veröffentlicht am 4. Juli 2016 in Burnout-Syndrom von

Burnout bei Kindern – Ursachen, Symptome, Therapie und Hilfestellungen

Burnout bedeutet aus dem Englischen übersetzt ausgebrannt, erschöpft sein. ICD 10 ist seine Klassifizierung in der International Statistical Classisfication of Diseases (ICD) der WHO mit dem Diagnoseschlüssel Z73.0. Diese Einordnung stellt jedoch lediglich Symptome dar, die die Gesundheit beeinträchtigen und zur Inanspruchnahme von Gesundheitsmaßnahmen berechtigen. Aufgrund dieser Eingliederung ist das Burnout noch immer nicht als anerkannte Erkrankung definiert und erschwert häufig die Diagnoseerkennung und erforderlichen Therapien. Leider gilt dies für Burnout Kinder ebenso wie Erwachsene.

Burnout Ursachen

Leistungsdruck, Überforderung und Stress sind deutliche Anzeichen, die auf Burnout hinweisen. Sie werden begleitet von Appetit- und Lustlosigkeit sowie einer ständigen Müdigkeit, die schließlich bis hin zum totalen Erschöpfungszustand führen kann. Meist betrifft es Kinder, die die Grundschulzeit hinter sich haben und weiterführende Schulen besuchen. In Deutschland sind dies etwa 20 bis 30 % bei stetig wachsender Tendenz.

Kinder die unter einem Burnout leiden können daher unumstritten als Folge einer Leistungsgesellschaft betrachtet werden. Ein straff durchorganisierter Alltag, ständig wachsender Erfolgsdruck in den Schulen, Mangel an Bewegung und die digitalisierte Welt mit Handy und Internet sind allesamt Stressfaktoren, die auf Dauer zu ernsthaften Problemen führen können. So entstehen schnell Versagungsängste, die wiederum in Frustration und irgendwann Verzweiflung resultieren. Erschreckend ist ferner, dass die betroffenen Kinder immer jünger werden und oftmals die Ernsthaftigkeit der Lage nicht rechtzeitig erkannt wird.

Worauf Eltern achten sollten

Kindern ist es anzumerken, wenn ihre schulischen Leistungen nachlassen. Für viele kleine Menschen wird der Schulbesuch dann häufig zu einer Qual. Insbesondere sensible Schülerinnen und Schüler leiden sehr darunter, wenn ihnen der Stoff über den Kopf zu wachsen droht. Als Folge treten Schlafstörungen auf, die die dauernde Müdigkeit zunehmend verstärken. Das Gefühl, zu versagen, wächst und schon bald fühlen sich Burnout Kinder wie in einem Hamsterrad. Sie strampeln und strampeln und kommen doch nicht voran. Auch die Lust auf Freizeitaktivitäten lässt nach, da die Sorgen, die viele Burnout Kinder meist lange Zeit verschweigen, auch ihr Seelenleben sehr beeinflussen.

Erschwerend kommen die Jahre der Pubertät hinzu. Fast bei allen Jugendlichen lassen die Leistungen während dieser Selbstfindungsphase nach, da sie in diesen schwierigen Jahren mit ihren eigenen Emotionen schon genug zu tun haben. Folglich gerät die Schule stark in den Hintergrund. Weitere Phänomene sind Internet und Handys, die einen sehr hohen Stellenwert bei Kindern einnehmen und für die sie sich sehr viel Zeit nehmen. Jedoch sind auch die permanente Erreichbarkeit und das ausgeprägte virtuelle Leben Stressfaktoren, die als solche nicht erkannt werden.

Im Gespräch bleiben

Gespräche schaffen Vertrauen. Burnout Kinder neigen leider dazu, introvertiert zu sein und leugnen gerne ihre Probleme. Es ist daher ganz wichtig, dass Eltern immer wieder zum Ausdruck bringen, dass sie für ihre Kinder da sind und Hilfe anbieten. Druck aus dem Elternhaus ist kein Ausweg aus der Krise. Mütter und Väter müssen ihre Kinder immer wieder darin bestärken, dass alles im Leben seine Zeit braucht. Dies betrifft die Kindheit, das Lernen, Heranwachsen ebenso wie die Reifeprozesse und schließlich die vielen Zeitspannen eines Lebens, die es braucht, um Selbstbewusstsein zu erlangen. Natürlich steht all dies im Gegensatz zum permanenten Zeitdruck, mit dem viele Burnout Kinder heute zu kämpfen haben. Der schulische Stundenplan ist gut gefüllt. Vieles muss gelernt werden, auch wenn es noch so sinnlos erscheinen mag. Daher sollte die Terminplanung am Nachmittag gut durchdacht und mit Aktivitäten verplant werden, die wirklich Spaß machen und nicht dem Wunschdenken der Eltern entsprechen.

