrankten zu schaffen macht. Möglichst viel arbeiten und wenn dann tatsächlich eine schwerwiegende Krankheit auftritt, kommt halt der Nächste. Traurig! Von Dankbarkeit keine Spur, es zählt nur der Profit.

Hallo Dennis,

vielen Dank für diese Einblicke. Sicherlich ist es weiterhin ein schwieriges Thema, die Arbeit mit der eigenen, insbesondere psychischen Gesundheit zu kombinieren. Hoffentlich wird die Tabuisierung mit der Zeit weiter nachlassen, sodass psychische Erkrankungen hinsichtlich der Fehltage ähnlich wie physische Erkrankungen angesehen werden.