veröffentlicht am 21. Oktober 2013 in Gedankengänge zu Depressionen von

Ich stehe jeden Morgen auf, mache mich fertig, frühstücke, gehe zur Arbeit oder zur Schule. Ich bewege mich wie jeder andere in dieser Welt. Es scheint als wäre alles normal. Für Außenstehende ist es dies auch. Denn sie wissen nichts von meiner Depression, meinem alltäglichen Begleiter. Wie auch, sie versteckt sich stets unter einem Tarnumhang, möchte von anderen nicht gesehen werden.

Fragen zur Depression

Mir ist dies sogar ganz recht, denn es gibt immer noch viele Vorurteile über jemanden der unter einer Depression leidet. Es gibt Tage, an denen ich den Tarnumhang wegziehen möchte, doch dann kommen diese Gedanken wie, was sagt mein Chef zu meiner Depression? Was sagt mein Umfeld? Wie gehen die Menschen mit mir und meinem Begleiter in Form meiner Depression um?

Es sind viele Fragen, die mich daran hindern den Tarnumhang verschwinden zu lassen. Eigentlich schade. Denn am liebsten wäre es mir, wenn die Menschen um mich herum Bescheid wüssten und mich verstehen würden. Es wäre zu schön. Doch selbst wenn die Menschen wüssten, dass ich unter einer Depression leide, heißt das noch nicht, dass sie das auch verstehen würden.

Vielleicht kommen löchernde Fragen. Ok, wenn sie sich dafür interessieren. Klar, können diese ganzen Fragen auch nerven, doch nur so besteht die Möglichkeit aufzuklären. Viel schlimmer ist es, wenn wir uns dazu entscheiden den Tarnumhang abzulegen und unseren Begleiter die Depression dadurch sichtbar zu machen und auf Unverständnis zu treffen. Mit Unverständnis meine ich, wenn die Menschen negative Sprüche machen. Sprüche wie: es gibt doch eigentlich gar keine Depression, du musst dich nur mal wieder richtig ausruhen, fahr doch mal in den Urlaub, Menschen, die unter einer Depression leiden, haben nur zu viel Langeweile.

Negative Sprüche über Depression

Genau diese Sprüche sind es, die von einer Depression betroffene Menschen auf eine ganz schmerzhafte Weise voll ins Herz treffen und uns somit daran hindern den Tarnumhang abzulegen. Ich frage ich, wie die Menschen auf so etwas kommen? Es ist mir unverständlich. Jeder der so spricht hat absolut keine Ahnung was in jemanden vorgeht, der von einer Depression betroffen ist. Es ist verdammt hart.

Jedoch sind es auch diese Aussagen, die mich immer weiter antreiben mich für Menschen, die unter einer Depression leiden, einzusetzen. Genau diese Aussagen haben mich dazu veranlasst meinen Tarnumhang immer wieder abzulegen und zu zeigen wer ich bin. Leider kann auch ich meinen Tarnumhang noch nicht vollständig beiseitelegen. Doch mit jedem Mal, mit dem ich meinen Begleiter vorstelle und somit meine Depression zeige, mache ich für mich und für andere einen großen Schritt. Ich bin mir sehr sicher, dass der Zeitpunkt kommen wird, an dem ich meinen Tarnumhang in einen Karton packen und auf den Boden stellen kann.


Kommentar schreiben


6 Kommentare

Alle 2 Jahre stellt man fest: In D-Land leben ca. 80 Mio Bundestrainer … leider beschränkt sich das offenbar nicht auf den Fußball. :/
Sich hinzustellen und zu sagen: „Ich habe Depressionen!“ erfordert einiges an Mut. Verstanden wird aber leider von vielen nur: Ich bin traurig. Ich komme mit meiner Gefühlswelt nicht klar.
Mittlerweile habe ich dank Klinik und Internet aber festgestellt, das es viele gibt, auf die das nicht zutrifft. Die in der Lage sind, über ihren eigenen Tellerrand hinauszublicken und – wenn sie es nicht verstehen können – doch zumindest akzeptieren können.
Ob man den Tarnumhang irgendwann gar nicht mehr braucht – es wäre schön. Aber so ganz dran glauben tu ich leider (noch) nicht. 🙂

Ich denke nicht, dass der Umhang irgendwann hinfällig ist. Ich sehe meine Depression als Begleiter bzw. als Freund, der aber nicht immer viel sagen kann. Öffentlich mit umzugehen ist ein zweischneidiges Schwert und wird es sicher auch bleiben, dazu sind die Vorurteile zu stark, die unsere Gesellschaft prägen. Zudem kommt, dass es auch genug Menschen gibt, die den Begriff Depression schon benutzen, wenn es nicht nötig ist. Wir können nur unseren Beitrag leisten und zeigen, dass das alles nicht so einfach ist. Mir hat der öffentliche Umgang mit dem Thema geholfen, meinen Freunden hat es geholfen mich zu verstehen und auch die Familie ist sensibilisierter.

Grundsätzlich sind Kranke Arbeitnehmer nicht erwünscht.

Der AG will leistungsfähige Menschen, die am besten nie AU sind.
Das ist so in unserem Land, ich denke woanders ist es nicht wirklich anders.

Natürlich ist für eine körperliche Erkrankungen mehr Verständnis vorhanden, so lange man nicht oft und zu lange damit Au ist. Aber auch dann, wird man irgend wann gekündigt.

Auf der einen Seite ist das Verhalten der Arbeitgeber zu verstehen. Es ist teilw. Ihr Geld um das es geht. Trotzdem sollte man depressive Menschen nicht vorverurteilen.

Ich denke, dass noch viel mehr Aufklärung in diesem Bereich geleistet werden muss. Vielleicht gibt es einige große Unternehmen, die sich etwas ernsthafter mit der Krankheit Depression beschäftigen, jedoch sind dies eher wenige. Auch die kleinen Unternehmen müssen nachziehen.

Gruß
Dennis

Ich habe nicht das Gefühl das die Firmen etwas „müssen“. Zu mal die Auswahl an „gesunden“ Arbeitnehmer mehr als ausreichend ist!

Als Beamter oder als Angestellter im Öffentlichen Dienst ist man deutlich besser „versorgt“, das kann und will ein Privat Unternehmen nicht leisten.

Sagen wir es einmal so, es wäre wünschenswert, wenn sich dort etwas tun würde. Keiner müsse etwas, dass ist richtig.

Liebe Grüße
Dennis