Auch die Werbung setzt alles daran, Kindern zu vermitteln, was sie alles haben müssen. Unter dem Motto jung, schön, dynamisch und erfolgreich wird dort eine Scheinwelt präsentiert, die ansteckend wirkt, jedoch dramatische Folgen hat. Denn alle jungen Menschen, die sich ihr nicht anpassen können, fühlen sich auch deshalb häufig als Verlierer, so dass sich der Teufelskreis weiter dreht.

Was Eltern tun können

Gelingt es nicht, dass sich Burnout Kinder gesprächsbereit zeigen und ihr Erschöpfungszustand immer größere Ausmaße annimmt, muss professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Es gibt kein festgesetztes Heilungsschema, da auch Burnout Kinder sehr individuell sind und jedes für sich unterschiedliche Maßnahmen erfordert. In manchen Fällen können Entspannungsübungen schon Hilfe bringen. Auch eine Mutter-Kind-Kur in regenerierender Nordseeluft kann sehr heilsam sein. In fortgeschrittenen Stadien eines Burnouts sollte eine Psychotherapie oder eine stationäre Aufnahme in einer psychosomatischen Kinderklinik in Erwägung gezogen werden. Ärzte und Jugendämter stehen auch hier gerne hilfreich zur Seite.


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2 Kommentare

Hallo Dennis,

ein sehr schöner Beitrag, den man auch meiner Meinung nach nicht Ernst genug nehmen kann. Als ich dann allerdings die Zahlen von 20-30% gelesen habe, war doch nochmal schockiert.

Ich bin für dieses Thema aktuell vor allem deshalb sehr sensibel, weil unser Sohn dieses Jahr eingeschult wurde. Die ersten drei Wochen sind vorüber, und er schlägt sich im Großen und Ganzen recht gut. Doch obwohl er von der KiTa her seit dem ersten Lebensjahr den Umgang mit anderen Kindern kennt, ebenso wie die Tatsache, daß wir ihn erst gegen halb fünf nachmittags abholen kommen, gibt es in der Schule sehr viel Neues, mit dem er zurechtkommen lernen muß. Natürlich muß er auch dort ganztags bleiben, weil wir beide berufstätig sind. Wir denken zwar, daß ihm das nicht allzuviel ausmacht und ihm grundsätzlich sogar gefällt. Wir bemerken aber schon auch, daß die Schule vormittags was anderes für ihn ist als eben Kindergarten, eben weil da sehr viel mehr durchgetaktet ist und eben nach Stundenplan verläuft. Daran muß er sich erstmal gewöhnen.

Montag beispielsweise war er nachmittags, als ich ihn abgeholt habe, ziemlich groggy: Vier Stunden Schule, danach Musik-AG (Trommeln), dann Mittagessen, Hausaufgaben, danach Fußball-AG… Das war schon recht heftig für ihn.
Gestern Abend dann haben wir mit ihm gesprochen und uns darauf geeinigt, das Trommeln erst nochmal für ein paar Monate zu verschieben, bis er sich besser eingewöhnt hat. Er war zwar erst etwas unglücklich, weil er sich das Trommeln, ebenso wie die Fußball-AG, selbst ausgesucht hatte (Spaßfaktor). Aber er hat auch sehr fix eingesehen, daß das doch etwas zu viel für ihn gewesen ist.

Ich kann also auch nur allen anderen Eltern, die vor ähnlichen Entscheidungen stehen, raten, hier genau hinzusehen. Mit Beginn der Schule entziehen sich uns Eltern genügend Faktoren, die wir nicht mehr vernünftig beeinflussen können. Was wir aber nach wie vor (noch ;)) beeinflussen können, ist, wie wir mit unseren Kindern zusammen ihre Freizeit gestalten. Ein von morgens bis nachmittags/abends vollgeknallter Stundenplan ist da sicher nicht streßmindernd und gesundheitsfördernd – auch, wenn das Kind sich manches/vieles davon selbst ausgesucht haben sollte, und erst Recht, wenn einiges/das meiste davon nur dem falschen Ehrgeiz von Mutter oder Vater entspringt.

Danke Dir für den Beitrag, Dennis 🙂

Grüße,
Alex

Hallo,

vielen Dank für deine Antwort. Ja, es ist ein sehr, sehr wichtiges Thema bei dem Eltern sowie Lehrkräfte gefordert sind. Lieber einmal mehr hinschauen, als zu spät festzustellen, dass ein Kind sich verändert und tiefgreifende Probleme hat.

Die Zahl mit 20-30% fand ich auch ziemlich hoch. Allerdings bin ich bei Recherchen öfter auf diese hohe Zahl gestoßen. Sicherlich ist es schwierig genaue Daten zu beheben, ich denke schon das es da große Schwankungen gibt. Allerdings geht es ja am Ende nicht um die Zahlen, sondern darum, achtsam zu sein um Risiken für die Kinder schneller wahrzunehmen.

LG
Dennis