veröffentlicht am 30. Juni 2016 in Burnout-Syndrom von

Burnout – Auswirkungen auf Gehirn und Körper

Der Begriff Burnout hat in den vergangenen Jahren stark an Popularität gewonnen. Dabei handelt es sich nach Definition der Welthandelsorganisation (WHO) nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern vielmehr um einen Einflussfaktor. Nicht wenige Ärzte haben Schwierigkeiten dabei, das Burnout-Syndrom als solches festzustellen. Dies mag unter anderem daran liegen, dass die WHO das Burnout in ihrem internationalen Diagnoseklassifikationssystem (ICD 10) unter dem Abschnitt „Z“ quasi als „sonstiges“ aufführt. Ausgelöst durch Perspektivlosigkeit, andauernde Konflikte, Mobbing, Überlastung oder chronischen Stress, handelt es sich bei Burnout nicht nur um eine Modeerscheinung. Auch wenn zu Burnout keine gesicherten Statistiken vorliegen, gehen heutzutage 15 Prozent aller Krankheitstage auf seelische Erkrankungen zurück – Tendenz steigend.

Wenn Stress einen Teufelskreis in Gang setzt

Der Verlust oder der Tod einer wichtigen Bezugsperson, die Anpassung an neue Umstände oder berufliche sowie private Belastungen bringen Menschen immer wieder an ihre psychische und körperliche Belastungsgrenze. Burnout ist stets das Resultat eines Prozesses, welches sich aus Arbeitsbelastung, Stress sowie psychologischer Anpassung zusammensetzt. Der ständige Stress und der damit einhergehende Energieeinsatz können in Verbindung mit einem starken Ehrgeiz in einen Burnout-Zyklus münden. Laut Freudenberger und North führen demnach folgenden Phasen zu einem Burnout-Syndrom:

Stadium 1: Der Zwang, sich zu beweisen
Stadium 2: verstärkter Einsatz
Stadium 3: Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
Stadium 4: Verdrängung von Konflikten
Stadium 5: Umdeutung von Werten
Stadium 6: Leugnung der Probleme
Stadium 7: Rückzug
Stadium 8: beobachtbare Verhaltensänderung
Stadium 9: Depersonalisation
Stadium 10: innere Leere
Stadium 11: Depression
Stadium 12: völlige Erschöpfung

Das Burnout-Syndrom hat nicht selten eine schwere Depression zur Folge. Eine lebensbedrohliche Erkrankung, die unbehandelt tödlich verlaufen kann. Statistiken zufolge begehen jährlich 15 Prozent aller Patienten mit einer schweren Depression Suizid. Bei der Mehrheit der Personen, die Suizide begehen, besteht eine depressive Erkrankung. Doch was veranlasst die Betroffenen zu einer derart verzweifelten Tat? Und was geht im Gehirn derjenigen Menschen vor, die unter einem Burnout-Syndrom leiden? Mehrere Forschungsinstitute sind diesen Fragen nachgegangen und dabei zu sehr interessanten Erkenntnissen gelangt.

Wie das Burnout-Syndrom die Aktivitäten im Gehirn beeinflusst

Auch wenn zahlreiche Aspekte noch nicht restlos geklärt sind, steht inzwischen fest, dass während eines Burnouts der Stoffwechsel im Gehirn gestört ist. Insbesondere sind die Nervenbotenstoffe Serotonin und/oder Dopamin und/oder Noradrenalin aus der Balance gekommen. Es existieren auch Befunde, wonach sich weitere Stoffwechselprozesse wie etwa der Cortisol-Stoffwechsel im Körper verändern. All dies ist auf das aus den Fugen geratene Kontrollsystem für Stresshormone zurückzuführen: Aufgrund der anhaltenden Überaktivität des Stresshormonsystems wird der Nervenstoffwechsel im Gehirn so sehr gestört, dass Produktion und Abbau der Botenstoffe nicht wie eigentlich vorgesehen erfolgen kann. Entweder sie treten im Gehirn lediglich in zu geringer Konzentration auf oder aber die Übertragung zwischen den Nervenzellen wird erheblich beeinträchtigt. Dieser Umstand findet nach und nach in den Gedanken und Gefühlen seinen Niederschlag und führt zu Stimmungsveränderungen sowie zu motorischen, vegetativen und kognitiven Störungen wie etwa Konzentrationsschwierigkeiten, Schlaf- und Appetitlosigkeit, fehlendem Antrieb und weiteren Symptomen. Bei gesunden Menschen werden Informationen im Gehirn über elektrische Impulse entlang der Nervenfaser bis hin zu Kontaktstellen (Synapsen) geleitet. Die Synapse beschreibt dabei den Spalt zwischen zwei Nervenzellen. Sind aufgrund von Burnout-Syndrom und Depression zu wenige Nervenbotenstoffe im synaptischen Spalt vorhanden, so kann die Informationsweitergabe im Gehirn nicht korrekt erfolgen. Es kommt so zu tiefgreifenden Veränderungen des Handelns, Denkens und Fühlens. An dieser Stelle setzen antidepressive Medikamente an und bringen den Hirn-Stoffwechsel im Gehirn wieder ins Gleichgewicht, indem die Stresshormonregulation normalisiert wird.

Burnout strahlt auf den gesamten Körper aus

Dank intensiver Forschungsanstrengungen konnten Experten zu weiteren interessanten Ergebnissen gelangen. So wurde etwa klar, dass die Stressdepression, als Endstadium des Burnouts, als Risikofaktor für die Entstehung von Gefäßerkrankungen (z.B. Schlaganfall, Herzinfarkt) anzusehen ist. Die Forscher gehen dabei sogar davon aus, dass dem Burnout-Syndrom dieselbe Bedeutung wie den klassischen Risikofaktoren Bewegungsmangel, Übergewicht und Rauchen zukommt. Im Vergleich zum Burnout-Syndrom, wird diesen allerdings sowohl im Rahmen gesundheitspolitischer Präventionsstrategien wie auch im öffentlichen Bewusstsein deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Zugleich begünstigt eine Depression laut der Studien auch das Auftreten von Diabetes mellitus Typ II und Osteoporose. Weil die Depression demnach neben dem Gehirn zahlreiche weitere Organe in Mitleidenschaft ziehen kann, wird sie heute als „systemische“ Erkrankung angesehen.

Therapie- und Vorsorgemaßnahmen

Es ist nicht einfach, die „Burn-Down-Spirale“ zu durchbrechen. Dies geht aus Statistiken hervor, die teilweise von einer Rückfallquote von 50 bis 70 Prozent sprechen. Es gibt jedoch heute eine Vielzahl neuartiger Therapiemethoden, die sich in den Augen einiger Wissenschaftler durchaus bewährt haben. Die Auswahl reicht dabei vom Stressmanagement, über die Physiotherapie bis hin zur Musiktherapie. Die erfolgversprechendste laut dem Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) ist allerdings die kognitive Verhaltenstherapie. Nur hierzu gebe es nach derzeitigem Stand ausreichend hochwertige Studien für einen Wirksamkeitsnachweis. Bei diesem Verfahren sollen Sie als Patient zu einer positiveren Einstellung bewegt werden. Progressive Muskelentspannung, Qigong-Therapie oder Musiktherapie sind hingegen nach aktueller Studienlage umstritten. Weil Vorbeugen besser als Heilen ist, tun gestresste Menschen gut daran, ihre seelischen und körperlichen Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren. Mit ausreichend Bewegung, dem notwendigen Schlaf, kreativem Nichtstun sowie gesundem Nahrungsverhalten können Sie einem Burnout-Syndrom und einer Depression sinnvoll vorbeugen.


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