veröffentlicht am 5. März 2015 in Depression und Angststörung von

Alkohol und Depression

Alkohol und Depression veträgt sich nicht. Viele Alkoholkranke leiden neben ihrer Sucht an einer Depression, Angststörung oder Panikattacken. Ob es sich hierbei um Ursachen für den Griff zur Flasche oder um Folgeerkrankungen handelt, ist in der Praxis meist nicht eindeutig abgrenzbar. Sucht nach Alkohol und psychische Erkrankung treffen oft aufeinander und der Teufelskreis aus Trinken, Scham und Niedergeschlagenheit schließt sich nur allzu schnell. Fakt ist, dass Alkohol in geringen Mengen euphorisierend wirkt, in höheren Dosen aber selbst depressiv macht oder bereits bestehende Symptome einer Depression verschlimmert. Für eine erfolgreiche Behandlung müssen beide Aspekte berücksichtigt werden.

Alkohol und seine Wirkung im Gehirn

Beim Alkoholkonsum werden bestimmte Moleküle an Rezeptoren im Gehirn gebunden und sorgen für veränderte Übertragungen der Nervenzellen-Impulse. Da sie an denselben Stellen andocken wie in etwa Valium, verhält sich Alkohol wie ein Beruhigungsmittel. Man fühlt sich enthemmt und verliert ein Stück weit die Kontrolle über seinen Körper, was die Symptome einer Depression verschleiern kann: Alkohol bewirkt, dass Dopamin und Serotonin ausgeschüttet werden, was Schmerzen lindert, Vorfreude erzeugt und Angst löst. Um Spannungen abzubauen, Gefühle der Wut zu betäuben oder traumatisierende Erfahrungen zu verdrängen, gilt Alkohol als probate und billige Lösung, denn Traurigkeit und Einsamkeit werden als weniger bedrückend empfunden und Probleme erscheinen weniger bedeutend als im nüchternen Zustand.

Eine psychische Störung kann sich auf die Betroffenen in agressiven und lustlosen Gefühlschwankungen auswirken. Zudem Berichten viele Depressive darüber, dass die Gefühle abstumpfen. Die Gefühle sterben ab, das Leben scheint unerträglich fade und sinnlos. Wer in dieser Situation zu Alkohol greift, kann die Depression scheinbar abschwächen. Leider ist seine stimmungsaufhellende Wirkung jedoch nur kurzfristig zu spüren, denn auf Dauer werden negative Gefühle durch regelmäßigen Alkoholkonsum sogar verstärkt. Alkohol ist in erster Linie ein Nervengift und macht depressiv. Durch wachsende körperliche Abhängigkeit benötigt man zudem stetig höhere Dosierungen, um beim Trinken die gewünschte Wirkung zu erzielen. Als vermeintliches Hilfsmittel ist Alkohol nicht in der Lage, bestehende Probleme zu lösen und zu einer Verbesserung der psychischen Leiden beizutragen..

Alkoholkonsum – den Teufelskreis durchbrechen

Sich selbst einzugestehen, dass ein folgenschweres Problem besteht und sich einem Arzt anzuvertrauen, ist bei Suchtkranke der erste und entscheidende Schritt für einen Neuanfang. Genau das Gleiche gilt für Menschen die unter einer Depression leiden. Bei modernen Behandlungsformen von Alkoholismus ist die Abstinenz selten das erste Ziel. Damit diese überhaupt angestrebt werden kann, müssen zunächst die nötigen Voraussetzungen auf psychischer Ebene geschaffen werden: Menschen mit Angststörungen und Panikattacken müssen durch alternative Strategien wieder lernen, mit ihrem Leiden umzugehen. Viele Betroffene werden bereits zu Beginn ihrer Therapie mit Antidepressiva behandelt – insbesondere, wenn die Depression mit Suizidgedanken einhergeht. Durch Ruhigstellung des Körpers können diese auch den physischen Entzug in großem Maße erleichtern. Wegen teils schwerwiegender Wechselwirkungen, die im schlimmsten Fall zum Tod führen können, ist von einer Alkoholzufuhr unter Medikamenteneinfluss strengstens abzuraten. Gewisse Präparate, welche beim Konsum geringer Mengen Alkohol zu Unverträglichkeitsreaktionen wie Kopfschmerzen und Übelkeit führen, werden jedoch teilweise ganz speziell eingesetzt, um einen Rückfall zu verhindern.


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